Samuel Paty wurde enthauptet Frankreich erinnert an vor einem Jahr ermordeten Lehrer

Die Erinnerung an den Lehrer wird an diesem Wochenende neu entfacht. Foto: AFP/BERTRAND GUAY
Die Erinnerung an den Lehrer wird an diesem Wochenende neu entfacht. Foto: AFP/BERTRAND GUAY

Vor einem Jahr wurde der Lehrer Samuel Paty in Frankreich auf offener Straße von einem 18-Jährigen enthauptet. An diesem Wochenende gibt es diverse Gedenkveranstaltungen.

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Paris - Mit Andachten, Schweigeminuten und speziell gestalteten Unterrichtsstunden haben Schulen in ganz Frankreich des vor einem Jahr ermordeten Lehrers Samuel Paty gedacht. Am Beispiel Patys, der „für die Republik und ihre Werte“ gestorben sei, sollten landesweit Lehrkräfte und Schüler ins Gespräch kommen und sich über die gesellschaftliche Bedeutung von Meinungsfreiheit und kritischem Denken bewusst werden, erklärte Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft.

Der „Kampf, in dem Paty gefallen ist“, spiele sich weiterhin täglich ab, „an Schulen, in den Medien und in der Öffentlichkeit“, so Blanquer weiter. Es gelte deshalb, die Werte der Zivilisation entschieden zu verteidigen, in Frankreich und darüber hinaus. Bereits am Donnerstag hatte der Minister angekündigt, jegliche Störungen des Gedenkens würden „bestraft“.

Statue von Lehrer wird enthüllt

Am Samstag sind demnach Gedenkveranstaltungen im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine geplant, wo Paty an der örtlichen Mittelschule unterrichtet hatte. Am Schulgebäude werde eine Statue des Lehrers enthüllt, dazu sollen Kollegen und Schüler Patys sprechen. Im Ort finde ein Gedenkmarsch statt. Zudem werde der Samuel-Paty-Platz gegenüber der Pariser Sorbonne offiziell eingeweiht.

Der Geschichts- und Geografielehrer Paty war am 16. Oktober 2020 in seinem Heimatort auf offener Straße enthauptet worden. Der 18-jährige Täter tschetschenischer Herkunft wurde beim Versuch der Festnahme von der Polizei erschossen. Die Tat war mutmaßlich islamistisch motiviert; Paty soll zuvor im Unterricht umstrittene Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt haben, anhand derer er das Thema Meinungsfreiheit mit den Schülern behandelt habe. Der Vater einer Schülerin soll sich daraufhin im Internet öffentlich über den Lehrer beschwert und damit den späteren Attentäter mutmaßlich motiviert haben.

Internationale Diskussion

Der Fall löste international Diskussionen über Islamismus und Meinungsfreiheit aus. In Frankreich traten zahlreiche Imame an die Öffentlichkeit und verurteilten die Tat aufs Schärfste. Kanadas Premierminister Justin Trudeau erklärte wenige Wochen nach der Tat, dass Meinungsfreiheit „nicht grenzenlos“ sei und andere nicht verletzen dürfe. Zudem warfen insbesondere angloamerikanische Medien Frankreich vor, religiöse und kulturelle Eigenheiten der Muslime nicht zu akzeptieren und damit indirekt Gewalt und Islamismus zu provozieren. Beide Standpunkte wurden von der französischen Regierung scharf zurückgewiesen.

Daneben diskutierten vor allem Pädagogen über den künftigen Umgang mit religionskritischer Satire im Schulunterricht. In Deutschland starteten die Hochschullehrer Tarek Badawia und Markus Tiedemann eine Petition, die die Auseinandersetzung mit den umstrittenen Karikaturen zum Pflichtthema an Schulen machen sollte. Das Thema gehöre „zur Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen“ und müsse „taktvoll“ im Unterricht behandelt werden, erklärte der Erlanger Religionspädagoge Badawia im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Tabuisierungen schaffen da nur Raum für radikales Denken.“




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