Sanierungsstau in Böblingen Mehr Tempo bei den Turnhallen
Auch wenn einiges renoviert wird – der Sanierungsstau bei Schulen und Sportstätten bleibt eine große Herausforderung, kommentiert unser Redakteur Robert Krülle.
Auch wenn einiges renoviert wird – der Sanierungsstau bei Schulen und Sportstätten bleibt eine große Herausforderung, kommentiert unser Redakteur Robert Krülle.
Fast ein halbes Jahr mussten Schulen und Sportvereine ohne die Murkenbachhalle I auskommen, eine der größten Indoor-Sportstätten in Böblingen. Insbesondere für die dort beheimateten Handballer war das keine einfache Zeit. „Wir mussten an andere Orte ausweichen und viel improvisieren“, sagte Abteilungsleiter Ralf Maurer am Dienstag beim Vor-Ort-Termin, als die Halle nach erfolgter Renovierung offiziell wiedereröffnet wurde. 2,5 Millionen Euro hat sich die Stadt Böblingen die Neugestaltung kosten lassen, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Neuer elastischer Hallenboden, Heizung im Untergrund, moderne Wandelemente, angenehmere Akustik, besseres Licht, digitale Anzeigentafel – die Handballer (und alle anderen Nutzer) können sich freuen, an diesem Samstag wird die Halle mit einem großen Heimspieltag sportlich eingeweiht.
Dabei darf der Glanz der frisch sanierten Murkenbachhalle nicht darüber hinweg täuschen, dass in anderen Böblinger Turnhallen weiterhin ein eklatanter Sanierungsbedarf besteht. Gerade in kleineren Hallen wie an der Eduard-Mörike-Schule, der Eichendorffschule oder der Ludwig-Uhland-Schule sind die Zustände zum Teil fatal. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Horrormeldungen von Löchern in den Wänden, undichten Dächern, Schimmel und Modergeruch. Zwar hat sich die Stadt zuletzt bemüht, die größten Missstände auszubessern, doch hilft das vereinzelte Wändestreichen in der Umkleide oder das provisorische Stopfen von Löchern nicht, um eine nachhaltige Verbesserung herbeizuführen.
Dabei sei betont, dass die Stadt Böblingen viel für Schulhaussanierungen tut. Seit 2018 gibt es ein eigenes Programm, das nach und nach abgearbeitet wird. Erst kürzlich wurde der Neubau am Stockbrünnele (Kosten: 75 Millionen Euro) eröffnet, im Sommer steckte die Stadt mehrere Millionen Euro in Sanierungsprojekte, das Max-Planck-Gymnasium zum Beispiel erhielt für 1,8 Millionen Euro neue Bio- und Physikräume sowie neue Schultoiletten.
Doch der Sanierungsbedarf gleicht bisweilen einem Fass ohne Boden. Die meisten Gebäude sind ähnlich alt und brauchen nun alle gleichzeitig Erneuerungen, zudem ist in früheren Jahren zu wenig getan worden. Und insbesondere die Turnhallen fallen im Gesamtprogramm gerne hinten runter. Das sollte sich in nächster Zeit dringend ändern, denn die Zustände sind nicht haltbar.
Gerade im Schulsport oder beim Kindersport-Angebot der SV Böblingen haben die Jüngsten den ersten Kontakt mit Sportanlagen, sollen Freude an der Bewegung entwickeln und die Einheiten gerne wahrnehmen. Das ist mit heruntergekommenen Hallen, verrotteten Umkleiden und miefenden Sanitäranlagen nicht vereinbar. Darauf sollte im Rahmen der Schulhaussanierung ein viel stärkerer Fokus gelegt werden. Dieses Thema braucht mehr Tempo.
Auch auf Sindelfinger Seite war diese Woche eine sanierungsbedürftige Sportstätte im Blick: das Sindelfinger Hallenbad. Seit vielen Jahren wird diskutiert, wie groß und teuer der Um- oder Ausbau ausfallen soll. Nun hat der neue Oberbürgermeister Markus Kleemann die bisherigen Pläne beiseite gewischt und neue Entwürfe präsentiert. Einerseits tut er gut daran, den festgefahrenen Streit um die Zukunft als teures Spaßbad aufzubrechen, gleichzeitig könnte er mit seinen Vorschlägen den nächsten tiefgreifenden Konflikt provozieren. Denn eine der Varianten sieht vor, das 50-Meter-Becken aufzugeben – eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal in Sindelfingen und für die leistungsorientierten VfL-Schwimmer ein Muss. Ohne die Sportler einzubeziehen, wird eine gute Lösung kaum möglich sein – das gilt für Sindelfingen wie für Böblingen.