Schaben in Stuttgart Sind Kakerlaken auf dem Vormarsch?

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Eine ganze Nachbarschaft in Stuttgart hat immer wieder mit Kakerlaken zu kämpfen. Wie gefährlich sind diese Insekten? Und wie kann man einem Befall der Schaben vorbeugen?

Als Küchenschabe werden die Deutsche, Amerikanische oder Orientalische Schabe häufig bezeichnet. Diese Arten gelten als Schädlinge. Foto: dpa/
Als Küchenschabe werden die Deutsche, Amerikanische oder Orientalische Schabe häufig bezeichnet. Diese Arten gelten als Schädlinge. Foto: dpa/

Stuttgart - In mehreren Straßen im Stuttgarter Westen tauchen immer wieder Kakerlaken auf. Bislang ist unklar, woher die Schaben kommen – und wie die Nachbarschaft das Problem in den Griff bekommen kann. Tatsächlich tauchen Kakerlaken immer wieder in deutschen Haushalten auf. Wie gefährlich sie sind und wie Sie vorbeugen können: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Welche Kakerlaken gibt es hierzulande überhaupt?

Schaben – gemeinhin auch als Kakerlaken bezeichnet – stammen überwiegend aus tropischen Regionen. Weltweit gibt es um die 3500 Arten der Insekten. Ihnen gemein ist: Sie sind schnell, lichtscheu und daher nachtaktiv – und die meisten Arten fressen so ziemlich alles. Sie gelten als Schädlinge oder Ungeziefer, können etwa Keime oder Krankheitserreger übertragen. Doch selbst hierbei gibt es Unterschiede.

So hat sich in den vergangenen Jahren die Bernstein-Waldschabe auch in Deutschland verbreitet. Sie war eigentlich in Südeuropa heimisch, hat aber vor ein paar Jahren den Weg über die Alpen geschafft. Diese bernsteinfarbenen Insekten sind harmlos, fühlen sich in menschlichen Wohnungen nicht wohl, sind keine Vorratsschädlinge und überleben deshalb dort nicht lange.

Immer häufiger tauchen in Wohnungen und Häusern hierzulande aber auch die kleinere Deutsche Schabe, die rotbraune Amerikanische Schabe sowie die dunkle Orientalische Schabe auf. Diese Arten ernähren sich von Vorräten, Abfällen und Kot, werden deshalb auch häufig schlicht als Küchenschaben bezeichnet.

Woher kommen die Schaben – und werden es mehr?

Kakerlaken stammen ursprünglich aus tropischen Regionen – auch die Deutsche Schabe. „Durch Reisen und Warenverkehr haben sie sich aber verbreitet und kommen auch nach Deutschland“, sagt Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. Werden die Wege also globaler, gelangen häufiger auch kleine Tierchen hierher. Zwar gebe es Vorschriften zur Kontrolle und Behandlung von Containern, in denen Lebensmittel transportiert werden, doch nicht immer würden diese Vorschriften auch eingehalten. Dazu kommt: „Je wärmer es ist, desto leichter vermehren sich solche Insekten“, sagt Rainer Oehme.

So konnte man in Baden-Württemberg im vergangenen Herbst zum Beispiel verstärkt Bernsteinschaben oder Wanzen wie die marmorierte Baumwanze oder Stinkwanzen in Wohnungen und Häusern beobachten. Im warmen Sommer 2018 hätten diese sich zahlreich fortgepflanzt, heißt es vom Naturschutzbund (Nabu). Wird es kühler, suchen die Insekten warme Orte, im Herbst auch zum Überwintern, und kommen in die Wohnungen. Das könnte auch in diesem Jahr wieder gelten.

Wie gelangen Kakerlaken ins Haus oder können sich in der Nachbarschaft verbreiten?

Gelangen Schaben über Reisegepäck oder Lebensmittellieferungen einmal in ein Gebäude, breiten sie sich von dort aus weiter aus. „Über Rohre oder die Kanalisation gelangen die Insekten von einem Haus zum nächsten“, sagt Experte Rainer Oehme. In Vierteln wie jenem im Stuttgarter Westen seien Versorgungsschächte ein Einfallstor. Einmal im Gebäude, sei es kaum möglich, die Tiere wieder loszuwerden. Tagsüber verstecken sich die lichtscheuen Schaben in Ritzen, hinter Leisten oder Schränken, in Kellern oder Schächten. Dort überwintern sie auch – und vermehren sich wieder, wenn es wärmer wird.

So ist das wohl auch im Stuttgarter Westen: Dort tauchen in einem Wohnviertel immer wieder schwarze, große Schaben auf – mutmaßlich Orientalische Schaben. Menschen aus der Nachbarschaft berichten, dass dies nun seit etwa zwei Jahren zunehmend zum Problem werde. In diesem Frühsommer sei es besonders extrem. Das städtische Ordnungsamt vermutet, dass die Tiere sich vor allem in Verteilerkästen und unter Hausfassaden verstecken. Die Anwohner dagegen vermuten, dass es nicht an einem einzelnen Haus liege, sondern dass sich die Kakerlaken sich im Untergrund vermehren.

Sind diese Insekten gefährlich?

Schaben werden häufig als Gesundheitsschädlinge bezeichnet. Sie können Keime, Parasiten oder Erreger verbreiten – zum Beispiel Salmonellen. Das kann passieren, weil die Tiere an Abfälle, Tierfutter und Kot gehen. „Im häuslichen Umfeld sind Schaben aber vor allem lästig“, sagt Biologe Rainer Oehme. Selbst wenn sie Bakterien, Pilzsporen oder Erreger weitertragen, sei das für gesunde Menschen eigentlich unbedenklich. Eine Infektionsgefahr bestehe in Stuttgart deshalb nicht. Gesundheitlich problematisch werde es nur dann, wenn sich Kakerlaken beispielsweise in Altenheimen oder Krankenhäusern verbreiten würden, wo immungeschwächte Menschen sind. Oder wenn die Insekten in lebensmittelverarbeitende Betriebe gelangen.

Ob man sich ernsthaft Sorgen machen muss, hängt aber auch von der Art der Schaben ab, die man in der Wohnung entdeckt. So sind Bernsteinschaben etwa völlig harmlos, gehen nicht an menschliche Abfälle oder Vorräte, sondern ernähren sich von Laub und verrottenden Pflanzen. Die anderen hier gängigen Arten befallen aber mitunter Lebensmittelvorräte oder Abfallbehälter.

Wie kann man verhindern, dass die Schädlinge in die Wohnung kommen?

Schaben mögen Orte, die warm und dunkel sind – und an denen es Nahrung gibt. Das Umweltbundesamt und der Naturschutzbund raten deshalb dazu, Lebensmittel gut verschlossen zu lagern und Müll und Nahrungsreste schnell und regelmäßig aus der Wohnung zu bringen. Auch andere, einfache Hygienegrundsätze sollten gut eingehalten werden. Mitunter kann es helfen, regelmäßig zu lüften. Schaben mögen es gerne feucht und vertragen keinen Luftzug.

Wer Lebensmittel in Kisten kauft oder Gepäck von einer Reise ins südliche Ausland mitbringt, sollte sorgsam prüfen, ob sich irgendwo Schaben versteckt haben. Zudem kann es helfen, die Wohnung auf undichte Stellen hin zu untersuchen und offene Ritzen und Fugen abzudichten.

Was tun, wenn sie einmal da sind?

Zu erst einmal sollte man prüfen, um welche Insekten es sich genau handelt. Die harmlose Bernstein-Waldschabe beispielsweise ist hellbraun, kann gut fliegen und ist mit bis zu 14 Millimetern eher klein. Ähnlich sieht ihr die Deutsche Schabe, die bis zu 16 Millimeter lang wird und auch braun ist. Allerdings hat sie im Unterschied zur harmlosen Bernsteinschabe dunkle Streifen am sogenannten Halsschilde. Die Orientalische Schabe dagegen wird bis zu 30 Millimeter lang, ist dunkelbraun bis schwarz, kann nicht fliegen und nur schlecht klettern. Amerikanische Schaben sind rotbraun und werden sogar bis zu 44 Millimeter lang. Sie bevorzugen eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und können bei hohen Temperaturen auch fliegen.

Der Naturschutzbund empfiehlt, bei einem Befall der Wohnung mit Schädlingen – also der Deutschen, Orientalischen oder Amerikanischen Schabe – die Tiere, ihre Eier und Häutungsreste aufzusagen und zu entsorgen. Wer die Schaben zertritt, läuft Gefahr, die Eier der Insekten über die Schuhe weiterzutragen. Anschließend empfiehlt es sich laut Nabu, die befallenen Stellen mit Allzweckreiniger zu säubern und befallene Lebensmittel zu entsorgen.

„Wenn die Insekten einmal anfangen, es sich in der Wohnung gemütlich zu machen, wird man sie nur schwer wieder los“, sagt Rainer Oehme. Trifft man Kakerlaken auch tagsüber an, liege ein starker Befall vor, heißt es vom Nabu: Dann müssten unbedingt sachkundige Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden.

Wer ist im Stuttgarter Westen nun für das Problem zuständig?

Rainer Oehme schätzt den Befall in dem Straßenzug im Stuttgarter Westen als äußerst problematisch ein. „Das scheint schon länger zu bestehen, die Tiere haben überwintert und vermehren sich jetzt wieder“, sagt er. Daher helfe dort nur eine professionelle Schädlingsbekämpfung. „Dafür müsste sich aber der ganze Straßenzug zusammentun“, sagt Oehme. Werden die Insekten in einer Wohnung bekämpft, können sie sonst von einem anderen Gebäude aus wieder zurückkommen.

Vonseiten der Stadt haben sich bereits mehrere Ämter mit dem Problem befasst. Zunächst schien unklar, wo genau die Zuständigkeiten liegen: Sind die Verstecke der Kakerlaken etwa in Verteilerkästen und unter Hausfassaden, wären die Hauseigentümer selbst gefragt, etwas zu unternehmen.

Eine Stadtsprecherin bestätigt nun aber, dass sich das Tiefbauamt der Beschwerden angenommen habe – und einem Hinweis auf verstopfte Straßenabläufe nachgegangen sei. „Zwölf dieser Straßenabläufe wurden daher vergangene Woche professionell gereinigt“, sagt eine Stadtsprecherin. Außerdem solle ein Kammerjäger eingeschaltet werden.