InterviewScarlett Johansson Was Scarlett Johansson von den Kollegen Robert Redford und Liev Schreiber gelernt hat

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Apropos Woody Allen: welche Kollegen, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, haben Sie am meisten beeindruckt?
Woody war auf jeden Fall jemand, der für mich sehr wichtig war. Am meisten geprägt hat mich aber Robert Redford. Ich war zwölf Jahre alt, als ich mit ihm „Der Pferdeflüsterer“ gedreht habe. Von ihm habe ich gelernt, vor der Kamera natürlich und ganz im Moment zu sein. Hätte ich ihm nicht bei der Arbeit zusehen dürfen, wäre in mir vielleicht nie der Wunsch entstanden, die Schauspielerei wirklich zum Beruf zu machen. Später war dann auch Liev Schreiber sehr wichtig.
Mit dem standen Sie nie vor der Kamera, oder?
Aber am Broadway auf der Bühne. Unser Stück „A View From The Bridge“ war 2010 mein erstes Theaterstück als Erwachsene, und Liev hat mich nicht mit Samthandschuhen angefasst. Er war immer ehrlich, hat mich gefordert und mir beigebracht, dass man sich auf der Bühne auf nichts verlassen darf. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.
Sie standen 2013 abermals am Broadway auf der Bühne. Zieht es Sie wieder dahin zurück?
O ja. Es gibt nichts Besseres als das Theater. Für mich waren diese beiden Stücke die besten Jobs, die ich je hatte. Auf der Bühne kontrolliert man jeden Moment und ist komplett für seine Rolle und seine Leistung verantwortlich. Das ist eine unfassbar aufregende, wunderbare und anstrengende Erfahrung, bei der man sich jeden Abend hinterfragt und oft frustriert ist. Aber ich habe es mit jeder Faser meines Körpers geliebt.
Die Kritiken waren nicht immer nett. Verfolgen Sie, was die Presse über Sie schreibt?
Nein, da stecke ich meinen Kopf in den Sand. Und dass ich mich nicht auf Twitter, Facebook und Co. tummle, hilft natürlich. Ich liebe es, im Kino zu sitzen und mich von einem Film mitreißen zu lassen. Mein Traum ist es, dass mir das mit meinen Rollen auch immer wieder gelingt. Allerdings mache ich mir nicht die Illusion, dass ich jedem gefallen kann. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Und für jeden Arsch gibt es einen Sitz.
Wenn man sich Ihre Filme der letzten Jahre ansieht, von „Marvel’s The Avengers“ über „Her“ bis zu „Lucy“ , könnte man meinen, dass Sie ein Science-Fiction- und Fantasy-Fan sind.
Überhaupt nicht. Es gibt viele gute Science- Fiction-Geschichten, die mir gefallen. Aber dass ich eine besondere Schwäche für dieses Genre hätte, kann man nicht sagen. Dass ich so viele Filme gedreht habe, die man unter diesem Label zusammenfassen kann, ist für mich eher Zeichen eines Trends. Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Identität als Menschheit neu definieren müssen. Wir müssen unseren Platz finden und zusehen, dass wir mit all den Fortschritten klarkommen. Und diese Entwicklung schlägt sich natürlich in den Filmen nieder, die im Moment gedreht werden. Dass ich damit allerdings besonders viel Erfahrung habe, wurde mir erst wieder bewusst, als ich bei „Ghost In The Shell“ mit Juliette Binoche zusammengearbeitet habe. Für die war das alles total neu, die musste sich richtig hineinfuchsen in diesen Techie-Jargon. Willkommen in meiner Welt, habe ich dann immer gesagt! Denn ich erinnere mich kaum noch an Dreharbeiten, bei denen ich nicht mit futuristischem Vokabular um mich werfen musste.
Ein weiteres gemeinsames Element Ihrer Filme der letzten Jahre ist die Action. Ist der körper­liche Aspekt Ihrer Arbeit inzwischen Routine?
Sollte man meinen? Ich habe auf jeden Fall inzwischen reichlich Erfahrung, und das war bei „Ghost In The Shell“ Gold wert. Einfach weil ich nicht bei null anfangen musste. Wie etwa die Choreo­grafie von Kampfszenen funktioniert, das weiß ich inzwischen einfach. Und der Umgang mit Schusswaffen ist natürlich auch längst nichts Neues mehr.
Was liegt Ihnen denn gar nicht?
Wovor ich mich ewig gedrückt habe, war taktisches Training. Also zu lernen, wie man sich in einem Team bewegt und so weiter. Für „Ghost In The Shell“ stand es nun auf dem Programm. Es ist immer noch nicht meins, war aber nicht so schlimm wie befürchtet. Was ich allerdings nach wie vor einfach nicht leiden kann, ist dieses Hängen an Drahtseilen, was man für Schwebe-, Sprung- oder Sturzszenen machen muss. Furchtbar!




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