Sasa Kalajdzic, Stürmer des VfB Stuttgart „Ich bin ein ungewöhnlicher Spieler“

Erstes Bundesligaspiel, erstes Tor: Sasa Kalajdzic (ganz links) gegen den SC Freiburg Foto: Baumann

Der VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic ist ein ganz besonderer Typ. Vor dem Auswärtsspiel beim 1. FSV Mainz 05 spricht der 23 Jahre alte Österreicher über seine Größe und Technik, seinen ungewöhnlichen Werdegang – und Erdbeereis im Café Trento in Wien.

Stuttgart - Nach seinem Jokertor gegen den SC Freiburg hofft VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic (23) im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 an diesem Samstag (15.30 Uhr) auf einen Platz in der Startelf. Hinter dem zwei Meter großen Österreicher liegt ein langer und beschwerlicher Weg – jetzt kann er es noch immer kaum glauben, dass er es in die Bundesliga geschafft hat.

 

Herr Kalajdzic, wie lebt es sich als Wiener in Stuttgart?

Es war nicht schwer, mich hier einzuleben. Erstens verstehe ich auch Schwäbisch. Und zweitens bin ich kein Mensch, der größere Anpassungsprobleme hat. Die Leute haben es mir aber auch nicht schwergemacht. Alle sind sehr freundlich.

Was fehlt Ihnen am meisten?

Ein Erdbeerbecher im Eissalon Trento wäre jetzt magisch. Ansonsten sind es meine Eltern und meine Freunde, die ich vermisse. Das Quatschen bei einem Kaffee auf dem Balkon – das fehlt mir schon hin und wieder.

Sie haben sich im Sommer 2019 kurz nach Ihrem Wechsel einen Kreuzbandriss zugezogen und sind daher erst mit knapp einjähriger Verspätung so richtig angekommen. Wie schwer war diese Zeit?

Sehr schwer. Das wünsche ich keinem. Du verlässt deine Heimat, hast große Hoffnungen – und bist dann erst mal monatelang auf dich alleine gestellt. Das war nicht einfach, auch wenn mich der Verein zu jedem Zeitpunkt unterstützt hat. Am schlimmsten war, wenn ich ins Stadion gegangen bin und nicht spielen konnte.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Dass es sich lohnt, hart zu arbeiten und nie die Zuversicht zu verlieren. Ich habe mich vor mehr als einem Jahr schwer verletzt – und jetzt mein erstes Bundesliga-Tor geschossen. Das war ein Moment, den ich nie vergessen werde.

Es war ein technisch anspruchsvoller Treffer, den Ihnen viele aufgrund Ihrer Körpergröße gar nicht zugetraut hätten.

Das kenne ich schon aus Österreich. Dort war es auch immer so, dass die Leute dachten: Der Typ ist so groß, der kann sicher nur köpfeln. Dabei fand mein Trainer, dass ich mit dem Fuß besser bin als mit dem Kopf.

Was sicher auch daran liegt, dass Sie in der Jugend Mittelfeldspieler waren.

Davon profitiere ich extrem. Ich habe früher überall im Mittelfeld gespielt, ob auf der Sechs, der Acht oder Zehn, ich bin auch immer gerne ins Dribbling gegangen. Dann passierte es, dass wir in einem Spiel mit den Junioren von Admira Wacker Mödling 0:1 hinten lagen und kaum vors Tor kamen. Ich wurde eingewechselt und bekam den Auftrag, ganz vorne irgendwie an den Ball zu kommen. Plötzlich hatten wir gute Torchancen und haben den Ausgleich erzielt. Von da an war ich Stürmer.

Zwei Meter groß und trotzdem technisch versiert – das ist selten.

Ich denke, ich bin ein ungewöhnlicher Spieler mit Eigenschaften, die nicht so häufig vorkommen. Ich bin nicht der klassische Riese, der vier Meter breit ist und sich vor lauter Kraft kaum bewegen kann. Sondern eher der Schlaks, der auch mit dem Ball umgehen kann. Ich habe einfach andere Hebel.

Ungewöhnlich ist auch Ihr Werdegang. Sie haben nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht. Das kommt heutzutage nicht mehr häufig vor.

Ich habe ganz normal bei einem Wiener Amateurverein gespielt, bei First Vienna FC, dem ältesten Fußballclub Österreichs. Und ich muss gestehen: Ich war körperlich viel zu schwach. Der Schwerpunkt lag in dieser Zeit eher auf der Schule. Meinen Eltern war es sehr wichtig, dass ich eine gute Ausbildung mache. Das habe ich getan und mein technisches Abitur gemacht, um anschließend studieren zu können. Dann habe ich meinen Eltern gesagt: „Ich will nicht studieren, ich will lieber Fußball spielen, denn das macht mich am glücklichsten.“ Damals war ich schon fast 19.

Heute sind schon 17-Jährige Bundesliga-Stars.

So gesehen bin ich sicher ein Spätstarter, der einen ungewöhnlichen Weg genommen hat. Aber ich finde, das hatte auch viele Vorteile. Es bringt einen weiter, wenn sich nicht alles um Fußball dreht. Am Technischen Gymnasium zum Beispiel habe ich ganz andere Leute kennengelernt. Die hatten einen ganz anderen Humor und keine Ahnung von Fußball. Mit diesen Leuten bin ich noch immer befreundet. Sie verstehen zwar nach wie vor nicht viel vom Fußball, freuen sich aber darüber, was aus mir geworden ist.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie es als Fußballer weit bringen können?

Ich muss mich noch heute zwicken, dass ich jetzt in der Bundesliga spiele. Da gehören viele Zufälle und viel Glück dazu. Und je mehr du erreichst, desto mehr realisierst du, zu was du imstande bist. Irgendwann habe ich mir gedacht: Es gibt keine Grenzen. Also bin ich mit großem Selbstbewusstsein nach Deutschland gekommen und habe mir gesagt: Die Deutschen werden auch nicht viel besser kicken als die Österreicher.

Sehen Sie sich bestätigt?

Es klingt für mich noch immer surreal, dass ich jetzt gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund spiele. Wie das sein wird, werde ich sehen. Vielleicht schieße ich ja Tore und bekomme noch mehr Selbstbewusstsein.

Jetzt steht erst mal das Spiel in Mainz bevor. Muss der VfB nach der Niederlage gegen den SC Freiburg punkten?

Wir müssen Steuern zahlen, und wir müssen irgendwann sterben – gewinnen müssen wir nicht. Es geht vielmehr darum, alles dafür zu tun, unsere beste Leistung zu bringen. Der Rest kommt von alleine.

Reicht die Qualität Ihrer Mannschaft, um in der Bundesliga zu bestehen?

Ich kenne die Bundesliga bislang nur vom Fernsehen und kann das daher absolut nicht einschätzen. Was ich sagen kann: Wir haben in der Mannschaft einen guten Mix, einen guten Geist und große Unbekümmertheit. Wenn wir unsere Fehler abstellen, schnell dazulernen und ins Laufen kommen, können wir einiges erreichen.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus?

Das oberste Ziel ist, gesund zu bleiben und viele Spiele bestreiten zu können. Natürlich habe auch ich Ansprüche und Träume, aber die werde ich nie preisgeben. Mein Grundprinzip lautet: Wenn es in der Mannschaft gut läuft, profitiere auch ich davon. Das ist ein Geben und Nehmen. Es geht nicht alleine – du musst beispielsweise einen Daniel Didavi hinter dir haben, der dir den Ball so perfekt zuspielt wie gegen Freiburg.

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