Schach-Asse in S-Süd Stuttgarter Prinzen im Spiel der Könige

Von Benjamin Schieler 

Ein Schulschach-Quintett des Karls-Gymnasiums trumpft bei der Deutschen Meisterschaft auf. Eigentlich nur als 13. von 18 in der Startrangliste gesetzt, verblüfften sie etliche Konkurrenten und wurden Vierter.

Auch beim Blitzschach ist eine absolute Konzentration wichtig: Erik Jenner, Rafael Albert und Egmont Wittenberger (links, von vorne nach hinten) fordern Tobias Schmidt, Christian Solomon und Jonathan Paulsen heraus. Foto: Benjamin Schieler
Auch beim Blitzschach ist eine absolute Konzentration wichtig: Erik Jenner, Rafael Albert und Egmont Wittenberger (links, von vorne nach hinten) fordern Tobias Schmidt, Christian Solomon und Jonathan Paulsen heraus. Foto: Benjamin Schieler

S-Süd - Im Gespräch wirken Tobias Schmidt, Jonathan Paulsen, Rafael Albert, Erik Jenner und Christian Solomon zurückhaltend, alles andere als aufbrausend oder extrovertiert. Doch wehe wenn sie losgelassen – dann wird ausgeteilt, gibt es kein Halten mehr, pfeifen süffisante Kommentare und kleine Spitzen wie Pfeile von einer Seite zur anderen. „Sobald ein Brett und Figuren auf dem Tisch stehen, sprühen die Jungs vor Gedankenblitzen und Energie“, sagt Egmont Wittenberger.

Vierter Platz bei der Deutschen Schulschachmeisterschaft

Der Leiter der DJK Schulschach Stuttgart muss das wissen. Er betreut das Quintett aus der 9b des Karls-Gymnasiums seit der fünften Klasse. Im Spiel der Könige sind die 14- und 15-Jährigen spätestens seit der Deutschen Schulschachmeisterschaft 2014 in Bad Homburg kleine Prinzen. Eigentlich nur als 13. von 18 in der Startrangliste gesetzt, verblüfften sie etliche Konkurrenten und wurden Vierter.

Das Karls-Gymnasium hat im Schach schon einige Erfolge erzielt. Wer durch das Hauptportal geht, kommt unweigerlich auf eine Vitrine zu, in der die Pokale stehen, die dort noch Platz gefunden haben. „Einige mussten wir schon auslagern“, verrät Wittenberger schmunzelnd. Doch ein vierter Platz bei einer Deutschen Schulschachmeisterschaft ist eine besondere Hausnummer. „Wir hätten das selbst niemals erwartet“, sagt Rafael Albert.

Die Nachfrage wächst schneller als neue Trainer

Ein überragendes Turnier spielte vor allem Erik Jenner am vierten Brett. Sechs der rund zweistündigen Partien an den drei Tagen gewann er, in der siebten holte er ein Remis. „Ich habe mich in letzter Zeit ziemlich verbessert und war gut in Form. Vielleicht hat mich der eine oder andere unterschätzt“, sagt er. Aber auch seine Teamkollegen bewiesen geistige Fitness und einen kühlen Kopf. Christian Solomon, der als fünfter Mann mitfuhr, gewann das parallel laufende Ersatzspielerturnier. „Das musst du auch erst einmal schaffen“, sagt der Trainer Wittenberger.

Er fühlt sich dem Schulschach seit langem verpflichtet – nicht nur, weil er seinen Sport liebt, sondern weil er an die teilweise wissenschaftlich untermauerten positiven Effekte des Schachs glaubt. Das Schach diene vor allem dem logischen Denken. „Wenn du eine Spielstellung erfasst und zerlegst und dir die nächsten Schritte überlegst, ist das ein gutes Gehirntraining“, sagt Wittenberger. In dem 2011 aus den Schachabteilungen des DJK Sportbund und des DJK Stuttgart-Süd erwachsenen Schulschachverein unterrichten inzwischen fünf Trainer an 14 städtischen Schulen etwa 300 bis 350 Kinder und Jugendliche. Die besten treffen freitags im Karls-Gymnasium aufeinander. Die Nachfrage nach dem Angebot steigt vor allem bei den weiterführenden Schulen – so stark, dass Wittenbergers Team sie gar nicht erfüllen kann. „Die Trainer wachsen nicht schnell genug nach.“

Die einstigen Vorbilder sind keine Herausforderung mehr

Möglicherweise können die Karls-Gymnasiasten diese Aufgabe bald erfüllen. Sie sind Schachverrückte im positiven Sinn. „Wenn ich zwischendurch 20 Minuten Zeit habe, spiele oder trainiere ich“, sagt Jonathan Paulsen. Tobias Schmidt betreibt Schach sogar als Leistungssport. In diesem Jahr ist er Württembergischer Meister geworden, seine die Spielstärke widerspiegelende Wertungszahl liegt bei bemerkenswerten 2075. „Schach ist der einzige Sport, bei dem du als Achtjähriger so gut sein kannst wie ein Erwachsener“, sagt er.

Die Männer, die den Jungs das Spiel einst nahebrachten, mussten das am eigenen Leib erfahren. Stellvertretend für seine Teamkollegen sagt Erik Jenner augenzwinkernd: „Mein Vater und mein Bruder sind keine wirkliche Herausforderung mehr.“

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