VfB-Sieg beim SC Freiburg Magische Marke geknackt – Anton formuliert neues Saisonziel

Starker Auftritt in Freiburg: Deniz Undav, Maximilian Mittelstädt. In unserer Bildergalerie blicken wir auf die Partie zurück. Foto: Baumann

Nach dem 3:1 in Freiburg steht der VfB Stuttgart bei 40 Punkten. Kapitän Waldemar Anton formuliert erstmals internationale Ambitionen.

Sport: Gregor Preiß (gp)

Die 40-Punkte-Regel gehört zu den größeren Mysterien der Fußball-Bundesliga. Es ist nicht einmal bekannt, wer sie aufgestellt hat, doch bis heute hält sich der (Irr-)Glaube, erst mit 40 Punkten den Klassenverbleib sicher zu haben. Dabei waren 40 Punkte seit Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 1995 noch nie vonnöten. Gut, den Karlsruher SC erwischte es einmal mit 38 Punkten, aber die 40 sind ein sehr theoretischer Wert. Genauso wie die 58 Zähler, die rein mathematisch für den sicheren Nichtabstieg nötig sind.

 

Zahlenspalterei – und doch wurden am Samstagabend im Freiburger Stadion die ominösen 40 Punkte wieder einmal bemüht. Der VfB Stuttgart hatte sie mit dem 3:1(2:1)-Auswärtssieg beim SC Freiburg klargemacht, weshalb der Punktestand nach dem 20. Spieltag zum Gegenstand grundsätzlicher Diskussionen wurde.

Darüber, was der VfB in dieser Saison erreicht hat. Und darüber, wohin dieser wundersame Weg des Tabellen-Dritten aus Bad Cannstatt noch führt.

Trainer Sebastian Hoeneß tat dabei das, was er immer tat: Er hielt den Ball flach. „Wir gehen schwer davon aus, dass wir für die erste Liga planen können. Das zum jetzigen Zeitpunkt zu schaffen ist großartig, wichtig und überragend.“ Hoeneß erinnerte noch einmal an das ursprüngliche Saisonziel („Frühe Planungssicherheit“) und betonte zugleich, dass die Saison „nicht ansatzweise zu Ende“ sei. Umgekehrt könnte man auch sagen: Für den VfB Stuttgart geht sie jetzt erst richtig los!

Der Februar als Wegbereiter für neue Saisonziele

Nach der Pflicht kommt die Kür, beginnend mit dem Pokal-Viertelfinale am Dienstag (20.45 Uhr) bei Branchenprimus Bayer Leverkusen. Angesichts der verbliebenen Pokal-Konkurrenz mit zwei Zweitligisten stiegen die Chancen auf den großen Triumph mit einem Sieg in Leverkusen merklich. Nach dem überzeugenden Auftritt in Freiburg nach Toren von Deniz Undav (3.), Chris Führich (7.) und Maximilian Mittelstädt (74.) gehen die Stuttgarter mit breiter Brust in das Duell. „Wir haben viel Selbstvertrauen“, sagte Maximilian Mittelstädt. Was dieser mit seinem frechen Lupfer-Tor zum 3:1 demonstrierte. „Wir haben schon beim 1:1 in der Liga gezeigt, dass wir mit ihnen mithalten können.“ Und: „Im Pokal ist alles möglich.“

In der Liga ebenso. Mit den Rückkehrern von dem Afrika-Cup und den Asienmeisterschaften bekommt der VfB personelle Verstärkung. Die kommenden Duelle in der Bundesliga mit den Kellerkindern aus Mainz (Sonntag, 15.30 Uhr), Darmstadt und Köln könnten der Wegbereiter sein für neue Saisonziele.

„Lasst uns im März darüber reden“, wollte sich Sportdirektor Fabian Wohlgemuth nicht locken lassen. Kapitän Waldemar Anton ging unverblümter mit der neuen Erwartungshaltung um. „Wir haben 40 Punkte erreicht, was unser Ziel war. Wir spielen eine super Saison. Wir müssen den Weg weitergehen, weiter an uns arbeiten.“ Um dann auszusprechen, was die Fans schon lange denken und singen („Europapokal, ohohoho“): „Wir wollen natürlich international spielen.“

„Wir wollen natürlich international spielen“

Obwohl erstmals ausgesprochen, klang es keineswegs verwegen von Anton. Er wird die Aussicht auf Europapokalabende bei seiner Vertragsverlängerung im Hinterkopf gehabt haben. Angesichts der Selbstsicherheit und Dominanz, mit der die VfB-Profis in den letzten beiden Spielen aufgetreten sind, müssen sie die aktuell wenig angsteinflößende Konkurrenz nicht fürchten.

In Freiburg wurden die nächsten Bestmarken aufgestellt. Mit seinem 13. Treffer im 17. Bundesliga-Spiel egalisierte Undav den Startrekord eines gewissen Horst Hrubesch aus der Spielzeit 1975/76. Der 27-Jährige ist drauf und dran, seinen Stürmerkollegen Serhou Guirassy (fast) vergessen zu machen. Was viel heißen mag. Sein Treffer zum 1:0 war fast noch schöner als Mittelstädts Lupfer-Tor ins kurze Eck. Er kam dem perfekten Tor ziemlich nahe. Herausragend eingeleitet mit einem 40-Meter-Schnittstellenpass von Kapitän Anton (Undav: „Zehn von zehn Punkten“) benötigte Undav von der Annahme bis zum Abschluss drei Kontakte. Ein Tor zum Einrahmen; und eines, das dem Trainer besonders gut gefallen haben dürfte, wie Anton vermutete: „Das haben wir so trainiert.“

714 Abspiele: Die Stuttgarter Passmaschine ist nicht zu stoppen

Bis auf altbekannte Schwächen beim Verteidigen von Standards griff in Freiburg ein Rädchen ins andere. Die Stuttgarter Passmaschine (714 Abspiele) war nicht zu stoppen, allenfalls schlich sich nach der frühen Roten Karte (18.) für Merlin Röhl eine gewisse Sorglosigkeit ins Spiel. Unterm Strich war die Hoeneß-Elf dem SC Freiburg in allen Belangen überlegen. Und liegt nun bereits zwölf Punkte über dem Strich hinter Platz sechs, der am Ende die sichere Europa-Qualifikation bedeuten würde. Es ist die neue Stuttgarter Zielmarke – von 40 Punkten redet bald niemand mehr.

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