Sanierungsgebiet Stadt arbeitet Hand in Hand mit den Bürgern

Von Torsten Ströbele 

Die Sanierungsziele im historischen Ortskern sollen im Dialog mit den Menschen vor Ort erarbeitet werden.

Zur Informationsveranstaltung des Stadtplanungsamtes Foto: Torsten Ströbele
Zur Informationsveranstaltung des Stadtplanungsamtes Foto: Torsten Ströbele

Botnang - Der große Saal des Bürgerhauses platzte am vergangenen Donnerstagabend fast aus allen Nähten. Keinen einzigen freien Stuhl gab es mehr. Einige Botnanger mussten stehen. Aber das nahmen sie in Kauf, denn sie wollten unbedingt hören, was sich da in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren direkt vor ihrer Haustüre beziehungsweise im historischen Ortskern des Bezirks tun wird.

Die Stadt Stuttgart sieht in Botnang Sanierungsbedarf. Einige Gebäude seien in einem schlechten Zustand – sowohl baulich als auch energetisch. Zudem stünden teilweise auch Ladengeschäfte leer, sagte Altraut Schiller vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung im Bürgerhaus. Eine genaue Bestandsaufnahme werde folgen. Diese Aufgabe wird das Büro Wick und Partner übernehmen. „Wir wollen städtebauliche Missstände beheben. Mit einer Sanierung haben Sie die Möglichkeit, die historische Struktur des Ortskerns an moderne Standards anzupassen“, sagte Michael Schröder von Wick und Partner.

Zunächst einmal soll nun bis zur Sommerpause ein rund 21 Hektar großes Areal in Botnang genau unter die Lupe genommen werden. Der Kern des Untersuchungsgebietes umfasst die historische Ortsmitte zwischen der Franz-Schubert-Straße und der Alten Stuttgarter Straße. Im Norden bildet die Regerstraße die Grenze. Westlich umfasst das Gebiet die Himmerreichstraße und weite Teile der Nöllenstraße. Südlich werden vor allem die Immobilien an der Vaihinger Land- und der Hummelbergstraße angeschaut.

Eigentümer bekommen Fragebögen zugeschickt

„Warum werden denn das alte Pfarrhaus und die Gebäude rund um die Auferstehungskirche nicht untersucht“, wollte eine Dame aus dem Publikum wissen. Und eine andere Zuhörerin wunderte sich, dass das alte Pumpenhaus Casa Pompa nicht mit ins Untersuchungsgebiet aufgenommen wurde. „Das ist kein Problem. Das nehmen wir gerne auf. Irgendwo mussten wir eine Grenze ziehen“, sagte Altraut Schiller. „Danke für die Hinweise. Wir wollen gemeinsam mit Ihnen in den Dialog treten und nach der Untersuchung dann auch die Sanierungsziele formulieren. Wir brauchen Ihre Unterstützung. Sie wissen am besten, wo der Schuh drückt.“ Zeitnah sollen deshalb auch Fragebögen an die Eigentümer der Immobilien verschickt werden.

Die Befürchtung einiger Botnanger, dass jemand auch zum Sanieren gezwungen werden kann, bestätigte sich nicht. Altraut Schiller: „Wir greifen nicht in privates Eigentum ein.“ Wer an seiner Immobilie nichts verändern wolle, müsse das auch nicht tun. Allerdings würden private Gebäudesanierungen „in der Regel mit bis zu 25 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst“, sagte Altraut Schiller.

Ausgleichzahlungen könnten fällig werden

Was aber auf die Eigentümer nach einer Sanierung zukommen könnte, seien sogenannte Ausgleichszahlungen. Falls das Grundstück durch die Sanierung an Wert gewänne, könnte eine einmalige Zahlung an die Stadt fällig werden. „In welcher Höhe sich der Betrag bewegen könnte, kann ich noch nicht sagen. Das ist sehr individuell“, sagte Schiller. Sie kenne einen aktuellen Fall, in dem maximal 15 Euro pro Quadratmeter Fläche bezahlt werden müssen.

Altraut Schiller, ihr Kollege Roland Bornemann vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung und Michael Schröder boten den Botnangern an, dass sie sich bei weiteren Fragen telefonisch oder per Mail bei ihnen melden können. Zudem werde es eine weitere Infoveranstaltung geben, die Workshop-Charakter habe, um gemeinsam die Sanierungsziele zu formulieren. Im Sommer oder Herbst 2016 solle dann mit der Umsetzung begonnen werden.




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