Sanierung zieht sich Teuer und lange Bauzeit: Droht eine „Oper 21“?

Die Technik im Littmann-Bau ist marode – muss aber noch weitere acht Jahre genutzt werden. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Im Stuttgarter Gemeinderat steht man dem Projekt trotz Zeitverzug viel positiver gegenüber als im Landtag.

Die Politik hat auf den verzögerten Baustart bei der Interimsoper unterschiedlich reagiert. Im Stuttgarter Gemeinderat bleibt man relativ gelassen, im Land fordert die Opposition schon Konsequenzen.

 

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte, an Großprojekten könne zu Beginn noch kein Preisschild hängen. Zudem seien Kostensteigerungen beim Bau ein allgemeines Problem. Die Ausgaben für die Sanierung der Oper seien nicht mit Investitionen für Kitas und Schulen zu vergleichen: „Schulen haben wir Tausende, Staatstheater haben wir zwei.“ Außerdem ständen die Staatstheater für Exzellenz in der Kunst, die für das Land als harter Standortfaktor bedeutend sei. „Wenn wir Spitzenkräfte hier haben wollen, dann wollen die gute Kultur geboten bekommen.“ Skepsis dominiert dagegen seit Langem beim Koalitionspartner CDU, der sich anschickt, 2026 den Ministerpräsidenten zu stellen. Auf Anfrage wollte sich die Fraktion nicht äußern. Es gibt Abstimmungsbedarf.

FDP spricht vom „Fass ohne Boden“

Martin Rivoir (SPD), ist umso deutlicher: Unter diesen Bedingungen keine Alternativen bis hin zu einem Neubau zu prüfen, sei fahrlässig. „Umso mehr, da es sich immer mehr abzeichnet, dass die geplante Interimsspielstätte in den Wagenhallen dauerhaft stehen bleibt. Dazu kämen weitere Kosten für die Instandhaltung des Littmann-Baus zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs bis mindestens 2033. Hier dürfte nochmals ein hoher zweistelliger Millionenbetrag fällig werden.“

Als „Fass ohne Boden“ und als „unwürdiges Schauspiel“ bezeichnet der kulturpolitische Sprecher der FDP, Stephen Brauer, die Opernsanierung. Die Projektpartner seien sich offensichtlich uneins über den Fahrplan für das Milliardenprojekt.

CDU im Rathaus für die Sanierung

Die CDU-Fraktion im Rathaus sieht es laut Fraktionschef Alexander Kotz „weiterhin als richtig an, den nach intensiven Diskussionen und Bewertung von Alternativen beschlossenen Weg weiter zu verfolgen“. Wenn die Entwurfsplanung vorliege, müsse entschieden werden, ob das Raum- und Qualitätsprogramm korrigiert werden müsse. Ein Planungsstopp und ein Neubau an anderer Stelle wären teurer und dauerten länger.

Der bauhistorisch wertvolle Littmann-Bau müsse als erstklassiges Opernhaus und zentrale Spielstätte für Oper und Ballett erhalten bleiben, sagt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Rühle. Erneut mit der Idee einer dritten Spielstelle zu kommen, die aus guten Gründen verworfen worden sei, „verzögert und verteuert nicht nur das Projekt, sondern stellt den Fortbestand dieser renommierten Institution ernsthaft infrage“.

SPD: „Kultureller Leuchtturm“

Für die Fraktionsgemeinschaft SPD/Volt ist die Sanierung der Oper „eine Investition in die kulturelle Zukunft unserer Stadt“. Die Staatsoper sei ein unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Identität Stuttgarts. Ihre Sanierung sei eine notwendige Investition, um die Oper für kommende Generationen als kulturellen Leuchtturm zu erhalten. Man trage auch für die Beschäftigten eine besondere Verantwortung.

Kritische Töne schlägt dagegen Stadtrat Hannes Rockenbauch (SÖS) an: „Die anfängliche Ignoranz gegenüber unseren Argumenten, dass die Planungen zu groß und zu teuer sind und es einen Plan B braucht, droht in Arroganz der Alternativlosigkeit umzuschlagen.“ Es werde die gleiche Salamitaktik wie bei S 21 angewandt. Man nicke eine Kostensteigerung nach der anderen ab, weil es keine Alternativen gebe. Eike Möller vom Bund der Steuerzahler meint: „Wenn das so weitergeht, droht eine Oper 21.“ Auch er plädiert für einen Neubau.

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