Stuttgart - Es geht endlich wieder los! Sichtlich gerührt zeigte sich Carolin Bauer-Rilling, die neue Intendantin der Stuttgarter Philharmoniker, in ihrer kurzen Rede zum Saisonstart im Beethovensaal beim ersten großen Sinfoniekonzert des Orchesters in pandemischen Zeiten.
Unter Leitung des Gastdirigenten Rasmus Baumann setzte man zwar programmatisch arg auf Zucker, allerdings unter dem originellen, doppeldeutigen Motto „Das kommt uns Spanisch vor!“ Rossinis gänzlich auf spanisches Kolorit verzichtende Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ spielte das Orchester delikat und fluffig, ebenso Tschaikowskys Variationen für Cello und Orchester auf ein angebliches Rokoko-Thema.
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Der Star-Cellist Daniel Müller-Schott demonstrierte in lässiger Virtuosenhaltung, was aus dem charmanten Ohrwurm-Thema so alles herauszuholen ist: graziöse Figurationen, rasantes Laufwerk und lustige Trillerketten, aber eben auch verträumte Leidenschaft. Cellogesang, molto espressivo. Eine nette Geste: Müller-Schott als kommunikativer Musiker spielte seine Zugabe, Casals’ „Gesang der Vögel“, nicht solo, sondern gemeinsam mit der Cellogruppe.
Das Hauptwerk der Abends? Leider ein Missgriff
Spanisch wurde es dann mit der Sinfonia Sevillana, mit der Joaquin Turina 1920 seiner Heimat Andalusien ein Denkmal gesetzt hat. Sie schwelgt in üppigen Orchesterfarben, ihre berauschenden Tanzrhythmen führen immer wieder in euphorische Klangsteigerungen – vom Orchester mitreißend umgesetzt. Das Hauptwerk des Abends, die für großes Orchester instrumentierte Suite Española von Isaac Albéniz, offenbarte sich dagegen als Missgriff. Albéniz hat das Werk ursprünglich für Klavier komponiert: duftige Musik, rhythmisch fein, poetisch, verzaubernd, oft auch introvertiert. Die fette Instrumentierung, die der Dirigent Rafael Frühbeck de Burgos der Suite einst angetan hat, vergrößert die feine Melodik, die raffinierten Rhythmen ins Monströse, die Musik beginnt plötzlich zu schreien bis ins Militärisch-Zackige, Kastagnetten und Glöckchengeklingel produzieren Kitsch. Das alles zerstört den Zauber dieser Musik und langweilt.