Sanierung in Stuttgart mit extremen Kosten Linke und SÖS: Minimalvariante für Villa Berg planen

Die Villa Berg im Stuttgarter Osten steht seit vielen Jahren leer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski (Archiv)

Für die Villa Berg gibt es Pläne mit einem Anbau, die die Grenze von 100 Millionen Euro übersteigen. Womöglich kann Stuttgart diese Variante nicht finanzieren.

Kurz vor der Sommerpause hat der Gemeinderat im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik über die weitere Planung der Villa Berg in Stuttgart-Ost entschieden. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude soll durchgreifend saniert werden und einen Anbau erhalten. Auch die Tiefgarage bedarf der Sanierung, der Park rundum soll neu gestaltet werden. Die Pläne für das gesamte Ensemble hatten sich immer mehr ausgeweitet.

 

Als Zwischenstand präsentierten die Planer eine Investitionssumme von rund 170 Millionen Euro. Der Betrieb würde vermutlich 2,3 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die CDU im Gemeinderat hatte im Januar zu einer Revision geraten. Denn die ursprüngliche Idee, die historische Villa und den Park wieder herzustellen, werde mit einem massiven Anbau ad absurdum geführt.

Nur sieben Millionen Einsparung

Die nun beschlossene Einsparung ist mit rund sieben Millionen Euro gemessen an der Gesamtsumme für die Villa (104,3 Millionen Euro) marginal. Räume werden verkleinert, ein Untergeschoss entfällt, sieben Arbeitsplätze für das Projekt, das unter dem Titel „Ein Haus für Musik und mehr“ läuft, sollen ausgelagert werden. Ob der Gemeinderat angesichts einer in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehenen Rekordverschuldung letztlich rund 160 Millionen Euro für die Villa Berg bereitstellen kann, ist offen.

Alternativplanung gefordert

Die Fraktion Linke/SÖS im Gemeinderat fordert angesichts der Lage eine Alternativplanung. Die Villa verfalle zusehens, was „ein Skandal und ein Armutszeugnis im Umgang mit Baukultur“ sei, so der Fraktionsvorsitzende Hannes Rockenbauch. Knapp neun Jahre seit dem Erwerb des Gebäudes durch die Stadt sei baulich nichts geschehen. Rockenbauch moniert eine „nicht vorhandene Projektsteuerung“. Die früher geplante Sanierung habe sich zu einem Neubauprojekt entwickelt, das letztlich finanziell scheiten könne, sagte Rockenbauch.

Das Regierungspräsidium Stuttgart hatte der Stadt bei der Genehmigung des Doppelhaushalts 2024/2025 auferlegt, die in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehene Neuverschuldung in Höhe von 3,4 Milliarden Euro deutlich zu begrenzen. Dabei gibt es im Gemeinderat Pläne für weitere teure Kulturprojekte, zum Beispiel ein Konzerthaus auf dem Gelände der früheren Rilling-Sektkellerei in Bad Cannstatt für 120 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung will dazu allerdings zunächst über eine Ausschreibung herausfinden, ob es andere Standorte geben könnte.

„Ein Scheitern des Projekts Villa Berg würde zwangsläufig den weiteren Verfall und das Ende der Villa bedeuten“, sagte Rockenbauch. Daher sei es geboten, parallel zu großen Neubauvariante eine reine Sanierungs -und Bestandsvariante als Rückfalleben zu planen.

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