Sanierung der Stuttgarter Oper Aufbruch: Hybridoper wäre billiger

Von Thomas Braun 

Wieland Backes und der Verein Aufbruch Stuttgart haben kurz vor der Kommunalwahl eigene Kostenschätzungen für die Opernsanierung vorgelegt. Das Ergebnis fällt wenig überraschend aus: Ihre eigenen Varianten hält die Initiative für deutlich preisgünstiger.

Die Staatsoper Stuttgart ist seit Jahren Gegenstand heftiger politischer Debatten. Foto: Thomas Niedermueller
Die Staatsoper Stuttgart ist seit Jahren Gegenstand heftiger politischer Debatten. Foto: Thomas Niedermueller

Stuttgart - Die Initiative Aufbruch Stuttgart um den TV-Moderator Wieland Backes hat wenige tage vor der Kommunalwahl eigene Kostenschätzungen für die Sanierung der Stuttgarter Oper beziehungsweise für die von ihr propagierten Neubauvarianten vorgelegt. Peter Mertens, Architekt und Bauingenieur im Ruhestand, hat auf Basis des von den Staatstheatern definierten Raumprogramms unter Einbeziehung des Neubaus eines Konzerthauses sowie inklusive eines Risikozuschlags von bis zu 200 Prozent maximale Sanierungskosten von über einer Milliarde Euro ermittelt.

Deutlich günstiger kämen nach seinen Erkenntnissen die Alternativvarianten des Aufbruchs: Der Neubau eines Hybridbaus – also einer Mischung aus Oper und Konzerthaus – auf dem Marstall-Areal an der Unteren Königstraße 1 bis 3 würde lediglich 490 Millionen Euro kosten, ein Zwitter auf dem Areal des Königin-Katharina-Stifts 475 Millionen Euro. Die Vorstellungen beinhalten dabei erneut den Abriss der denkmalgeschützten Schule. Für den Initiativenchef Backes hat der Denkmalschutz der Oper, der durch den Einbau einer Kreuzbühne tangiert würde, dabei Vorrang gegenüber der Schule: „Der historische Littmann-Bau spielt denkmalschutzrechtlich in einer anderen Liga als die Schule.“

Backes: „Unsere Schätzungen sind sehr nah an der Realität.“

Zugleich betonte Backes, es gehe dem Verein nicht um eine Verzögerung der Sanierung des Littmann-Baus. Erstmals räumte der Aufbruch-Vorsitzende auch ein, dass das Große Haus Hauptspielstätte von Oper und Ballett bleiben solle. Der Bau eines dritten Spielorts neben Großem Haus und Schauspiel könne aber die Probleme und Kosten beim Bau der geplanten Interimsoper bei den Wagenhallen überflüssig machen. „Unsere Schätzungen sind sehr nah an der Realität“, so Backes. Es gehe dem Aufbruch nicht nur um die Oper, sondern um die Entwicklung des gesamten Kulturquartiers. Stuttgart hinke städtebaulich anderen Städten hinterher, kritisierte er. Er bemängelte zudem, dass die Entscheidung zur Sanierung des Littmann-Baus „hinter verschlossenen Türen“ im Verwaltungsrat der Staatstheater getroffen worden seien.

Angesprochen auf die Ideen der parallel engagierten Initiative für ein Konzerthaus in Stuttgart sagte Backes: „Wir verstehen, dass die Konzerthaus-Initiative das Beste für sich haben will. Wir sorgen uns aber, dass das Konzerthaus vielleicht gar nicht kommt.“ Die Aufbruch-Ideen würden dagegen ein Konzerthaus gleich mitliefern. Ralf Püpcke von der Konzerthaus-Initiative widersprach dagegen auf Anfrage unserer Zeitung der Idee eines Hybridbaus: „Nach unserem Kenntnisstand ist eine Mixtur aus Konzerthaus und Oper unter technischen und akustischen Aspekten nicht sinnvoll.“ Zu diesem Ergebnis war auch ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten gekommen.

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