Schach Der Feldherr und seine Soldaten

Von Luca Kraus 

Im Eltinger Rathaus treffen sich zum Turnier um den Engelbergpokal Schachfans, die die asiatische Variante des Spiels, Xiangqi, bevorzugen. Pu Fangyao aus Essen gewinnt.

Xiangqi: So wird vornehmlich in Ostasien Schach gespielt. Foto: Andreas Gorr
Xiangqi: So wird vornehmlich in Ostasien Schach gespielt. Foto: Andreas Gorr

Leonbnerg - Auf den ersten Blick sieht beim Wettkampf um den Engelbergpokal im Eltinger Rathaus alles nach einem gewöhnlichen Schachturnier aus. 20 Teilnehmer aus ganz Deutschland, darunter drei Frauen, kämpfen an ihren Tischen um Punkte. Jeder Spielzug muss gut durchdacht sein. Die Spieler feilen lange an ihren Strategien, um den Gegner möglichst schnell matt zu setzen.

Als der Entschluss feststeht, die Figur zu bewegen, bemerkt der Zuschauer, dass irgendetwas anders als gewöhnlich ist. Das Spielfeld hat keine 64 schwarz-weiß karierten Felder, es fehlen die hohen Figuren. Stattdessen ist das Spielfeld in weiß mit schwarzen Linien gehalten. Wo diese sich kreuzen, befinden sich nicht etwa ein Springer oder ein Bauer, sondern flache, runde Steine mit chinesischen Schriftzeichen. Statt des Königs gibt es einen Feldherrn, die Bauern sind Soldaten.

Die Akteure spielen nicht das bei uns bekannte „westliche Schach“ sondern die chinesische Variante „Xiangqi“, was übersetzt Elefantenspiel heißt. In dieser Variante ist das kriegerische Element nicht nur durch die Namen der Figuren deutlich ausgeprägter, sondern auch in der Art des Spielens. Beiden Typen liegt das Urschach zugrunde, das sich vom Herkunftsland Indien über Persien nach Europa (westliches Schach) beziehungsweise in die andere Richtung nach China und Ostasien verbreitete (unter anderem Xiangqi).

Die Unterschiede sind dennoch grundlegend. Die Felder beider Spieler trennt ein Fluss, den nur bestimmte Figuren überqueren dürfen. Der Feldherr und seine beiden Leibwächter dürfen ihren Palast (mehrere Felder am hinteren zentralen Ende des Spielfeldes) nicht verlassen. Hinzu kommt die Kanone, die eine andere Figur als Brücke zum Schlagen braucht.

„Das Xiangqi ist schneller und dynamischer. Durch die in der Startformation gegebenen Lücken zwischen den Figuren entfällt die lange Aufbauphase. Man kann direkt auf Angriff gehen“, erklärt Martin Berger, der die chinesische Variante Anfang 2012 beim Schachverein Leonberg etabliert hat. „Man bekommt dadurch neue Ideen und Taktiken, die man auch im westlichen Schach umsetzen kann“, sagt er. Die Inspiration scheint geholfen zu haben. Die erste Mannschaft hat in der Variante westliches Schach in der abgelaufenen Saison den Durchmarsch in die Verbandsliga Württemberg geschafft und auch noch mit der Titelverteidigung im Bezirkspokalwettbewerb eins drauf gesetzt.

In der chinesischen Variante gibt es keine Ligaspiele. Aus Mangel an Gegnern absolvieren viele Spieler Partien im Internet. Denn in ganz Deutschland finden sich nur rund 60 Xiangqi-Spieler, die Hälfte sind hier lebende Chinesen. Im Raum Stuttgart betreut Berger 14 Akteure, die dienstags im Thai Chi Restaurant in Stuttgart trainieren. Die Leonberger Abteilung hat vier bis fünf Spieler, die regelmäßig mit Feldherr, Leibwächter und Kanone taktieren.

Das Turnier in Eltingen gewann der amtierende Deutsche Meister Pu Fangyao aus Essen, knapp vor Xue Zhong aus München. Als bester nichtasiatischer Spieler kam der mehrfache deutsche Titelträger, Michael Nägler aus Lingen, auf Platz 3. Bester Spieler vom Leonberger Schachverein wurde Bernhard Böhmler als Achter. In der letzten Runde erreichte er gegen die Meisterspielerin Wu Caifang aus Berlin ein Remis.