Sanierung der Filstalbahn Es droht jahrelanges Chaos auf den Gleisen
Ob die vorgesehene Generalsanierung der Filstalbahn kommt, ist nach dem Regierungswechsel nicht mehr sicher. Wegen Stuttgart 21 gibt es aber ab Herbst massive Einschränkungen.
Ob die vorgesehene Generalsanierung der Filstalbahn kommt, ist nach dem Regierungswechsel nicht mehr sicher. Wegen Stuttgart 21 gibt es aber ab Herbst massive Einschränkungen.
Insgesamt 40 Streckenabschnitte des deutschen Bahnnetzes mit einer Länge von mehr als 4000 Kilometern sollten eigentlich bis 2030 saniert werden, darauf hatten sich Vertreter der Bahn mit der Ampel-Regierung geeinigt. Durch diese Generalsanierung sollte „das derzeit hochbelastete Netz bis 2030 zum Hochleistungsnetz“ ausgebaut werden, hieß es vor knapp zwei Jahren. Eine dieser Strecken ist die Filstalbahn, vorgesehen war die Komplettsperrung und Sanierung für 2028/29. Doch nach dem Regierungswechsel ist nun wieder alles offen. Weder die Bahn noch der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Färber wollen garantieren, dass die Sanierung kommt, sehen aber gute Chancen.
An der Sanierung hängen auch diverse andere Projekte: Nicht nur, dass die Bahn dann auch etliche Bahnhöfe auf Vordermann bringen möchte, auch der Verband Region Stuttgart möchte die Vollsperrung dazu nutzen, die Strecke für eine S-Bahn ins Filstal zu ertüchtigen, so sie denn beschlossen wird. Zudem müssen diverse Brücken über die Bahn im Filstal saniert werden, für die Kommunen bietet sich dann dieses Zeitfenster an. Nun hat aber die DB-Tochter InfraGO im Gespräch mit regionalen Fahrgastbeiräten verdeutlicht, dass alles „im Fluss“ sei. Selbst wenn der Bund zusätzliches Geld in die Bahninfrastruktur pumpe, heiße das nicht, dass die Filstalbahn überhaupt und zum vorgesehenen Zeitpunkt bedacht werde. Es gäbe eine Prioritätenliste. Dies berichtet aktuell der Blog „Forum Göppingen“ auf Facebook.
Ein Bahnsprecher teilt dazu mit: „CDU, CSU und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag zum Sanierungskonzept der Hochleistungskorridore bekannt und angekündigt, es fortlaufend zu überprüfen und anzupassen.“ Gleichzeitig beabsichtige die neue Regierung laut Koalitionsvertrag, die Generalsanierungen aus dem Sondervermögen Infrastruktur zu finanzieren und die Mittel an dessen Laufzeit von zwölf Jahren zu koppeln.
Doch es gibt einige Unwägbarkeiten, meint der Sprecher: „Für die Deutsche Bahn gilt es darüber hinaus, die Ressourcen der Bauindustrie zu berücksichtigen sowie die Stabilität von Umleitungsverkehren für unsere Kunden zu gewährleisten. Dazu wird die DB mit der neuen Bundesregierung Gespräche führen.“ Konkrete Festlegungen würden erst nach Abstimmung mit dem Bund sowie der Bahn- und Baubranche getroffen. „Wenn es Änderungen gibt, werden wir die Öffentlichkeit selbstverständlich transparent informieren.“ Zu weiteren Details könne sich die DB derzeit nicht äußern.
„Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, bisherige Planungen infrage zu stellen. Am Ende brauchen wir ein Gesamtkonzept für die Filstalbahn“, teilt der Abgeordnete Färber mit. Er bestätigt die Aussage des Bahnsprechers, dass das Sanierungskonzept laufend überprüft werden soll. Und kündigt an: „Bund und Länder werden, zur Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs, die ÖPNV-Finanzierung auf eine neue gesetzliche Grundlage stellen. Die Regionalisierungsmittel sollen vorrangig als Bestellmittel für den Schienenpersonennahverkehr genutzt werden.“ Auch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) werde vereinfacht „und für innovative Ansätze geöffnet“. Eine konkrete Zusage für die Sanierung gibt er aber nicht, nur soviel: „Zudem haben wir uns im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die GVFG-Mittel schrittweise deutlich aufzustocken und den Fördersatz zu erhöhen.“
Recht entspannt gibt sich der Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Landratsamt, Jörg-Michael Wienecke. Er verweist auf die „extrem langen“ Vorläufe bei der Bahn für derartige Planungen. „Deshalb gehe ich davon aus, dass am Zeitraum 2028/29 etwas dran ist.“ Wenn die Sanierung kommt, sei das eine „schwere Pille zu schlucken“ meint Wienecke und verweist auf monatelangen Ersatzverkehr und Verkehrschaos. Dennoch sei das die beste Lösung und eigentlich unumgänglich.
Viel mehr treibt ihn im Moment um, dass von Herbst an und dann vor allem 2026 in Stuttgart große Bauarbeiten als letzte Vorbereitung für die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 anstehen. „Da müssen wir mit massiven Einschränkungen rechnen, wo das Filstal Stuttgart nicht mehr direkt erreichen wird. Da kommt einiges auf uns zu.“ Damit nicht genug: „Und 2027 geht die Chose weiter, denn dann kommen die Anpassungen.“ Und dann die Generalsanierung? „Ich glaube mal daran, dass das alles so kommen wird“, bleibt Wienecke optimistisch. „Aber jetzt muss man der Regierung mal zwei, drei Monate Zeit geben, bis sie in die Gänge kommt.“
Plan
Die Generalsanierung der DB bedeutet, dass bundesweit insgesamt 40 Streckenabschnitte mit einer Länge von mehr als 4000 Kilometern saniert werden sollen. So soll das derzeit hochbelastete Netz bis zum Jahr 2030 zum Hochleistungsnetz ausgebaut und dadurch pünktlicher und weniger störanfällig werden.
Kosten
Für die Generalsanierung stellt der Bund laut DB-Vorstandschef Richard Lutz „die dafür notwendigen zusätzlichen Mittel in Höhe von bis zu 45 Milliarden Euro bereit“, hieß es 2023. Eine dieser Strecken ist der 90 Kilometer lange Abschnitt der Filstalbahn von Stuttgart aus über Göppingen bis schließlich nach Ulm.