Dieser Käfig ist nur eins von vielen Utensilien, die den Club Lerche 22 zu freizügigen Spielwiese machen sollen. Foto: Sascha Maier/StZN
Käfige werden geschoben, Bondage-Installationen befestigt – im Video gewährt der Veranstalter der sexpositiven Partyreihe „Sanctuary“ einen Blick hinter die Kulissen.
Was auf sexpositiven Partys passiert, bleibt auf sexpositiven Partys. Auch bei der Partyreihe „Sanctuary“, die normalerweise im Proton stattfindet und an diesem Samstag in eine Sonderedition im Club Lerche 22 am Schlossplatz in Stuttgart feiert, gilt strengstes Fotografier- und Filmverbot, wenn die Pforten am Abend öffnen. Pforten in eine für die meisten etwas andere Welt, in der es außer Einvernehmlichkeit aller Beteiligter nur wenige Regeln gibt.
Exklusiver Einblick in Ort sexueller Sehnsüchte
Elmar Jäger ist Veranstalter der Partyreihe und erwartet 600 Gäste, die meisten von ihnen werden kostümiert erscheinen, viele im Fetisch-Bereich, aber nicht alle. Uns hat er einen exklusiven Einblick in die Kellerräume während des aufwendigen Aufbaus gewährt, der die Club „Lerche“ für eine Nacht in eine Spielwiese für Erwachsene verwandeln soll, auf der auch sexuelle Sehnsüchte ausgelebt werden können.
Für die meisten Gäste gehe es aber vor allem um die Atmosphäre, tatsächlich sexuell aktiv würden nach Jägers Einschätzung „vielleicht so 20 Prozent“, wie er sagt – und außerdem überwache er das nicht. Für viele stünden die ausgefallenen Outfits im Vordergrund. „Tatsächlich haben wir einen recht anspruchsvollen Dresscode“, sagt Jäger. Üblich ist der Outfitcheck bereits vor der Party. Jäger gibt auf WhatsApp frei, was in sein Konzept passt. Mit der Freigabe können die Gäste am Abend dann ohne Outfitcheck vor Ort an der Tür direkt in die von Jäger erschaffene Welt eintauchen.
Auch ausgefallenes Mobiliar steht den Partygästen zur Verfügung. Foto: Sascha Maier/StZN
„Ich selbst komme gar nicht aus dem BDSM- oder Fetischbereich“, sagt er. Seinen Bezug zu den sexpositiven Veranstaltungen habe er durch Life-Action-Rollenspiele gefunden. Darum hat sich Elmar Jäger auch eine Hintergrundgeschichte für seine „Sanctuary“ ausgedacht: Ein Sehnsuchtsort für Kreative und Freigeister in einer postapokalyptischen Zukunftsdystopie. Beruflich, sagt Jäger, finden sich viele Menschen unter den Gästen, die im echten Leben im Kreativbereich tätig sind.
Das spiegelt sich auch im Aufwand wider, der ins Ambiente gesteckt wird. Rote Lichter zucken durch Röhren, „es ist doch ein bisschen so wie in einem abgestürzten Raumschiff, in dem noch was lebt“, sagt Jäger, als er den Aufbau beobachtet.
Veranstalter Elmar Jäger gut gelaunt auf einem Käfig Foto: Sascha Maier/StZN
Außerdem sollen etwa 25 Performancekünstler den Abend mit Leben füllen – auch Interaktionsmöglichkeiten mit ihnen soll es geben. Zu den geplanten Darbietungen gehört auch japanische Shibari-Bondage. Das sind komplizierte erotische Fesselungen mit Seilen.
„Wer grapscht, fliegt raus“
Dass dabei und auch bei anderen Praktiken Sicherheit und viel sexuellem Kontext an erster Stelle steht, ist für Jäger eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben ein siebenköpfiges Awareness-Team“, sagt er. Und: „Wer grapscht, fliegt raus.“ Außerdem gibt es auch einen ruhigen Bereich, den Gäste bei Unwohlsein aufsuchen können. Hier gibt es Traubenzucker, Knautschbälle zum Beruhigen und andere, die dabei helfen können, wieder auf Normaltemperatur zu kommen.
Etwa 600 freizügige Gäste werden im Kellergewölbe der Lerche erwartet. Foto: Sascha Maier/StZN
Wer kurz entschlossen auf die „Sanctuary“ in der Lerche 22 will, muss übrigens enttäuscht werden. Die Veranstaltung ist schon lange restlos ausverkauft. Aber es sind weitere Veranstaltungen im Club Proton geplant. Und sexpositive Party boomen im Kessel sowieso. „Vor allem für viele junge Leute ist das inzwischen ganz normal“, sagt Jäger.