Sanierungsgebiet 29 in Stuttgart-Ost Eine Entscheidung mit Folgen für den Stöckach

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Das wichtigste Projekt im Sanierungsgebiet Stöckach ist die Umgestaltung des Stöckachplatzes, zu der auch der Abriss der ehemaligen Hauswirtschaftlichen Schule und die Neubebauung des Areals gehört. Eine Interimsnutzung durch das Wagenburg-Gymnasium würde alles verzögern – und viele engagierte Bürger enttäuschen.

So sieht der Siegerentwurf für die Neugestaltung des Stöckachplatzes und des Areals der Hauswirtschaftlichen Schule (die vier Gebäude in der Mitte oben hinter dem Platz). Im Vordergrund unscharf ist das Zeppelin-Gymnasium zu erkennen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
So sieht der Siegerentwurf für die Neugestaltung des Stöckachplatzes und des Areals der Hauswirtschaftlichen Schule (die vier Gebäude in der Mitte oben hinter dem Platz). Im Vordergrund unscharf ist das Zeppelin-Gymnasium zu erkennen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

S-Ost - „Ich hoffe, dass mein Amt auch bei einer Verzögerung am Stöckachplatz noch einen Rest von Glaubwürdigkeit behält.“ Diese Aussage von Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung bei der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost umschreibt die verzwickte Lage im Sanierungsgebiet Stöckach. Werden Teile des Wagenburg­-Gymnasiums interimsweise in die ehe­malige Hauswirtschaftliche Schule ausgelagert, verzögert sich eines der Kernprojekte der Stadtteilerneuerung um Jahre. Auch die Finanzierung des Abrisses und der Platzumgestaltung könnte auf der Kippe stehen. Noch schwerer würde aber der dadurch drohende Vertrauensverlust bei den seit Jahren in der Bürgerbeteiligung engagierten Anwohner wiegen.

Neue Beteiligungsformen mit Pilotcharakter

Zum Hintergrund: das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung und dabei vor allem die für die Sanierungsgebiete zuständige Abteilung von Martin Holch geht beim Thema Bürgerbeteiligung seit Jahren immer wieder neue Wege. Dabei haben neue Beteiligungsformen gerade auch bei Projekten im Stuttgarter Osten immer wieder Pilotcharakter. Im Sanierungsgebiet Stuttgart 29, das weite Teile des Stadtteils Stöckach und – nach einer ersten Erweiterung – auch den Park der Villa Berg und die Villa selbst umfasst, wurde die Bürgerbeteiligung von Anfang an über die Gemeinwesenarbeit im Stadtteil organisiert. Dort bildete sich der Stöckachtreff, eine regelmäßige, für alle offene Rund interessierter Anwohner, in der Probleme und Projekte im Stadtteil besprochen und Ideen entwickelt wurden.

Nachdem der Stadtteil im August 2012 offiziell zum Sanierungsgebiet geworden war, bereitete der Stöckachtreff eine große Auftaktveranstaltung vor, zu der rund 150 Bürger kamen. Im weiteren Verlauf wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich intensiv mit so unterschiedlichen Themen wie Miete und Wohnen, Verkehr und eben auch der Hauswirtschaftlichen Schule und dem Stöckachplatz befassten.

Bürger konnten Architekten ihre Wünsche sagen

Die Umgestaltung des Stöckachplatzes, der fast untrennbar damit verbundene Abriss der ehemaligen Hauswirtschaftlichen Schule und die Neubebauung des Areals waren und sind die Hauptprojekte des Sanierungsgebietes. Entsprechend groß war das Engagement der Stadt und der Bürger seit zwei Jahren dafür. 18 Architektur- und Ingenieurbüros wurden zu einem nichtoffenen städtebaulichen Wettbewerb eingeladen. Zum Auftakt – eine Premiere in Stuttgart – konnten die Bürger den Vertretern der Büros ihre Ideen und Wünsche bei einer öffentlichen Veranstaltung mit auf den Planungsweg geben.

Die Entscheidung fiel im Juni 2015, der Entwurf des Büros Harris und Kurrle Architekten BDA in Arbeitsgemeinschaft mit Jetter Landschaftsarchitekten gewann. Das Büro stellte seine Machbarkeitsstudie für das Projekt in der vergangenen Woche im Bezirksbeirat vor.

Eine Interimsnutzung wäre eine Enttäuschung

Würde der begonnene Planungsprozess konsequent fortgesetzt, könnten Neubau und Platz bequem bis zum Ende der üblichen Sanierungsgebietfristen fertig gestellt sein. Ein Sanierungsgebiet wird zunächst für zehn Jahre festgelegt, eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre kann beantragt werden. Das heißt, das Sanierungsgebiet sollte bis spätestens 2024 sozusagen abgeschlossen sein. Sollten die Räume der Hauswirtschaftlichen Schule aber als Interimslösung für das Wagenburg-Gymnasium genutzt werden, müsste alles um Jahre verschoben werden.

Würden also beispielsweise von 2017 bis 2020 am Stöckachplatz Wagenburg-Schüler unterrichtet werden, könnte der Planungsprozess inklusive Kostenschätzung sinnvollerweise erst 2019 beendet werden. Dann würde es mit einer Realisierung bis 2024 knapp werden, wodurch auch eine teilweise Finanzierung zum Beispiel des Abrisses durch Fördermittel in Gefahr geriete. Für die Stöckach-Einwohner, die schon viel Zeit und Energie in die Bürgerbeteiligung investiert haben, wäre das eine herbe Enttäuschung.

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost wird in einer jetzt terminierten Sitzung am 2. März erneut über das Thema Wagenburg-Gymnasium diskutieren und entscheiden.

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