Sanierungsgebiet Mettingen, Brühl und Weil in Esslingen Drei Stadtteile wachsen zusammen

Über die Sanierung des Spielplatzes in den Mettinger Wiesen freut sich auch Ignazio Tavaglione, der dort trainiert. Foto: Roberto Bulgrin

Drei Esslinger Stadtteile – eine Esslinger Identität. Mettingen-West, Weil und Brühl sollen enger zusammenwachsen. Für eine bessere Verknüpfung und ihre Aufwertung wurde ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt. Viel wurde schon getan. Viel ist noch zu tun.

Da steckt architektonisches Raffinement drin. Vorbilder in der Formensprache waren die Basecaps vieler Jugendlicher und das Berliner Olympiastadion. Das Sonnensegel vor dem Jugendhaus Trio in Esslingen-Mettingen sei ein cleverer baulicher Coup, machte Michael Höger vom städtischen Amt für Planung, Bau und Sanierung deutlich. Alle Stützen wurden in einem mit Graffiti verzierten Betonteil am Rande versteckt. So ist unter dem Sonnendeck eine große Freifläche entstanden, auf der Veranstaltungen, Partys oder Treffen der Jugendlichen ungestört von Streben oder Säulen über die Bühne gehen können.

 

Stadtteile sollen zusammenwachsen

Doch das frei schwebende Sonnendach ist nur ein kleiner Teil der Verbesserungsprojekte zur Aufwertung von Mettingen-West, Brühl und Weil. Bis 2025 sollen die Stadtteile im Rahmen eines Sanierungsprogramms zukunftsfit gemacht werden, wurde bei einem Besuch von Nicole Razavi, der baden-württembergischen Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, in Esslingen deutlich gemacht. Vom Jugendhaus Trio geht der Tross im Gefolge der Ministerin mit OB Matthias Klopfer sowie weiteren Vertretern aus Politik und Verwaltung zum Spielplatz in den Mettinger Wiesen, einem anderen Sanierungsprojekt. Der kurze Spaziergang am Neckar entlang gibt Sabine Sonnek vom Stadtplanungsamt Gelegenheit zur Nennung einiger Eckdaten: Der Satzungsbeschluss des Esslinger Gemeinderats für das Sanierungsgebiet Mettingen-West, Brühl und Weil, sagt sie, ist im Dezember 2016 gefallen. Das Vorhaben sei vorläufig auf das Jahr 2025 terminiert, wobei eine Verlängerung möglich sei.

Ein etwa 43 Hektar großes Gebiet in allen drei Stadtteilen werde dabei ins Blickfeld genommen. Mettingen, Brühl und Weil sollen enger miteinander verknüpft werden. Bessere Lebensbedingungen, eine optimierte soziale Infrastruktur und ein aufgewertetes Wohnumfeld werden angestrebt. Weitere Sanierungsziele sind nach Angaben der Fachfrau mehr Wohnraum und die Schaffung von Quartierzentren.

Die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts beziffert Sabine Sonnek mit etwa 13 Millionen Euro. Bisher hat das Land vier Millionen Euro an Finanzhilfen bewilligt, möglich wäre aber eine Förderung in Höhe von bis zu 6,6 Millionen Euro. Die restlichen Kosten trägt die Stadt Esslingen.

Am Spielplatz in den Mettinger Wiesen gibt es einiges zu sehen. Große Steine zum Klettern, moderne Spielgeräte, viel Grün, ausgedehnte Freiflächen – das Ganze gelte als Vorzeigeprojekt, schwärmt Michael Höger. Sogar eine Projektgruppe zum Bepflanzen von Mitmachgärtchen habe sich gebildet. Eine halbe Million Euro hat die Neugestaltung des in die Jahre gekommenen, unattraktiven, sanierungsbedürftigen alten Spielplatzes seinen Worten zufolge gekostet. Das Land gewährte einen Zuschuss in Höhe von 315 000 Euro. Dieses Vorhaben ist abgeschlossen. Doch laut Sabine Sonnek stecken noch weitere Ideen für das Sanierungsgebiet in der Pipeline. In Weil, sagt die Architektin, soll ein Stadtquartierplatz hinter den Salucci-Höfen in der Nähe des Neckarcenters entstehen. Der Spielplatz in der Straße Wannenrain in dem Stadtteil soll aufgewertet werden, und in den nächsten Tagen ist Baustart zur Umgestaltung der Bushaltestellen, der Radwege und der Parkplätze entlang der Weilstraße.

Vom Spielplatz geht es mit der Ministerin wieder zurück zum Jugendhaus. Beim angenehmen Gehen unter schattigen Bäumen zählt Sabine Sonnek bereits abgeschlossene Projekte im Sanierungsgebiet auf. Es sei einiges geschaffen worden – etwa neuer Wohnraum. In Brühl sind 94 zusätzliche Wohneinheiten entstanden, in Weil 142 plus 43 Reihenhäuser. Baumaßnahmen, die beiden Stadtteilen rund 700 neue Einwohner beschert hätten. Ein besseres soziales Miteinander ist ebenfalls wichtig. In Mettingen wurden daher das Jugendhaus Trio sowie die Bewegungs- und Aktivflächen Auenplatz geschaffen, die 2018 eingeweiht wurden. Die Palmenwaldstraße wurde umgestaltet, die bestehende Unterführung saniert, die Matthäus-Hahn-Straße entlang des Daimler-Parkplatzes zu einem verkehrsberuhigten Bereich ausgebaut.

Öffentliche Freizeitfläche im Sportpark

Auch Brühl kam zum Zug. Aus einem denkmalgeschützten Bestandsgebäude und einem Neubau wurde ein Gemeinwesen-Zentrum mit Quartiersplatz gebildet, das 2021 seinen Betrieb aufnahm. Ein weiteres Filetstück sind Verbesserungen in Weil, sagt Sabine Sonnek. Im Sportpark wurde ein „Bürgerpark“ als öffentliche Freizeitfläche errichtet. Die Erschließung des Sportgeländes und der Parkplätze kamen hinzu.

Kaum hat sie den letzten Punkt genannt, ist Sabine Sonnek wieder am Ausgangspunkt beim Jugendhaus Trio angekommen. Das Sonnensegel vor dem Gebäude verrät architektonisches Raffinement. Doch im Sanierungsgebiet Mettingen-West, Brühl und Weil ist noch viel mehr geplant.

Ein Finanztopf für die Städte

Besuch
Anlass für den Besuch von Nicole Razavi war das 51-jährige Bestehen des Städtebauförderprogramms. Seit 1971 unterstützen Bund und Land Sanierungsgebiete und die Neugestaltung öffentlicher Räume. Das 50-jährige Jubiläum wurde 2021 Jahr coronabedingt nicht gefeiert.

Finanzspritzen
Seit Beginn, so machte die Ministerin deutlich, erhält Esslingen Leistungen aus dem Programm. 1972 wurde das Sanierungsgebiet „Schelztorstraße“ unterstützt. Seither hätten 14 verschiedene Sanierungsgebiete in der Neckarstadt von der finanziellen Unterstützung profitiert.

Leistungen
Insgesamt habe Esslingen bisher etwa 70 Millionen Euro aus dem Fördertopf erhalten, erklärte Nicole Razavi bei ihrem Besuch. Bis zu 6,6 Millionen Euro könnte Baden-Württemberg an Finanzhilfen für das Sanierungsgebiet Mettingen-West / Brühl / Weil gewähren.

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