Im vergangenen Jahr war nur ein kurzer Probebetrieb möglich. Jetzt startet das Freibad in eine komplette Saison. Rund 8,5 Millionen Euro haben die Stadtwerke investiert, drei Millionen davon stammen aus einem Zuschuss des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Normalerweise sieht man bei einem so grundlegenden Umbau vieles nicht, was an Technik zur Wasseraufbereitung erneuert wird. „Hier ist das nicht so“, berichtet Thomas Jaeger, Abteilungsleiter Bäder bei den Stadtwerken Göppingen, bei einem Rundgang durch das sanierte Freibad.
Während so mancher Schwallwasserbehälter und viele Rohrleitungen auch künftig unter der Erde vergraben sind, ist ein Technikgebäude entstanden, in das man durch eine große Glasfront die großen Filteranlagen sehen kann, die für das saubere Freibadwasser sorgen. Auf dem Dach des Gebäudes ist eine Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 32 Kilowatt installiert. Die komplett neue Aufbereitung mit Filtern, Umwälzpumpen mit höchster Energieeffizienz und Frequenzumformern zählt zu den modernsten überhaupt und wird automatisch geregelt. Das für die Hygiene in den Wasserbecken benötigte Chlor wird nicht mehr über Chlorgasflaschen eingebracht, sondern durch eine Salz-Chlor-Elektrolyse bedarfsgerecht vor Ort hergestellt. Das Verfahren gilt als die sicherste Art, um zu chlorieren und die beste Wasserqualität bereitzustellen.
Beheizt wird das Beckenwasser weiterhin über die integrierte Nahwärmeversorgung Bodenfeld. Zukünftig soll die Wärme vom Müllheizkraftwerk zur Verfügung gestellt werden. Die Beckenformen selbst sind geblieben, sind jedoch mit Edelstahlbecken ausgekleidet worden. Und: „Im Nichtschwimmerbecken haben wir die Attraktionen neu angeordnet“, berichtet Jaeger.
Der Wasserpilz ist geblieben, unter der Brücke gibt es nun einen Wasservorhang. Zudem kann man sich künftig durch einen Strömungskanal treiben lassen, es gibt Nackenduschen, Bodensprudler, Massagedüsen und Sprudelliegen. Im Schwimmerbecken ist – bis auf die Edelstahlverkleidung – fast alles geblieben. Aber es gibt nun auf beiden Längsseiten einen Treppeneinstieg, auf einer Seite auch eine Treppenrutsche für die Barrierefreiheit. Und: Der gesamte Beckenrand ist nun stufenlos und rollstuhlgerecht – früher verhinderten Durchschreitebecken den unmittelbaren barrierefreien Zugang. Durch die Einstiegshilfen am Beckenrand und entsprechende Dusch- und WC-Bereiche ist so eine ganzheitliche Barrierefreiheit gegeben.
Vieles Sanierte ist äußerlich nicht sichtbar
Bereits bei den Schnupperwochen im vergangenen Jahr, als das Freibad während der Bauarbeiten für einen Probebetrieb kurze Zeit offen hatte, kamen die beiden Rutschen wohl gut an. Die in die Jahre gekommene Rutsche direkt am Freibadeingang wurde abmontiert und dafür zwei neue Edelstahlrutschen gebaut: eine kurvenreiche Großrutsche mit 81,7 Meter Länge und eine 17,4 Meter lange und gut vier Meter breite Wellenrutsche.Was außerdem geblieben ist: der Kleinkindbereich auf der Liegewiese und auch der Kiosk für die obligatorischen Freibad-Pommes. Manche Dinge, die saniert wurden, kann man als Besucher auch künftig nicht sehen: Neue Büros, neue Aufenthaltsräume und neue Umkleidekabinen für das Personal sind entstanden. „In den vergangenen Wochen haben die Handwerker und das Team der Stadtwerke noch die letzten Arbeiten erledigt – nun ist alles startklar“, sagt Thomas Jaeger. Und auch das Wetter wird zum Saisonstart am Freitag wohl gut werden. Beim Spatenstich vor zwei Jahren war das noch anders, da hatte es geregnet.
Übrigens: Zum Anbaden am Freitag, 2. Mai, ab 15 Uhr ist der Eintritt frei, ab Samstag gelten dann die normalen Eintrittspreise.
Kunst am Bau
Skulpturen
Ein besonderes Highlight bildet das „Kunst-am-Bau“-Projekt. Mit federführender Unterstützung der Direktorin der Kunsthalle Göppingen, Melanie Ardjah, wurde die renommierte Züricher Künstlerin Katharina Hohman ausgewählt, die ihrerseits in Kooperation mit der Kunstgießerei Strassacker aus Süßen das Projekt realisiert hat. Die 16 Skulpturen setzen ästhetische Akzente auf dem Rasen und können von den Badegästen ganz unterschiedlich genutzt werden.
Geschichte
Das Freibad im Göppinger Bodenfeld wurde am 12. Mai 1937 eröffnet und in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder modernisiert. Rund 100 000 Besucher aus dem Landkreis Göppingen nutzen das Freibad jedes Jahr.