Sanierungsprogramm in Stammheim Durchwachsenes Fazit

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Das langjährige Sanierungsprogramm für den Stammheimer Ortskern endet Mitte 2019. Jedoch konnten nicht alle Ziele, die sich die Stadtplaner gesetzt haben, erreicht werden – das liegt zum Großteil an den Eigentümern der Immobilien.

Der erneuerte Platzbereich an der Kreuzung Korntaler/Freihofstraße gilt aus Sicht der Stadtplaner als gelungen.Foto: Chris Lederer

Stammheim - Seit April 2009 gilt ein Bereich entlang der Stammheimer Einkaufsmeile – den Freihofplatz eingeschlossen – als Sanierungsgebiet. Anlass waren seinerzeit der geplante Stadtbahnumbau und städtebauliche Mängel. Knapp zwei Millionen Euro standen seitdem zur Verfügung, um das 8,9 Hektar große Areal aufzuwerten. Zum einen erhielten Hauseigentümer unter bestimmten Umständen Geld für Modernisierungen ihrer Immobilien, zum anderen nutzte die Stadt aber auch Mittel, um das Ortsbild entlang der Freihofstraße aufzuwerten, Grundstücke zu kaufen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Nur rund 400 000 Euro stehen noch zur Verfügung. Mitte kommenden Jahres endet das Programm, eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich.

Einen Überblick über den Stand des Verfahrens gab Altraut Schiller vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung in der jüngsten Sitzung des Stammheimer Bezirksbeirates. „Wir haben vor, die Satzung Anfang nächsten Jahres aufzuheben“, kündigte sie an. Die verbleibende Zeit solle genutzt werden, „um eventuelle Anregungen, Pläne oder Vorhaben, die vielleicht noch machbar sind, in Angriff zu nehmen“. Was die in der Sanierungssatzung festgelegten Ziele angeht, so habe man „leider nicht alle erreicht“. Der wichtigste Bereich an der ehemaligen Endhaltestelle, an dem die Stärkung des Einzelhandels vorgesehen war, habe sich nicht verwirklichen lassen.

„Nicht im Sinne nachhaltiger Modernisierung“

Als Grund dafür nannte Schiller „die Vielzahl der Akteure“, mit denen sich keine Einigung erzielen ließ. „Dennoch denke ich, dass der gesamte Bereich der ehemaligen Gleisschleife durchaus Qualitäten hat, wenngleich wir unseren Teil im Rahmen der Sanierung nicht dazu beitragen konnten – der heutige Bereich sieht ansprechend aus.“ Ebenfalls sei es nicht gelungen, private Eigentümer zu motivieren, ihre Häuser zu sanieren. „Wir hatten eigentlich einen guten Einstand mit mehr als 30 Beratungen in den ersten Jahren“, es seien dann aus den privaten Modernisierungen Selbstläufer geworden, „die zwar ein bisschen was gemacht haben, aber nicht im Sinne einer nachhaltigen Modernisierung“.

Zufrieden zeigte sich Schiller mit Teilen der Freihofstraße: „Der Umbau hat aus Sicht der Stadtplaner durchaus Verbesserungen gebracht.“ In manchen Bereichen müsse man noch warten, bis die Bäume größer seien. Ein durchaus größeres Vorhaben im Zuge der Sanierung war die Umgestaltung des Bereiches an der Kreuzung Korntaler/Freihofstraße mit dem Neubau der SWSG. „Ich denke, das ist jetzt durchaus ein ansprechender Platz.“ In diesem Fall hätten alle Beteiligten an einem Strang gezogen. „Nur dadurch konnten wir bestimmte Sache realisieren.“ Sie müsse betonen: „Sanierung ist halt leider keine Zwangsmaßnahme, zu der man irgendjemanden verpflichten kann.“ Es beruhe immer auf Freiwilligkeit und auf Verhandlung und Verständnis aus der Bürgerschaft und anderen Beteiligten.

Abhängig von der Bereitschaft der Eigentümer

Anregungen von Seiten der Bezirksbeiräte hatte Altraut Schiller bei einer Begehung vor einigen Wochen mitgenommen. Unter anderem die Verbesserung der Fahrradabstellmöglichkeiten an der Endhaltestelle, ebenso im Bereich an der Kreuzung zur Korntaler Straße. Was vereinzelte marode Hausfassaden an der Freihofstraße angehe, so seien ihr die Hände gebunden: „Wenn die Eigentümer keine Bereitschaft zeigen, können wir auch nichts tun.“ Vereinzelt wünschten Bezirksbeiräte, dass das Programm zur Förderung über April 2019 hinaus verlängert werden soll. Dem prophezeite Schiller wenig Aussicht auf Erfolg. Auch der Wunsch, die Stadt möge frei werdende Häuser beziehungsweise Grundstücke kaufen, um auf diese Weise langfristig an größere zu entwickelnde Flächen zu gelangen, gab Schiller nur geringe Chancen: Die Stadt könne ihr Vorkaufsrecht nur dann ausüben, wenn es einen Verkaufsvorgang gibt – und den könne ein Eigentümer nach seinem Willen auch wieder rückabwickeln. „Auch bräuchten wir vier bis fünf zusammenhängende Grundstücke, um Einzelhandel anzusiedeln – unter 1500 Quadratmeter reiner Verkaufsfläche bekommt man niemanden her.“

Obendrein sei das Geld aus dem Förderprogramm zum großen Teil aufgebraucht. Und mit den noch übrigen 400 000 Euro sei bei den heutigen Grundstückspreisen schlichtweg „gar nichts zu machen“.