Sammlung Prinzhorn bekommt Neubau Das Museum ist gerettet
Das Museum der renommierten Sammlung Prinzhorn in Heidelberg stand vor dem Aus. Der Protest dagegen war riesig – und hatte erstaunlichen Erfolg.
Das Museum der renommierten Sammlung Prinzhorn in Heidelberg stand vor dem Aus. Der Protest dagegen war riesig – und hatte erstaunlichen Erfolg.
Der Aufschrei war groß, als vor einem Jahr bekannt wurde, dass die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg ihr Museum schließen muss. Ausgerechnet diese einzigartige Einrichtung, in der „Irrenkunst“, wie es lange abschätzig hieß, gesammelt, erforscht und ausgestellt wird. Das Universitätsklinikum Heidelberg musste aus finanziellen Gründen einen Schlussstrich ziehen. So war klar: Wenn die international renommierte Sammlung Prinzhorn und ihr Museum eine Zukunft haben sollen, dann nur mit neuen Strukturen und anderer Finanzierung.
„Große Krisen können aber auch eine große Kraft hervorrufen“, sagt die Geschäftsführerin Claudia Paul. Der Protest, die Unterschriftenlisten und das überregionale Presseecho haben gewirkt. Das Museum bleibt nicht nur bestehen, die Sammlung Prinzhorn erhält sogar einen Erweiterungsbau. Die Untergeschosse der benachbarten ehemaligen Strahlenklinik, die seit Jahren leer steht, werden umgebaut und künftig für Depot, Werkstatt, Bibliothek und Studienraum genutzt. Das oberirdische Gebäude wird dagegen abgerissen und durch mehrere Würfel ersetzt, in die Büros einziehen. Das kleine Museum erhält durch diese Rochade sogar etwas mehr Platz.
Um das möglich zu machen, „mussten viele Knoten gelöst werden“, sagt Claudia Paul. Durch die Debatte über die Schließung war die Sammlung aber plötzlich in aller Munde. Die Besucherzahl gingen nach oben, und es wurde deutlich, wie wichtig auch für die Stadt Heidelberg diese außergewöhnliche Sammlung ist, die der Mediziner Hans Prinzhorn nach dem Ersten Weltkrieg aufbaute. „Schade, dass es dazu eine Krise braucht“, sagt Paul.
Statt mehr als die Hälfte der zehn Stellen zu verlieren, erhält der Leiter Thomas Röske nun sogar eine neue Pädagogenstelle. „Wir haben viel Output“, sagt Röske, weil man neben den Ausstellungen auch Forschung betreibt und die 40 000 Werke oft ausgeliehen werden. Auch international ist Heidelberg die erste Anlaufstelle für Outsider Art und Kunst von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung.
Deshalb hatte der Bund 2019 auch bereits fünf Millionen Euro für den Neubau bewilligt. Diese mussten bis Ende vergangenen Jahres abgerufen werden, sonst wären sie verloren gegangen. Dazu hätte das Universitätsklinikum aber die Bauherrschaft übernehmen müssen, was es ablehnte. In der Folge wurde die Hälfte der zugesagten Drittmittel, die zudem von Stadt, Land und Sponsoren kommen sollten, wieder zurückgezogen.
Ganz knapp vor Jahresende konnten Paul und Röske nun doch noch rechtzeitig den Antrag beim Bund abgeben und rechnen mit einer Zusage noch vor dem Sommer. Die Bausumme ist mit neun Millionen Euro kalkuliert. In den vergangenen Monaten konnten neue Sponsoren gewonnen werden sowie Stiftungen, die die Sammlung Prinzhorn dauerhaft unterstützen werden. Auch die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie steuert in den nächsten fünf Jahren jährlich 15 000 Euro bei.
Damit ist der Bestand des Museums auf 25 Jahre gesichert – was der Bund zur Bedingung gemacht hatte für seine Finanzierung. Wenn alles gut läuft, soll das neue Gebäude 2029 oder 2030 eröffnet werden. Mit dieser Aussicht wird im Museum Prinzhorn nun umso freudiger das 25-jährige Bestehen gefeiert. So fein es ist, so klein sind die Ausstellungsräume aber weiterhin, weshalb es zum Jubiläum auch Satelliten geben soll und Werke aus der Sammlung in der Kunsthalle Mannheim oder dem Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen gezeigt werden.
Alles Kunst? 25 Jahre Museum Sammlung Prinzhorn. Vom 28. Juni 2026 bis 31. Januar 2027