Samariterstift in Ostfildern-Ruit Pflegeheim wird für 11,6 Millionen Euro saniert

Rainer Lechner ist der Geschäftsführer der Gradmann-Stiftung. Foto: /Ines Rudel

Seit 40 Jahren werden Senioren im Samariterstift in Ostfildern-Ruit betreut. Das ehemals städtische Heim gehört heute der Gradmann-Stiftung. Deren Geschäftsführer Rainer Lechner macht das Haus zukunftsfähig. Es soll für 11,6 Millionen Euro saniert werden.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Ein Ort der Begegnung für die Menschen in Ostfildern ist das Pflegeheim Samariterstift in Ruit mit dem benachbarten Gradmann-Haus. Beide Gebäude sind ins Gemeinwesen integriert. Am Samstag feiert das Heim 40-jähriges Bestehen. Ein Fest und Aktionen rund um das Thema Altenpflege sollen Jung und Alt ein Bild vom Leben in dem Haus vermitteln. Das Heim in der Grünen Mitte des Ostfilderner Stadtteils gab nach den Worten von Rainer Lechner, dem Geschäftsführer der Gradmann-Stiftung, „den Anstoß für das vorbildliche Altenhilfe-Konzept der Stadt Ostfildern“.

 

Von Januar 2025 bis April 2026 wird das Haus nun generalsaniert. Lechner ist es wichtig, die Einrichtung zukunftsfähig aufzustellen. Er war bis März 2023 Erster Bürgermeister der Stadt Ostfildern. Inzwischen ist der Finanz- und Verwaltungsexperte, der in Ruit lebt, Geschäftsführer der Gradmann-Stiftung, der das Haus mit 82 Zimmern in sogenannten Hausgemeinschaften gehört. Die Stiftung, die 1991 rechtskräftig wurde, erinnert an das Unternehmer-Ehepaar Erich und Liselotte Gradmann. Heute gehören ihr 13 Einrichtungen in Ostfildern und in der Region.

Gebaut wurde das Samariterstift in den Jahren 1982 bis 1984 von der Stadt Ostfildern. Anders als viele Kommunen hat die Stadt die Einrichtungen in den 1980er Jahren mitten im Ruiter Zentrum geplant. Dieser Weg habe sich für die Stadt bewährt, sagt der ehemalige Bürgermeister der Stadt. „Die Gradmann-Stiftung hat die Philosophie der Stadt – Altenbetreuungseinrichtung in der Ortsmitte zu planen, um den Älteren so lange es geht, eine Teilhabe am Ortsleben zu ermöglichen – übernommen und weitergeführt.“

Das Samariterstift Ruit in Verbindung mit dem Gradmannhaus in der Scharnhauser Straße laut Rainer Lechner der Grundstein für das kommunale Altenhilfekonzept, das vom Land Baden Württemberg als modellhaftes Beispiel ausgezeichnet wurde.

Großes ehrenamtliches Engagement der Menschen

In den 1980er Jahren fehlten Heim- und auch Pflegeplätze für Senioren. Auf den demografischen Wandel reagierte die Stadt damals mit dem Bau einer eigenen Einrichtung. Dabei verweist der Alt-BürgermeisterRainer Lechner auf das große ehrenamtliche Engagement der Menschen. „Sie wollten für das erste Altenheim eine Million Spenden aufbringen.“ Im Zuge dieser Aktivitäten wurde auch der Verein Altenhilfe Ostfildern gegründet. Zu einer Dauereinrichtung ist seitdem das Benefizessen geworden, bei dem die Verwaltungsspitze mit bekannten Persönlichkeiten den Service übernimmt. Es fand Jahrzehnte im Stiftssäle statt, dann zog die Veranstaltung ins Stadthaus im Scharnhauser Park um. „Da das Kochen sehr aufwendig war, haben wir nach der gelungenen Premiere mit Küchenchefs aus Ostfildern zusammengearbeitet.“ Dieses Konzept klappt bis heute bestens.

Zunächst war das Samariterstift ein Altenheim. Dann wurde der Bedarf an Pflegeplätzen immer größer, die Einrichtung musste umgebaut werden. „Das konnte die Stadt nicht mehr schultern – ebenso wenig wie den Betrieb“, blickt Rainer Lechner zurück. Im November 1994 kaufte die Gradmann-Stiftung das Samariterstift von der Stadt Ostfildern. Sie finanzierte den neunmonatigen Umbau. „Das Haus hatte nach diesem Umbau 100 Plätze, 40 Einzelzimmer und 30 Doppelzimmer sowie acht Kurzzeitpflegeplätze“, sagt Rainer Lechner.

Neue Regelungen für Altenpflegeheime erforderten 2012 einen erneuten Umbau, um die Doppelzimmer in Einzelzimmer umzuwandeln und sogenannte Wohngruppen mit dezentralen Küchen und Aufenthaltsräumen einzurichten. Seitdem hat die Einrichtung fünf Wohngruppen mit jeweils 15 bis 17 Plätzen. Die zentrale Großküche entfiel, denn die Seniorinnen und Senioren bereiten ihre Mahlzeiten jetzt selbst in den kleineren Gruppenküchen zu.

Dass die Generalsanierung bei laufendem Betrieb erfolgen soll, Rainer Lechner zufolge herausfordernd. Die Kosten für die Gradmann-Stiftung schätzt der Geschäftsführer auf 11,6 Millionen Euro. Dafür hat die Stadt Ostfildern eine Ausfallbürgschaft übernommen. Wie wichtig die Gradmann-Stiftung für das Gemeinwesen ist, machten die Stadträte vor der Sommerpause in ihren Stellungnahmen deutlich. Vom „segensreichen Engagement“ der Gradmann-Stiftung sprach Rolf Wieder (Freie Wähler). Auch Stefanie Sekler-Dengler (SPD) lobte die kontinuierlich gute Zusammenarbeit mit der Gradmann-Stiftung: „Das Samariterstift ist die älteste Altenhilfeeinrichtung in der Stadt. Als Träger mehrerer Einrichtungen ist sie für uns besonders wichtig.“

Die Integration der betagten Menschen, die im Samariterstift Ruit leben, klappt nicht zuletzt wegen der guten Nachbarschaft mit dem Gradmann-Haus. In dem städtischen Gebäude sind betreute Wohnungen und ein Bürgertreff untergebracht. In dem kleinen Café mit Blick in die Grüne Mitte begegnen sich Generationen. Auch den Bau dieses Hauses hat die Gradmann-Stiftung mit erheblichen finanziellen Mitteln unterstützt.

Das Samariterstift in Ostfildern feiert

Buntes Fest
 Mit einem bunten Fest feiert die Samariterstiftung am Samstag, 7. September, ab 11.30 Uhr in der Grünen Mitte in Ruit, Kirchgässle 1, das 40-jährige Bestehen des Pflegeheims. Mit dem benachbarten Gradmann-Haus ist das Heim voll in das Gemeinwesen der Stadt mit 40 000 Einwohnern integriert.

Programm
 Mit einer Andacht eröffnet Pfarrerin Stefanie Stooß den Festtag im Samariterstift. Um 12.30 und um 14 Uhr stehen Führungen durch das Haus auf dem Plan. Es gibt einen Demenzparcours, eine Theateraufführung und andere Aktionen. Der Alleinunterhalter Franz  Ansmann macht Musik.

Mitten im Leben
 Derzeit gibt es in dem Pflegeheim82 Zimmer. Es wird von der Samariterstiftung als Hausgemeinschaftsmodell geführt. Gefeiert wird mit Bewohnerinnen und Bewohnern, mit Angehörigen und mit Menschen aus dem Quartier. Das Heim öffnet sich mit vielen Aktivitäten in die Stadtgesellschaft.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Ostfildern