Material- und Fachkräftemangel, unterbrochene Lieferketten, steigende Materialkosten – die Situation auf dem Bau sei momentan so, wie sie in den vergangenen 50 Jahren in Deutschland noch nie gewesen sei, beklagt der Leiter des Verbandsbauamts Wolfgang Kissling beim Sachstandsbericht über die Generalsanierung des Gymnasiums. Wurden bei der Planung Preissteigerungen von 3,5 Prozent pro Jahr einberechnet, werden diese von der aktuellen Preisentwicklung regelrecht „weggewischt“. Auf der Baustelle werde derzeit „um jeden Cent gekämpft“.
Das finanzielle Polster schmilzt dahin
Nach monatelangen Verzögerungen hat der Neubau nun endlich Fenster bekommen, die Außentüren werden wohl frühestens in vier Wochen eintreffen. „Vom Umzug in den Neu- und Kupferbau am Ende der Sommerferien müssen wir uns verabschieden“, so Kissling, „wir kämpfen, dies Ende der Herbstferien machen zu können“. Daher stehe das Ampelsymbol des Rahmenterminplans beim Neu- und Kupferbau auf Rot – der Gesamtrahmenplan der Sanierung aller Schulgebäude bis ins Jahr 2026 sei aber „immer noch erreichbar“, ermutigte er den Gemeinderat. Die Kostenberechnung des Gesamtprojekts geht nach wie vor von rund 48,2 Millionen Euro aus. Allerdings haben die schwierigen Umstände den sogenannten „Vergabepuffer“ abschmelzen lassen, „sodass wir an den Risikopuffer müssen“. Durch inzwischen höherpreisige Vergaben sowie Nachträge weist der Vergabepuffer ein Minus von rund 100 000 Euro auf, die aus dem Risikopuffer entnommen werden müssen. Für den Neu- und Kupferbau umfasst dieser damit noch rund 36 0000 Euro, die fürs Hauptgebäude mitgenommen werden können. Kissling hofft, dass aufgrund der Verzögerungen ein Schadensersatz das Portemonnaie der Stadt wieder etwas füllen wird. Aber falls für die Lieferprobleme „höhere Gewalt“ gelte, „sind wir schlicht raus“.
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Die Medientechnik sowie die Schülertische und Stühle standen zur Vergabe an. Die Medientechnik wurde für fast 217 000 Euro an die Ulmer Firma Dörner vergeben und lag circa vier Prozent über der Kostenberechnung. In die Ausschreibung wurden 53 Dokumentenkameras aufgenommen, die Kosten in Höhe von 38 000 Euro werden über das Schulbudget bezahlt. Für den Einsatz in den sanierten Klassenzimmern hätten alle genieteten Filzgleiter der Schülertische und -stühle erneuert werden müssen, was mit etwa 70 000 Euro zu Buche geschlagen hätte. Das einzige Angebot für neue Tische und Stühle für 31 Klassenzimmer lag in Höhe von rund 246 500 Euro vor – etwa fünf Prozent höher als der vorgesehene Kostenansatz. Die Schule beteiligt sich auch hier mit fast 100 000 Euro. Die Tischlerarbeiten für die Lerninseln und Einbauschränke wurden zwar ausgeschrieben, die drei eingegangenen Angebote überstiegen aber den Kostenansatz von rund 90 000 Euro um mehr als 100 Prozent, weshalb Kissling vorschlug, diese Arbeiten „abgespeckt“ neu auszuschreiben. Lieferengpässe seien Ereignisse, „die wir nicht beherrschen“, sagte Thomas Fischele (SPD). Karel Markoc (CDU) fragte, ob die Tische und Stühle im Sinne der Nachhaltigkeit weiterverwendet werden könnten. Das interessierte auch Constanze Hapke-Amann (OGL). Um die neuen Böden zu schonen, sollten die Stühle ausgetauscht werden, erklärte Kissling. Die alten könnten verschickt werden. Geld gebe es dafür aber keines, da sperrige Stühle hohe Transportkosten verursachen. Ein Problem ist laut dem Bürgermeister Frank Buß, dass die Arbeiten für den Hauptbau nun ausgeschrieben werden müssen.
Digitale Funktechnik für Schule und Sporthalle
Neben den einstimmig beschlossenen Vergaben votierte der Gemeinderat dafür, ein digitales BOS-System (für Behörden und Organisationen mit Sicherungsaufgaben) zu installieren. Die digitale Funktechnik soll für die Feuerwehr und Polizei im gesamten Gymnasium den Kontakt zur Einsatzleitung garantieren. Die Installation dafür beläuft sich auf etwa 170 000 Euro und wurde in der ursprünglichen Planung nicht berücksichtigt. Auch die Sporthalle soll in den Alarmierungsbereich eingebunden werden, wobei sich bei der Integration der Elektrotechnik Mehrkosten von fast 100 000 Euro ergeben, die ebenfalls nachfinanziert werden müssen.
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Die Ampel im Kosten – und Rahmenterminplan
Kostenplan Die Generalsanierung ist mit rund 48,2 Millionen Euro veranschlagt. Die aktuelle Auftragssumme liegt bei circa 27,1 Millionen Euro. Etwa 12,3 Millionen Euro an Zahlungen sind bisher erfolgt. Der Risikopuffer für das Gesamtprojekt umfasst knapp eine Million Euro. Im Hinblick auf die aktuelle Corona-Situation, die Materialengpässe, den Ukrainekrieg, die Preissteigerungen und die lange Projektdauer bleibt das Ampelsymbol für die Kostenberechnung gegenwärtig noch auf Gelb, aber der Sprung auf Rot rückt näher.
Rahmenterminplan Die Fertigstellung des Neu- und Kupferbaus ist auf Basis des Rahmenterminplans gefährdet, weshalb das Ampelsymbol dort auf Rot steht. Der geplante Einzug zum Ende der Sommerferien ist unrealistisch, zum Ende der Herbstferien scheint er inzwischen ambitioniert zu sein. Realistisch ist aber der generelle Rahmenterminplan, das heißt die Fertigstellung bis Mitte 2026.