Anfang Februar soll das Schauspielhaus am Eckensee neu eröffnet werden. Doch wegen Baumängel sehen die Theaterchefs den Zeitplan in höchster Gefahr.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Die Eröffnung des Schauspielhauses steht auf wackligen Füßen. Der geschäftsführende Intendant Marc-Oliver Hendriks und der Schauspielchef Hasko Weber haben sich am Montag mit dem Verwaltungsrat in einer außerordentlichen Sitzung geeinigt, dass zwar vorerst an dem Termin am 12. Februar 2012 festgehalten wird, aber die endgültige Entscheidung erst Mitte Januar gefällt wird. Hendriks geht davon aus, „dass es eine provisorische Eröffnung sein wird“, wobei man im Januar auch klären müsse, „wie viel Provisorium man einer Öffentlichkeit zumuten“ könne. Die Eröffnung wurde bereits vom Sommer 2011 auf den Februar 2012 verschoben.

Trotzdem wurden Bauabnahmen mehrfach abgesagt wegen diverser Mängel. So hat sich herausgestellt, dass auf je fünfzehn Plätzen an den Rändern des Zuschauerraums die Sicht eingeschränkt ist durch die Verschalung von Beleuchtungskörpern. Dieser Planungsfehler und weitere Nacharbeiten sollen in der knapp sechswöchigen Sommerpause korrigiert werden. Ob diese Zeit reicht, darüber habe er keine eindeutige Aussage erhalten, sagt Weber.

Auch die Bühnentechnik konnte wegen des Staubaufkommens bisher nicht komplett eingebaut werden. Das hat zur Folge, dass immer weniger Zeit bleibt, um die Bühnentechniker in die Bedienungs- und Sicherheitsabläufe einzuweisen und die Apparate zu erproben. „Die Toleranzräume sind alle weggeschmolzen“, erklärt Weber, „Ich kann nicht sagen, wie wir das bis Februar in den Griff kriegen“.

Die Mehrkosten am Schauspiel gehen auf Kosten der Oper

Dabei ist der Umzug des Schauspiels aus der Übergangsspielstätte in der Türlenstraße bereits in vollem Gange, das Leitungsteam wird Anfang Januar an den Eckensee zurückkehren. Der Mietvertrag ist gekündigt. Auch die Proben für die Eröffnungspremieren im Schauspielhaus haben begonnen und für Hasko Weber ist klar: „Alternativen für die Premieren, die zur Eröffnung geplant sind, gibt es nicht.“ Die Bausumme ist mit 24 Millionen Euro gedeckelt, die Mehrkosten, die nun durch die Verzögerungen und Nacharbeiten für das Theater entstehen, werden voraussichtlich von den Geldern für die Baumaßnahmen im Opernhaus bestritten werden müssen, Hendriks spricht dabei vom „Prinzip der kommunizierenden Röhren.“

Die Verantwortung für die Sanierung liegt beim Hochbauamt und dem Finanzministerium. Das Schauspiel ist Mieter und könne nur die bemerkten Mängel weitergeben. Deshalb hatten Hendriks und Weber schon vor mehreren Wochen den Verwaltungsrat auf die Probleme und Verzögerungen hingewiesen. Immerhin werde jetzt mit Hochdruck gearbeitet, meint Hendriks. „So viele Bauaktivitäten wie in den vergangenen Wochen habe ich in den ganzen eineinhalb Jahren nicht gesehen“.

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