Saudi-Arabien Die Ökostadt wächst aus dem Wüstensand

So soll Masdar City im Jahr 2025 aus der Luft aussehen. Bisher stehen allerdings erst 13 Gebäude auf der Fläche einiger Fußballfelder. Illustration: Foster and Partners, Foto: dpa
So soll M asdar City im Jahr 2025 aus der Luft aussehen. Bisher stehen allerdings erst 13 Gebäude auf der Fläche einiger Fußballfelder. Illustration: Foster and Partners, Foto: dpa

Im Ölförderstaat Abu Dhabi besichtigt Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Baustelle einer klimafreundlichen Wissenschaftsstadt. Der deutsche Gast ist von der richtungsweisenden Idee angetan.

Berliner Büro: Roland Pichler (rop)

Ringsum ist nicht viel mehr als Wüste. Umgeben von Sand, Straßen und Palmen ragt die Ökostadt Masdar City in die Höhe. Auf den ersten Blick deutet wenig auf ein Vorzeigequartier hin, denn die Umgebung wirkt trostlos. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben unweit des Flughafens von Abu Dhabi ein Stadtviertel der Zukunft aus dem Boden gestampft. „Stadt der Möglichkeiten“, ist auf riesigen Transparenten kurz vor der Zufahrt zu lesen. Geplant war eine Stadt der Zukunft, die sich vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt. Doch dieser ambitionierte Plan ließ sich nicht völlig durchhalten. Entstehen soll ein CO2-neutrales Zentrum für Wissenschaft, Arbeiten und Wohnen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) verschafft sich während seines Aufenthalts im Golfstaat einen Eindruck von Projekt. „Die Zukunft ist möglich, ohne Öl und Gas zu verbrauchen“, sagt der Minister bei seiner Besichtigung.

Wie viele Neuerungen in den arabischen Staaten ist es ein Vorhaben der Superlative. Künftig sollen 40 000 Menschen in Masdar City wohnen und 50 000 Menschen dort arbeiten. Wann der Endausbau erreicht sein wird, können die Planer nicht sagen. Mit dem Bau begann Abu Dhabi 2008, doch dann kam die Finanzkrise. Nach ursprünglichen Plänen sollte Masdar City 2016 fertig sein. Doch davon sind die Investoren weit entfernt. Nun heißt es, 2025 sei die Stadt in ihrer vollen Dimension zu bestaunen. Der Architekt Chris Chi Lon Wan, der in Masdar City arbeitet, sieht die bisher gebauten Häuser und Bürogebäude als guten Anfang. „Wir haben keine endgültigen Lösungen, aber wir machen uns auf die Suche.“ Im Jahr 2050 werde ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben. Darauf müssten sich Planer und Stadtverwaltungen vorbereiten.

Zum Arbeitsplatz geht es unterirdisch

Masdar City ist als autofreie Stadt konzipiert. Die Menschen, die hier arbeiten und von auswärts kommen, müssen ihre Fahrzeuge auf einem zentralen Parkplatz abstellen. Danach transportiert sie eine elektrisch betriebene Bahn unterirdisch an ihre Arbeitsplätze. Die Kabinen, die Pendler in Büros bringen, ähneln Elektrofahrzeugen, die mit Magnetfeldern gesteuert werden. Die Passagiere steigen ein, drücken einen Knopf und das Fahrzeug bewegt sich in den Schächten vorwärts. Noch sind die Wege des Transportnetzes nicht lang. Das System soll aber ausgebaut werden.

Auf dem Gelände, das bisher nur einige Fußballfelder umfasst, haben sich Firmen wie Siemens eingemietet. Die Münchner steuern von hier aus das Geschäft für die gesamte Region. Auch Forschungsstätten und Labors sind vertreten. Es gibt eine Universität, die sich in erster Linie mit dem Thema erneuerbare Energien befasst. Die gesamte Infrastruktur ist auf eine nachhaltige Versorgung ausgelegt: Die Energie kommt von einem Solarkraftwerk. Auf einem Platz steht ein hoher Windturm, der nach dem Vorbild alter emiratischer Häuser kühle Luft nach unten leitet. Die bisher fertiggestellten 13 Gebäude sind eng aneinander gebaut, damit sie sich gegenseitig Schatten spenden. Die Materialien sind so ausgesucht, dass sie die Hitze abhalten.

Ob sich das Projekt rechnet ist unsicher

Noch ist das ganze Gelände ein riesiges Versuchsfeld. Gabriel hält das aber für richtungsweisend. „In einer Region, die von Öl und Gas abhängt, wird über die Zukunft nachgedacht“, sagt er. Das sei eine faszinierende Idee. Ob sich das Projekt finanziell rechnet, ist unsicher. Bis zur Fertigstellung soll das gigantische Vorhaben die unvorstellbare Summe von 22 Milliarden Dollar (20,3 Milliarden Euro) verschlingen. Ob so viel Geld jemals fließt, ist offen. In den Emiraten werden oft große Ankündigungen gemacht, die Umsetzung fällt dann aber bescheiden aus. Der Beginn ist aber gemacht.

In diesen Tagen hat in Sichtweite von Masdar City die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien ihr Hauptgebäude bezogen. Die Agentur, die 2009 auch auf deutsche Initiative hin gegründet worden ist, berät Staaten beim Ausbau der klimaschonenden Energien. Der bayerische Bauunternehmer Thomas Bauer, der seit mehr als 30 Jahren in Abu Dhabi Geschäfte macht, kennt die Entstehungsgeschichte von Masdar City genau. „Es wird noch viele Jahre dauern, bis das Projekt Dimensionen annimmt“, sagt Bauer. Doch es sei eine tolle Philosophie.

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