Sanierung und Erweiterung des Plochinger Gymnasiums Sieben Kommunen für eine Baustelle

Beim Baggerbiss saß der Plochinger Bürgermeister Frank Buß noch alleine am Steuerknüppel – den Erweiterungsbau und die sanierten Schulräume würde er 2026 gerne mit seinen Kollegen aus den sechs Nachbarkommunen feiern. Foto: Karin Ait Atmane

Weniger Verhandlungspartner für schwierige Gespräche: Der Plochinger Gemeinderat will für die Sanierung seines Gymnasiums nur noch die engsten Nachbarn mit zur Kasse bitten. Wernau, Reichenbach, Deizisau, Hochdorf, Altbach und Lichtenwald. Sie haben neben Plochingen selbst die meisten Schüler am einzigen G8/G9-Gymnasium im Kreis Esslingen.

Plochingen - Jemanden zur Kasse bitten zu müssen, ist kein Vergnügen. Zur Kasse gebeten werden, erst recht nicht. Der Plochinger Gemeinderat hat jetzt die Anzahl der Kommunen, von denen er sich Unterstützung bei der gut 48 Millionen Euro schweren Generalsanierung seines Gymnasiums erwartet, auf sechs halbiert. Damit beschränkt sich der Kreis der Verhandlungspartner auf Wernau, Reichenbach, Deizisau, Hochdorf, Altbach und Lichtenwald, die sich auch bereits gemeinsam einen Anwalt genommen haben. Nach dem derzeitigen Stand würden Kämmerer Michael Hanus zufolge rund 24 Millionen Euro für die Sanierung des einzigen G8/G9-Gymnasiums im Landkreis Esslingen inklusive einer Mensa auf die Nachbarn entfallen. Die dann entsprechend der jeweiligen Schüleranteile während der Schuljahre 2015/16 bis 2019/20 auf die einzelnen Kommunen verteilt würden.

 

Bagatellgrenze auf mehr als 30 Schüler erhöht

Als die erste belastbare Kostenschätzung für das Gymnasium vor rund einem Jahr mit annähernd 60 Millionen Euro aufschlug, war der Schock im Gemeinderat groß. Und die Nachbarkommunen waren hell empört, als die Stadt angesichts eines Auswärtigenanteils von 70 Prozent in der Schule umgehend die Hand aufhielt. Der Gemeinderat hat die Baumaßnahmen dann zwar um zehn Millionen Euro abgespeckt. In Sachen Kostenbeteiligung ist er aber hart geblieben.

Und fühlte sich darin auch vom Regierungspräsidium unterstützt. Im Mai wollte er noch alle Kommunen beteiligen, aus denen mindestens zehn Schüler während 2015 und 2019 im Plochinger Gymnasium unterrichtet wurden. Damit wären auch Esslingen, Ebersbach, Wendlingen, Köngen, Notzingen und Uhingen mit im Boot gesessen. Jetzt hat er die Bagatellgrenze auf mehr als 30 Schüler erhöht. Das war nicht zuletzt ein Ergebnis aus den gesonderten Gesprächen mit den Städten, die selbst eigene gymnasiale Angebote machen können. Der kleinere Kreis der Beteiligten erleichtert zwar die schwierigen Verhandlungsrunden, kostet die Stadt jetzt aber insgesamt 680 000 Euro, die auf jeden Fall an ihr hängen bleiben werden.

Der Plochinger Bürgermeister Frank Buß hatte im Sommer ein weiteres Vorgespräch mit seinen Nachbarkollegen geführt. Das sei „in Anbetracht des sehr schwierigen Themas mit erheblichen Auswirkungen für alle Beteiligten in einer sehr konstruktiven und kollegialen Atmosphäre“ über die Bühne gegangen. Die Nachbarn hätten sich aber weitere Konkretisierungen gewünscht, was Plochingen möglicherweise noch von ihnen erwarte. Deshalb hat die Stadt jetzt eine Mensa mit eingerechnet, die es im planerischen Entwurf allerdings noch nicht gibt. Deshalb hat man sich vergleichbare Neubauten angeschaut und kam auf ein Gesamtvolumen von rund acht Millionen Euro. Daraus hat die Stadt den Anteil der Grund- und Realschüler herausgerechnet, die die künftige Mensa mitnutzen würden. Und kam dann auf rund fünf Millionen Euro, die die Nachbarkommunen abzüglich eines voraussichtlichen Zuschusses von 800 000 Euro noch mitfinanzierten müssten. Für die gut 48 Millionen Euro teuren Schulbauten erwartet man Zuschüsse von voraussichtlich 12,3 Millionen Euro.

Buß hofft auf Verhandlungslösung

Die Stadt Plochingen würde bei der Abrechnung wegen ihres Standortvorteils mit zehn Prozent zusätzlich belastet. Der Rest würde dann je nach Schüleranteil auf die Kommunen verteilt – wobei Plochingen selbst mit 30 Prozent dabei wäre.

Zwischen den Jahren 2005 und 2020 habe die Stadt 3,5 Millionen Euro in ihr Gymnasium investiert und den laufenden Betrieb regelmäßig subventioniert, betonte Buß. Der Gemeinderat hatte den Nachbarkommunen zudem zugesichert, frühzeitig aus dem Modellversuch G8/G9 auszusteigen – wenn das für sie Bedingung für den Einstieg in die Gespräche sein sollte.

Im Januar will Buß seine Kollegen wieder einladen. Nach diesem Gespräch erwartet er, dass sie von ihren Gemeinderäten zügig ein Verhandlungsmandat bekommen. Buß: „Ich bin davon überzeugt, dass es in so wichtigen Fragen in der kommunalen Familie eine Verhandlungslösung und keinen Rechtsstreit braucht.“

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