Saks Off 5th in Stuttgart schließt Marken-Outlet vor dem Aus

Von Martin Haar 

Das Ende des Outlets von Saks Off 5th macht mehrere Probleme des Handels in Stuttgart deutlich. Der neue City-Manager fordert daher ein grundsätzliches Umdenken – für den Handel und kulturelle Einrichtungen.

Luxus-Marken für wenig Geld – das Konzept von Saks Off 5th. Foto: dpa
Luxus-Marken für wenig Geld – das Konzept von Saks Off 5th. Foto: dpa

Stuttgart - Die schlechten Botschaften im Handel enden nicht: Nun hat es sogar eine große Kette erwischt: Saks Off 5th. Die Modekette an der Ecke König- und Schulstraße schließt. Wann genau, ist nicht sicher. „Bald“, sagen die Mitarbeiter, die ansonsten zum Schweigen verdonnert sind – und sich sonst an das Gelübde halten. Das mag auch daran liegen, dass ihnen Arbeitsplätze bei Kaufhof in Aussicht gestellt wurden – der großen Schwester von Saks Off 5th.

Das Ende des so genannten Premium-Outlets, das Luxus-Marken günstig anbietet, wundert in der Stadt niemanden. Einerseits werden die strukturelle Krise durch den wachsenden Online-Handel und die schwächer werdende Passantenfrequenz in der Innenstadt genannt. Andererseits werden aber auch hausgemachte Probleme genannt. So hält ein Modehändler aus Stuttgart das ganze Konzept von Saks Off 5th für fragwürdig: „Alleine die Warenpräsentation war schlecht. Vielleicht wären die Leute eher angesprungen, wenn man weniger Ware auf einer kleineren Fläche angeboten hätte.“ Zudem sei viel Ramsch dabei gewesen. Der Mann spricht aus eigener Erfahrung. Auch er habe seine unattraktiven Restposten für 70 Prozent unter Verkaufspreis an Saks verhökert. „Sie haben die Ware dann mehr oder weniger blind, ohne sie groß anzuschauen, übernommen.“ Im Geschäft an der Königstraße seien aber eben jene Produkte dann doch sehr teuer weiter verkauft worden. „Die Preise waren dann teilweise viel höher, als die im Internet für die gleiche Ware“, berichtet der Einzelhändler.

Passantenfrequenz eines der Probleme

Was die Passantenfrequenz anbelangt, die sicher auch Saks zu schaffen machte, beklagen inzwischen alle Händler einen massiven Rückgang. Und zwar nicht nur in den Randlagen. Selbst Läden in Lagen, die früher als top eingestuft worden sind und nah an der Königstraße liegen, kämpfen. Gerade in der Schulstraße, an deren oberen Ende der zweite Eingang von Saks Off 5th liegt, stehen derzeit zwei Läden leer. Auf einer Fläche hat sich ein Pop-Up-Store eingerichtet.

Der Inhaber von Korbmayer, Florian Henneka, will seine Schulstraße nun nicht in diesem ganz schlechten Licht stehen lassen. Gleichwohl sieht er Handlungsbedarf, um die Attraktivität in der Stadt und in der Schulstraße wieder anzuheben. Er nennt das ein „Facelifting“. „Die Stadt sollte sich überlegen, ob im Rahmen der Marktplatzneugestaltung nicht auch die anliegenden Straßen aufgewertet werden könnten." Henneka will den Schwarzen Peter jedoch nicht nur an die Kommune schieben. „Auch Händler und Immobilienbesitzer müssen Verantwortung übernehmen.“ Dazu sollte man einen runden Tisch etablieren. Dazu braucht er aber auch wieder die Stadt. Nicht nur als Teilnehmer, auch als Unterstützer: „Denn ich kenne gar nicht alle Immobilienbesitzer, also kann ich sie auch nicht einladen. Die Stadt kennt die Namen aber sehr wohl.“

Handel treiben wird schwieriger

Kurzum: In der Stuttgarter City Handel zu treiben, wird angesichts der Rahmenbedingungen schwieriger. Immer wieder kritisieren der Handelsverband, namentlich die Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann, und mehrere Händler, dass in der Stadt ein Masterplan fehle. Die Dauer- und Reizthemen dabei sind Parken, autofreie Innenstadt, Baustellen, Feinstaubalarm und Fahrverbote.

Der neue City-Manager Sven Hahn appelliert daher an alle Macher aus Kultur, Gesellschaft und Politik, die sich um die Zukunft der Innenstadt Gedanken machen: „Man muss sich im Klaren sein, dass hier auf Dauer keiner alleine überleben kann.“ Damit meint er auch die kulturellen Einrichtungen wie das Kunstmuseum und die Staatsgalerie. „Letztlich profitieren alle, also auch die Gastronomie und die Kultur davon, wenn die Leute zum Einkaufen in die Stadt kommen“, sagt Hahn.

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