Sanierung in Schmiden Teurer Meilenstein für Schmidener Ortsmitte

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Die Kalkulation für die Ortskernsanierung in Schmiden muss noch vor dem Baubeginn deutlich nach oben korrigiert werden Die Stadt rechnet jetzt mit fast 14 Millionen Euro.

Auch die Buttergasse ist ein Sanierungsfall. Foto: Patricia Sigerist
Auch die Buttergasse ist ein Sanierungsfall. Foto: Patricia Sigerist

Schmiden - Mit seinen Kostenberechnungen für geplante Bauprojekte gibt das Fellbacher Rathaus in jüngster Zeit kein sonderlich gutes Bild ab. Nach der sechsstelligen Extra-Finanzspritze für den U-Turn auf der Stuttgarter Straße und dem Streit um millionenschwere Mehrkosten fürs Familienzentrum an der Pauluskirche muss die ursprüngliche Kalkulation auch beim Herzstück der Ortskernsanierung in Schmiden noch vor dem Baubeginn deutlich nach oben korrigiert werden.

Fast 14 Millionen Euro nimmt die Stadt nach der aktuellsten Prognose in die Hand, um im wenig ansehnlichen Quartier zwischen der Fellbacher Straße und der Butterstraße eine positive Entwicklung anzustoßen. Vor nicht mal einem halben Jahr, im November 2015, war bei der gern als „Leuchtturm-Projekt“ bezeichneten Planung noch von 12,4 Millionen Euro die Rede.

Ein städtebaulicher Impuls soll gesetzt werden

Vorgesehen ist, auf dem Areal mit dem Bau von 32 Wohnungen einen städtebaulichen Impuls zu setzen. Außerdem werden ein schmuckes Café und eine Gemeinschaftspraxis entstehen. Eine Tiefgarage mit 67 Stellflächen soll den oft beklagten Parkplatzmangel im Ortskern beheben. Gehofft wird im Rathaus, dass der geplante Neubau mit dem grünen Innenhof eine Belebung des ganzen Quartiers anstößt – und in der Nachbarschaft reichlich Nachahmer findet. „Bei all unseren Sanierungsgebieten hat ein öffentlicher Euro das Zehnfache an privaten Investitionen ausgelöst“, warb Fellbachs Oberbürgermeister Christoph Palm im Februar für das Projekt.

Bei der erneuten Beratung am Dienstag im Gemeinderat verteidigte der Rathauschef die Entscheidung für die Arztpraxis. „Die medizinische Versorgung ist nicht nur im ländlichen Raum, sondern im gesamten Rems-Murr-Kreis ein Thema“, sprach Palm von einer „bewussten Entscheidung“ – zumal das Einzelhandelsgutachten der Bevölkerung im Stadtteil durchaus gute Einkaufsmöglichkeiten bescheinigt habe.

Die Gewerbetreibenden haben sich beschwert

Hintergrund der Stellungnahme war die Beschwerde von Gewerbetreibenden aus Schmiden, dass die Stadt die Ideen für eine Markthalle links liegen gelassen habe. Bei der Mitgliederversammlung des Handels-und Gewerbevereins war Kritik laut ge-worden, dass der Handel bei der Projektplanung vergessen worden sei.

Der Bau der „Neuen Mitte Schmiden“ soll Anfang 2019 abgeschlossen sein. Baubürgermeisterin Beatrice Soltys sprach am Dienstag nicht von Mehrkosten, sondern von der nötigen „Anpassung des Finanzrahmens“. Sie begründete die Erhöhung zum einen mit dem drastischen Anstieg der Baupreise. „Der Markt ist unkalkulierbar geworden“ sagte sie.

Zum anderen sind zusätzlich allein 600 000 Euro nötig, um das Projekt auf den besonders energiesparenden Standard KFW 55 zu hieven und eine solarthermische Anlage einzubauen – die Stadt verspricht sich von dieser Ausstattung, in den Genuss verbilligter Baukredite zu kommen. Weitere 300 000 Euro braucht die Stadt als Kapitaleinlage in eine Projektgesellschaft, die den Bau als Rathaustochter abwickeln soll.

Eine Doppelspitze als Lösung?

Exakt die Besetzung mit Beatrice Soltys an der Spitze sorgte im Gemeinderat für Diskussionen. Die CDU-Fraktion hatte gefordert, der Baub ürgermeisterin in der Geschäftsführung kaufmännischen Sachverstand zur Seite zu stellen. „Bei einer so komplexen Materie braucht es besonders große Transparenz“, begründete Fraktionschef Hans-Ulrich Spieth den Vorstoß.

Auf Gegenliebe bei den Kollegen stieß die Doppelspitze nicht: Ulrike Dreßler-Uetz (SPD) befand, die Rathaustochter nicht unnötig aufzublähen, FW/FD-Chef Ulrich Lenk appellierte, die „Kirche im Dorf zu lassen“ und auf die Kompetenz des Rathausteams zu vertrauen. Eben diese Kompetenz zog Andreas Zimmer – aus Kostengründen ohnehin gegen das Bauprojekt – in einem Wortbeitrag in Zweifel: „Eine zehnprozentige Kostensteigerung in nicht mal einem halben Jahr steigert nicht mein Vertrauen in die Kompetenz“, erklärte der parteilose Stadtrat seine Ablehnung.

Gegründet wird die Projektgesellschaft dennoch mit Soltys an der Spitze – eine deutliche Mehrheit stimmte für die geplante Marschroute. Ausgewählte Architekturbüros sollen nun Ideen für die bauliche Gestaltung liefern, im Oktober könnte Fellbach über die Vergabe entscheiden. „Wenn das 15 oder 16 Millionen kostet, möchte ich nicht in ihrer Haut stecken“, rief CDU-Rat Harald Rienth zum Schluss den Kollegen zu.




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