Ein Set aus weichem Kalbsleder gehört auch zur neuen Frühjahrs-/Sommerkollektion der angesagten Modemarke Stylein, die nun bei Breuninger erhältlich ist. Foto: Sarah Dulay (links)
Kein Firlefanz, dafür maximale Eleganz: Das schwedische Label Stylein zieht bei Breuninger ein. Gründerin Elin Alemdar über Komfort, „Grit“ und schwedische Designsprache.
Firlefanz sucht man in der Frühjahrs-/Sommerkollektion des schwedischen Modelabels Stylein vergeblich. Als CEO und Gründerin Elin Alemdar zum Launch ihrer Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Traditionshaus Breuninger dieser Tage in die Eduard’s Bar im Dorotheenquartier einlädt und ihre Kleidungsstücke präsentiert, dominieren vor allem monochrome natürliche Farben und Materialien.
Creme, warmes Braun, Graugrün, Karamell, dazu weiches Kalbsleder, Jeans, Wolle, Baumwolle und fließende Polyester-Mischgewebe. Das ist 2026, in denen an jeder Kleiderstange 50 shades of beige hängen, erst mal keine Innovation. Das Label, das Alemdar vor 25 Jahren gegründet hat, versteht sich aber insbesondere darauf, den Trend rund um natürliche Farben und Stoffe mit außergewöhnlichen Schnitten auf eine Art zu kombinieren, dass dabei Stücke und Sets entstehen, die gerade so einzigartig sind, dass man ein klein wenig auffällt, aber nicht zu sehr. Eyecatcher auf den zweiten Blick sozusagen, äußerst tragbar im Alltag, im Büro, zum Dinner, im Urlaub. Oder wie Designerin Elin Alemdar es im Gespräch beschreibt: „Ich versuche, verschiedene Inspirationsquellen sozusagen ins Schwedische zu übersetzen.“ Und minimalistisches Design, das nicht zu kühl ist, das können die Schweden bekanntermaßen.
Trotz klarer Linien und flächiger Farben bleibt das Feminine dabei nicht auf der Strecke. „Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Blazer wirkt angezogen durch die Betonung der Silhouette direkt ganz anders“, sagt die Designerin und Mutter und wirft sich eines ihrer meistverkauften Stücke über, das taillierte „Tyra Jacket“, um den Effekt zu demonstrieren. Die fließenden Stoffe, mit denen sie bei ihren Kleidern arbeitet, funktionieren enganliegend oder oversized-locker. Die Haptik des Materials ist aber stets angenehm weich. Denn hoch hält die Designerin bei ihrem Label auch das Thema Komfort. „Frauen müssen sich in meinen Kleidungsstücken wohlfühlen“, betont sie, „sie müssen sich gut auf der Haut anfühlen.“
Auch das Spiel mit unterschiedlichen Silhouetten wie Kastenformen und A-Linien gehört zur DNA von Stylein – und trifft den Zeitgeist. Davon zeugt der Erfolg, den das Modelabel seit seiner Pariser Fashion Show zur Herbstkollektion 2025 in den Medien und Sozialen Medien verzeichnet. Stylein gehöre zu den Marken, „die mit Passion, einer klaren Vision und qualitativen Stücken ein Vorbild sind und zeigen, dass hochwertige Produkte und Design aus weiblicher Hand gewiss nicht ausgedient haben“, schreibt das Modemagazin Harper’s Bazaar. Zu den Kooperationspartnern gehören neben Breuninger seit Kurzem auch das Berliner Traditionshaus KaDeWe. Der erste Flagship Store wurde im März vergangenen Jahres in Stockholm eröffnet.
Natürliche Farben allein machen das Herz der schwedischen Marke Stylein noch nicht aus. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf den gewitzten Schnitten. Foto: Sarah Dulay
Die harte Arbeit der ehemaligen rhythmischen Sportgymnastin zahlt sich aus. „Eines der wichtigsten Dinge, die ich in meinem Leben als Leistungssportlerin gelernt habe, ist, dass harte Arbeit, Fokus, Grit und Durchhaltevermögen Früchte tragen“, betont die Stylein-CEO. „Hinter mir steht aber noch ein tolles handverlesenes Team, der Erfolg ist nicht nur mein Verdienst“, fügt die Schwedin hinzu, die 2000 ihr Design Studium am Fashion Institute of Technology in New York abgebrochen hat. „Ich konnte es einfach nicht abwarten, mein eigenes Label zu gründen“, erklärt sie den Abgang.
Das New York der frühen Nullerjahre war für eine Jungunternehmerin dabei sicher kein einfaches Parkett. Überhaupt hat man es als weiblicher Designer in der Branche nicht leicht. „Aber ich habe das Talent, mich mit den guten und richtigen Menschen zu umgeben, die meine Vision verstehen“, erklärt Alemdar. Lange blieb die Unternehmerin nicht in den Staaten, nach den Ereignissen des 11. September zog es die Schwedin wieder zurück in ihre Heimat, wo die Marke seitdem auch beheimatet ist.
Skandi-Qualität vor Schnelligkeit: Die Schuh-Vision
Als Zukunftsprojekt steht für Elin Alemdar das Thema Schuhe an, aber gut Ding will Weile haben. „Ich habe einen großen Respekt vor dem Schuhhandwerk“, sagt die Designerin, die dabei nichts übers Knie brechen möchte. „Wenn das Schuhwerk nicht meinen Qualitätsansprüchen entspricht, kann ich es auch nicht auf den Markt bringen.“ Vorerst wird man sich also mit den Röcken, Oberteilen, Hosen und Kleidern begnügen müssen, die ab jetzt bei Breuninger in Store und online erhältlich sind. Das Sortiment wird im Juni mit neuen Sommerteilen auch nochmal aufgestockt werden.