Sanierungsgebiet in Filderstadt-Plattenhardt Abermals wird für die Schönheitskur geworben

Sanierungsgebiet Plattenhardt, Blick auf den Eingang zur Ortsmitte. In diesem Bereich hat ein Gutachten besonders viele schadhafte Gebäude ausgemacht. Foto: Caroline Holowiecki
Sanierungsgebiet Plattenhardt, Blick auf den Eingang zur Ortsmitte. In diesem Bereich hat ein Gutachten besonders viele schadhafte Gebäude ausgemacht. Foto: Caroline Holowiecki

Der Technische Ausschuss in Filderstadt hat sich mehrheitlich pro Sanierungsgebiet Plattenhardt positioniert. In der jüngsten Sitzung wurde versucht, Missverständnisse auszuräumen.

Plattenhardt - Beim Thema Sanierung Plattenhardt geht es auf die Zielgerade. Der Technische Ausschuss hat sich mehrheitlich für die von der Verwaltung vorgelegte förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets und das Neuordnungskonzept ausgesprochen – lediglich das Gebäude Saarstraße 14 wurde nach einem Antrag aus den SPD-Reihen gestrichen. Die endgültige Entscheidung wird das Gesamtgremium am 22. März fällen.

Gleiches gilt für die Förderrichtlinien für Privatleute, die an Häusern etwas machen wollen. Sie orientieren sich an dem, was fürs Sanierungsgebiet in Bernhausen galt – mit einem Unterschied: Der Förderrahmen beim Umbau denkmalgeschützter Gebäude wurde von 50 000 auf maximal 75 000 Euro erhöht. In Plattenhardt sind hiervon etwa zehn Gebäude betroffen. Ansonsten bleibt die Deckelung bei 50 000 beziehungsweise 30 000 Euro für sogenannte Restmaßnahmen.

Vor allem im nördlichen Teil ist die Substanz schlecht

Zu tun gibt es einiges. Ein Gutachten hat äußerlich bei 89 Prozent der mehr als 400 untersuchten Gebäude Mängel festgestellt. Bei 39 Prozent sind sie stark, bei fünf Prozent ist fraglich, ob das Haus überhaupt erhalten werden kann. Vor allem im nördlichen Teil, dort, wo man in die Ortsmitte fährt, ist die Substanz demnach schlecht. Nach dem, was gemacht werden sollte, hat die Verwaltung vier Teilbereiche festgelegt.

An der Hohenheimer Straße, wo das Autohaus und die Tankstelle sind, schweben den Planern eine Beseitigung der unverträglichen Gemengelage und Wohnungsbau vor. Der Bereich Feuerwehrgerätehaus eignet sich demnach nach dem Abriss fürs Wohnen, etwa für Senioren, rund um die Schul- und die Schillerstraße stehen eine Modernisierung, die Erweiterung der sozio-kulturellen Einrichtungen wie VHS und Kunstschule sowie neu gestaltete Freiflächen und Parkmöglichkeiten an. Für den Bereich Uhlbergstraße ist die Liste am längsten. Neben einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität stehen etwa die Aufwertung der Ortseingänge, der Erhalt prägender Gebäude, Wohnen, Nachverdichtungen, Kultur und Stellplätze auf der Agenda.

Chance nicht entgehen lassen

Unter den Stadträten gibt es etliche Befürworter. „Es bietet sich eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte“, sagte etwa Catherine Kalarrytou (Grüne), sie sei überzeugt, dass der Funke noch auf andere überspringen werde. Auch Friedericke Bauer (CDU) sah „mehr Nutzen als Schaden“. Robert Hertler (Freie Wähler) warb dafür, „etwas Positives für den Stadtteil“ zu tun.

Die warmen Worte kamen nicht von ungefähr: Für das Gelingen des Gesamtkonzeptes braucht es die Einwohner, und da hakt es nach wie vor. Die Skepsis ist groß. Unter anderem die Wertabschöpfung, die bei sanierungsbedingten Bodenwertsteigerungen auf die Eigentümer zukommt, bereitet Sorgen, wenngleich die laut Gutachten beim Großteil der Eigentümer bei maximal sechs Euro pro Quadratmeter liegen sollen. Auch obligatorische Grundbuchvermerke schmecken nicht jedem.

Noch gibt es Missverständnisse

Allerdings gibt es nach wie vor auch Missverständnisse. Sabine Morar von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH betonte, es würden keine Sanierungskosten umgelegt, vielmehr könnten Bürger Zuschüsse bekommen und Kosten steuerlich geltend machen. Auch würden lediglich Potenziale aufgezeigt, das Neuordnungskonzept habe als informelle Planungsgrundlage keine unmittelbare Rechtswirkung. „Es wird niemand enteignet oder zu Sanierungen genötigt“, betonte Walter Bauer (SPD). Er hoffe auf mehr Sachlichkeit in der Diskussion.

Ins selbe Horn stieß der Filderstädter Baubürgermeister Falk-Udo Beck. Der Verwaltung sei daran gelegen, die Bürger mitzunehmen und gemeinsam etwas zu schaffen. „Wir möchten aus dem Stadtteil Plattenhardt etwas Besseres machen“, sagte er. Einzig Matthias Weinmann (Freie Wähler) positionierte sich als Gegner der Pläne. Er sprach von einem „starken Eingriff ins Privateigentum“.




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