Sammelcontainer in Stuttgart Kleidersammler kämpfen gegen illegalen Müll

Wenn die Container voll sind, laden die Leute ihre Säcke einfach daneben ab. Foto: Marta Popowska

Genervte Passanten, überforderte Hilfsorganisationen: Seit Beginn der Corona-Krise werfen Menschen mehr Textilien, aber auch eine Menge Abfall in die Altkleidercontainer.

S-Süd - Etwas verdutzt schaut der junge Mann auf die Altkleidercontainer, zieht kurz am Griff der Einwurfklappe, doch die rührt sich nicht. Der Sammelbehälter des Roten Kreuzes nahe des Marienplatzes im Stuttgarter Süden ist voll, so auch der zweite daneben. Der Mann zögert, doch dann stellt er den großen Müllsack mit ausrangierten Textilien zu den gut 20 anderen, die sich bereits auf dem Gehweg der Böheimstraße stapeln. In seinem Kofferraum befinden sich noch weitere Säcke.

 

Solche Szenen sind seit Monaten in der gesamten Stadt verstärkt zu beobachten. Seit Beginn der Corona-Krise haben viele Menschen ihre Zeit mit Ausmisten verbracht und ihre ausrangierten Textilien zu einem der rund 200 Altkleidercontainer, die im Stadtgebiet stehen, getragen. Appelle der Betreiberorganisationen, man möge die Kleidung vorerst noch zuhause lagern, verhallten oder erreichten die Menschen nicht. „Leider ist die Entsorgung von Kleidern und Müll an Containerstandorten dauerhaft ein Thema, zu dem die Landeshauptstadt häufiger Beschwerden erhält“, bestätigt der Stuttgarter Pressesprecher Martin Thronberens.

Der Absatzmarkt ist eingebrochen

Für die Organisationen bedeuteten die jüngsten Textilberge mehr Leid als Freud. Viele Sortierbetriebe und Kleiderkammern hatten lange Zeit geschlossen, genauso wie die Grenzen. Der Absatzmarkt ist eingebrochen. „Die Menschen bringen aber immer mehr Spenden. Und wenn sie sehen, der Container ist voll, lassen sie die Sachen stehen“, sagt Thomas Gäßler, der Beauftragte für die Altkleidersammlungen beim Malteser Hilfsdienst (MHD).

Zum weiteren Leidwesen der Betreiber sowie von Passanten laden viele Menschen zudem Hausmüll vor und gar in die Container ab. Die Hemmungslosigkeit erschreckt Gäßler. „Man hat den Eindruck, die gesamte Wohnung wird ausgemistet. In den Säcken ist oft unter anderem nur Hausmüll und nicht mehr tragbare Kleidung“, sagt er. So rücken die Entsorger statt einmal, bis zu dreimal in der Woche zu Containern aus, um sie zu leeren und zu reinigen.

Laut dem Sprecher des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg, Udo Bangerter, gibt es ein weiteres Problem: „Der Müll und nasse Sachen machen uns schwer zu schaffen. Ein Farbeimer oder nasse Kleidung machen eine ganze Containerladung unbrauchbar.“ Die Organisationen müssen das auf eigene Kosten entsorgen. „Die Leute haben vorher schon Müll reingeworfen. In der Corona-Zeit ist das allerdings enorm gestiegen. Es ist eine Sauerei“, betont er. Rund 17 000 Euro habe das DRK bislang für die Beseitigung aufgewendet.

Kritik am Standort

Und wenn vor den Sammelcontainern erst einmal Müll liegt, lädt das viele dazu ein, noch etwas dazu zu legen. Das beobachtet Catherine Gebhardt-Bernot an der Kreuzung Schwab- und Rotebühlstraße seit langem. Als Passantin kommt sie dort häufiger vorbei und empfindet den Bereich als wahren „Unort“. Vor dem Südwestbank/Edeka-Gebäude stehen fünf Altglascontainer sowie zwei Altkleidercontainer der gemeinnützigen Organisation Help-World. „Es werden weggeworfene, unappetitliche Kleidungstücke hineingestopft. Die Menschen lassen einfach ihre Tüten stehen, weil der Container voll ist“, sagt sie. Die Stuttgarterin findet, es sei ein Fehler, an einer solchen Straße ein Kleidercontainer aufzustellen.

Laut Martin Thronberens habe die Straßenverkehrsbehörde schon vor längerer Zeit Kontakt mit dem zuständigen Entsorger Help-World aufgenommen. „Die Entwicklung wird zunächst noch beobachtet, da der Standort von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Sollte sich die Situation nicht ändern, wird ein Alternativstandort gesucht“, erklärt er. Dass Altkleidercontainer wegen einer dauerhaften Vermüllung des Standortes umgesetzt würden, sei aber äußerst selten.

Help-World-Vorstand Klaus Engesser bestätigt, dass man manche Container auch bis zu drei Mal die Woche anfahren müsse. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien zuletzt kaum mehr hinterhergekommen. Bereits im Mai hatten Help-World, das DRK und die Aktion Hoffnung einen gemeinsamen Brief an die Stuttgarter Verwaltung verfasst, und unter anderem darum gebeten, den Abfall kostenlos bei den Wertstoffhöfen abgeben zu dürfen und die Nutzungsgebühren für die Standorte für die Altkleider-Container auszusetzen.

Doch dies lehnte die Stadt ab. Zum einen, weil die Bescheide für 2020 bereits im Jahr 2019 erlassen worden und damit rechtskräftig seien, zum anderen verwies man im Antwortschreiben auf die Gebührengerechtigkeit. So können die Organisationen nur darauf hoffen, dass die Menschen ihrem Müll nicht zu den Containern tragen, sondern korrekt entsorgen.

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