Sammlung Freilichtmuseum Beuren Museumsobjekte zum Wegwerfen zu schade

Rund 75 000 Gegenstände umfasst die Sammlung des Freilichtmuseums Beuren. Jetzt muss aussortiert werden. Foto: Ines Rudel

Die Kreistagsfraktionen von Freien Wählern und CDU wollen die Entsorgung von Sammlungsgegenständen des Freilichtmuseums Beuren verhindern. Sie regen einen Flohmarkt an, dessen Erlös der Sammlung zugute kommt.

Reporter: Elke Hauptmann (eh)

Beuren - Die geschätzt 75  000 Sammlungsgegenstände aus dem Bestand des Freilichtmuseums Beuren müssen bis zum Jahr 2025 umgezogen sein. Denn der Landkreis Esslingen hat für die einst von der Bundeswehr genutzte Militäranlage, in deren Bunkern sich das Museumsdepot befindet, neue Pläne: Sie soll renaturiert werden.

 

Weil die als Ersatz angemietete Lagerhalle mit rund 1200 Quadratmetern Fläche nur gut ein Viertel des bisher zur Verfügung stehenden Platzes bietet, hat im Depot nun das große Aufräumen begonnen: Welche Objekte werden zur Ausstattung der Museumsgebäude noch benötigt? Was ist relevant für die Forschung? Welche Kulturgüter sollen für künftige Generationen erhalten bleiben? Was kann weg? Diese Fragen prägen derzeit die Arbeit des Museumsteams, das nach einem Ampelsystem den Fundus durchforstet: Ein grüner Aufkleber heißt sammlungsrelevant, gelb geht in eine weitere Prüfung und rot wird ausgesondert.

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Die Frage, was mit den aussortierten Sammlungsgegenständen passieren soll, treibt die Fraktion der Freien Wähler im Kreistag des Landkreises Esslingen seit langem um. Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte sie im Kultur- und Sozialausschuss (KSA) beantragt, dass die nicht mehr benötigten Objekte „einer nachhaltigen Weiterverwendung zugeführt werden“ sollen. Doch die Idee, sie an Interessierte zu verkaufen, fand keine Mehrheit. Inzwischen aber, nachdem die Ausschussmitglieder im Herbst die Museumsgegenstände im Munitionsdepot in Beuren in Augenschein genommen haben, denkt so mancher anders über die Sache. Denn: „Erst dadurch wurden die Wertigkeit und die Bedeutung dieser Gegenstände ersichtlich. Ein finales Entsorgen dieser Gegenstände kann nicht befürwortet werden“, stellen die Fraktionssprecher Martin Klein (Freie Wähler) und Ilona Koch (CDU) in einem gemeinsamen Antrag fest. Über diesen soll in der nächsten KSA-Sitzung am 10. März beraten werden.

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Die Fraktionen begründen ihren Vorstoß damit, dass „eine Zerstörung und Entsorgung der ‚entsammelten‘ Gegenstände dem mutmaßlichen Willen der ursprünglichen Spender und der Gemeinnützigkeit weniger entspricht, als eine Abgabe an Dritte zum Zweck einer nachhaltigen Weiternutzung der Gegenstände“. Sie schlagen daher einen öffentlichen Verkauf der betreffenden Objekte „auf Spendenbasis an interessierte Dritte“ vor. Dieser „Flohmarkt“ könnte über den Förderverein des Freilichtmuseums abgewickelt werden. „Dadurch bleibt auch die Frage der Gemeinnützigkeit abgesichert“, sagen Koch und Klein. Mitglieder der beiden Fraktionen seien ebenfalls bereit, bei der Aktion mitzuwirken. Der Verkaufserlös solle ausschließlich für den Neuerwerb und die Pflege der Sammlung verwendet werden – das dürfte im Sinne der Spender sein.

Ob das eine machbare Lösung sein könnte? Noch vor wenigen Monaten folgte die Ausschussmehrheit der Einschätzung von Landrat Heinz Eininger (CDU), wonach es dem Landkreis schlecht zu Gesicht stehe, wenn er größtenteils geschenkte Gegenstände versilbern würde. Vielmehr, so Eininger, halte man sich an die Empfehlungen des Deutschen Museumsbundes. Demnach wird, was nicht mehr gebraucht wird, einem Museum mit gleichem Sammlungsauftrag angeboten. Greift das nicht zu, erfolgt die Rückgabe an die ehemaligen Besitzer.

Ist das auch nicht möglich, wird das Objekt entsorgt, nicht jedoch ohne zuvor die Zustimmung eines Sachverständigengremium einzuholen. Bis zur Entscheidung am 10. März bitten Freie Wähler und CDU, nichts mehr zu unternehmen und keine wertvollen Sammlungsgegenstände zu entsorgen.

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