Sammlerfreude in Hofen Stuttgart bekommt ein Traktor-Museum

Uwe (li). und Gerhard Mühleisen in ihrem neu gegründeten Traktormuseum in Hofen Foto:  

Die Brüder Uwe und Gerhard Mühleisen zeigen ab Anfang September in der ehemaligen Zehntscheuer in Stuttgart-Hofen eine ständige Schau historischer Porsche-Diesel-Schlepper.

Lokales: Iris Frey (if)

In der Scheune am Kelterplatz in Hofen mit ihren braunen Flügeltüren funkelt und glitzert es in Rot. Dort stehen gleich mehrere Porsche. Doch es sind keine Sportwagen aus Zuffenhausen, sondern fast ein Dutzend Traktoren aus den Jahren 1957 bis 1964. Sie stehen in Stuttgarts erstem Traktor-Museum und heißen Berta, Xaver, Heinrich, Ilse und Oliver. Sie haben 14 bis 50 PS, sind zwischen 880 und 2100 Kilo schwer und fahren bis zu 38 Kilometer pro Stunde. Mit den Traktoren erfüllen sich die Hofener Brüder Gerhard und Uwe Mühleisen einen Traum. Zugleich wird die Zehntscheuer, die die Brüder vor 24 Jahren gekauft haben, einmal mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Leidenschaft begann vor 20 Jahren

Dass er einmal Sammler von Porsche-Traktoren werden wird, hätte Gerhard Mühleisen (58) nie gedacht. Vor 20 Jahren wurde er von der Leidenschaft für die roten motorisierten Landwirtschaftshelfer erfasst. Dabei haben die Brüder nichts mit Ackerbau zu tun. Der Fleischermeister war damals in Zell am See bei einer Jubiläumsveranstaltung des Porsche-Diesel-Clubs und schenkte mit Bier aus, als die Liebe zu den Traktoren erwachte. Er hat die Fahrzeuge gesehen, erlebt, ist mitgefahren, dann war ihm klar: „So was brauch ich auch.“ Daheim erzählte er seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Uwe, ebenfalls Fleischermeister, davon. Gemeinsam haben sie früher an Autos geschraubt. Jetzt erwachte eine neue Leidenschaft - für Traktoren.

Die rote Farbe hat es ihm angetan

Die rote Farbe mit der RAL-Nummer 3002 hatte es ihm angetan. Seine Anforderungen an sein erstes Gefährt: Es sollte rot sein und fahren können. Über den Porsche-Diesel-Club kam er zu seinem ersten Traktor Baujahr 1964, erzählt Gerhard Mühleisen. Jahr um Jahr reihte sich einer ums andere dazu: Fahrzeuge, die in den Weinbergen eingesetzt sind, andere, die beim Ackerbau, beim Säen und Ernten oder Mähen helfen.

Lediglich die Sitze der Traktoren wurden verbessert oder neu positioniert. Alles andere blieb erhalten. Bei einem Neuzugang wird erst einmal die Motorhaube geöffnet und dann wird das Gefährt Stück um Stück zerlegt. Beim Zusammenbau helfen Explosionszeichnungen, die die Traktoren in ihre Einzelteile zerlegt zeigen.

Porsche-Diesel-Traktoren in Zehntscheuer

Ihre Sammlerobjekte, die sich auf die Marke Porsche-Diesel beschränken, bekommen die Brüder sowohl von Sammlern als auch von Landwirten. Als sie gemerkt haben, wenn sie in der Zehntscheuer geschraubt und repariert haben, dass die Leute interessiert waren, kamen sie auf die Idee, in dem Gemäuer, in dem sie auch Events veranstalten, ein Museum zu eröffnen. Plakate und Fahnen sind fertig. Jetzt müssen für die Besucher zur Erklärung der Exponate die technischen Daten für die Traktoren als Schilder angebracht werden.

Wer in die Scheuer schaut, in der früher Getreide gedroschen wurde, dem blitzen elf Traktoren entgegen. Trotz unterschiedlichen Alters stehen sie top da. „Wie in der Oberliga“, weiß Gerhard Mühleisen. Für die Restauration von einem Traktor braucht er ein Jahr lang. „Es ist wie eine Sucht“, sagt der 58-Jährige. Für Interessierte zeigen die Brüder auch, wie unrestaurierte Gefährte aussehen. Dies wird beim Eröffnungstag gezeigt und wie man sie perfekt erneuert. So können sich die Museumsmacher auch vorstellen, hier anhand der Traktoren Maschinenkunde für Schulklassen und Interessierte zu geben.

Auch der Porsche-Diesel-Club Europa bietet ein Junior-Projekt an, bei dem mit Schülern Traktoren restauriert werden. Gerhard Mühleisen gefällt das soziale Engagement sehr gut. Er ist der Vorsteher des Freundeskreises Südwest beim Porsche-Diesel-Club Europa. Gerne gibt er auch Landwirten Tipps aus seiner nun 20-jährigen Erfahrung, wenn sie Probleme mit ihrem Traktor haben. Interessierten Besuchern zeigt er, warum das Getriebe, das er ausgebaut hat, „Karies“ hat, „weil es festgeschweißt wurde und kein Achsenspiel mehr da ist“. Eine Reihe „kariöser Getriebe“ liegen noch bereit.

Dann ist Mühleisen in seinem Element, der „Traktor-Doktor“, der ein 110-Prozentiger ist. Bei ihm muss alles perfekt repariert sein, bis zum Lack – einwandfrei in Zusammenarbeit mit Profis vom Dreher bis zum Kurbelwellenschleifer. So durchweht das Museum dreierlei: die Liebe zu alten Traktoren, Perfektionsdrang und Leidenschaft.

Restauriert wird alles selbst

Stiftung fürs Museum gegründet

Um das Museum der Nachwelt erhalten zu können, haben die beiden eine Stiftung gegründet. Auch die Umgestaltung des Kelterplatzes hat es möglich gemacht. Dieser bietet nun Platz für Veranstaltungen. So haben Mühleisens für die Eröffnungstage des Museums am 3. und 4. September den Kelterplatz gemietet. Dann werden in der Scheune nicht nur die historischen Traktoren zu sehen sein, auch Schlepper verschiedener Bauarten und Hersteller. Exotischstes Exponat ist ein Kaffeeschlepper aus Brasilien.

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