Saisonstart in der Rampe Ist ein Affe der bessere Mensch?

Rein in die Urhöhle: Szene aus „Show down“. Foto: Alexander Wunsch/TR

Solo für einen Felllosen: Beim Spielzeitauftakt im Theater Rampe fragt ein Tanzsolo nach der Entstehungsgeschichte des modernen Individuums.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Stuttgart - „Und plötzlich sind Menschen da!“ Martina Grohmann, Intendantin der Rampe, ist beim Saisonstart am Mittwoch so hocherfreut über die Rückkehr des Publikums, dass es ihr eine kleine Ansprache im Hof wert ist. Auch auf der Bühne geht es dann um den Menschen, der plötzlich da ist. „Show down“ heißt das Tanzstück, das unsere Evolution rückwärtslaufen lässt bis in eine Zeit, in der wir noch in Bäumen abhingen. Entwickelt hat es das Team um die Choreografin Nicki Liszta, auf die Bühne kommt es coronabedingt als Solo, getanzt von einem exemplarischen Individuum.

 

Von der Urzeithöhle bis zum Untergang

Was ermächtigt den Menschen, sich als Krone der Schöpfung zu fühlen? Wo ist die Abzweigung, an der sich unsere Überheblichkeit revidieren ließe zugunsten eines respektvolleren Miteinanders? In drei Teilen soll es im Lauf der Spielzeit von der Urzeithöhle über unsere Gegenwart bis zum Untergangsszenario gehen.

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Wer aus dem Team „Show down“ tanzen darf, wird jeden Abend neu verhandelt. Die erste Show gehört Steven Chotard. Dass er im günstigsten Performerkostüm antritt, nimmt er erst schüchtern hin, macht sein Nacktsein aber schnell zur Selbstverständlichkeit. Er will näher ran an seinen Ursprung, sich ein Fell wachsen lassen, wie er mittels Schrifttafeln mitteilt. „Bis jetzt klappt’s noch nicht.“

Packende Tanzszenen, starke Live-Gitarre

Was klappt, ist ein Geburtsprozess rückwärts. Wie Chotard sich in eine Projektionswand hineinschlängelt, auf der eine Gorilladame erstaunt ins Publikum schaut, ist amüsant. Doch wenn er auf der anderen Seite an einem nabelschnurartigen Gummiband auftaucht, wenn er seine Herkunft als sperrigen Ballast mit sich schleppt, wenn er turnend auftrumpft, dann rührt das an: Der Mensch kann sich aufspielen, wie er will, er kommt wie seine Mitgeschöpfe in einem sehr archaischen Akt in die Welt.

„Show down“ ist ein Solo mit intensivem Körpertheater und starker Live-Gitarre. Vor allem im Dialog mit Filmmomenten aus einer Art Menschenzoo entfaltet Steven Chotard einen Kosmos an Fragen und lässt frösteln über die Distanz, die uns vom Ursprung trennt. Nerviges Affengebrüll nimmt man dafür hin. Es gibt viel Applaus – und sicher kommt der eine oder die andere wieder, um diesen „Show down“ in neuer Besetzung zu erleben.

Info

Termine
Nochmals am 1. und 2. sowie vom 5. bis zum 7. Oktober im Theater Rampe

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