Schadstoffe in Kräutermischungen Sind Billig-Tees mehr belastet?

Von wa 

Laut einem TV-Verbrauchermagazin sind Kräutertees mit Schadstoffen belastet. Wir erklären, ob Preis und Marke eine Rolle spielen und ob Bio-Tees die bessere Wahl sind.

In Kräutertees finden sich häufiger Pflanzengifte als in anderen Sorten. Foto: Ronnefeldt
In Kräutertees finden sich häufiger Pflanzengifte als in anderen Sorten. Foto: Ronnefeldt

Hamburg - Verschiedene Kräuter- und Kamillentees namhafter Hersteller sind offenbar mit Pflanzengiften verunreinigt. Einige Belastungen stufen Experten als gesundheitlich bedenklich ein, wie das NDR Verbrauchermagazin „Markt“ mitteilte. Demnach wurden in sechs von dreizehn gängigen Kräuter- und Kamillentees aus Supermärkten und Discountern sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt. Diese Pflanzengifte können zu Leberschäden und Krebs führen. Betroffen waren unter anderem Pfefferminztee der Eigenmarke Ja! von Rewe, die Kräuterteemischung von Edeka und zu einem geringen Maße Westminster Pfefferminztee von Aldi und Kräutertee der Marke Meßmer. Was Teetrinker nun wissen sollten:

Sind die schadstoffbelasteten Tees Einzelfälle?
Verunreinigungen mit PA sind ein häufiges Problem bei Kräutertees. Immer wieder werden in Stichproben Pyrrolizidinalkaloide entdeckt. Zuletzt in einem Test der Stiftung Warentest im März 2017: Dort wurden in jedem dritten der insgesamt 64 geprüften Kamillen-, Kräuter- und Pfefferminztees diese Schadstoffe gefunden. Der Preis spielte dabei keine Rolle: So wurde im Markenprodukt Kusmi Tea Kamille, der von der Firma Orientes mit Sitz in Baden-Württemberg vertrieben wird, ein so hoher PA-Wert nachgewiesen, dass die Firma alle Packungen dieser Charge vom Markt genommen hat. Auch der Ökolandbau schützt vor PA-Verunreinigungen nicht, so die Warentester. Denn auch in Bio-Tees wurden die Schadstoffe nachgewiesen.
Was sind Pyrrolizidinalkaloide ?
Bei diesen Schadstoffen handelt es sich um natürliche Pflanzengifte, die vor Fraßfeinden schützen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind etwa 500 PA bekannt, die von rund 6000 Pflanzenspezies gebildet werden können.
Wie gelangen die Schadstoffe in den Tee?
PA gelangen versehentlich durch mitgeerntete Wildkräuter in den Tee. In Kräutertees finden sich häufiger PA als in anderen Sorten. Das habe laut Warentest botanische Gründe: So ähneln sich etwa die Blütenköpfe von Kamille und Greiskraut, einem PA-haltigen Wildkraut.
Gefährden belastete Tees die Gesundheit?
Edmund Maser vom Institut für Toxikologie der Universität Kiel hält PA-belastete Tees für bedenklich: „Es besteht die Möglichkeit, dass geringste Mengen ausreichen, um Krebs zu verursachen“, sagte er gegenüber dem NDR. Problematisch ist, dass es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert gibt. Das BfR hat lediglich eine Höchstaufnahmemenge errechnet: Diese liegt bei einem 70 Kilogramm schweren Erwachsenen bei 0,49 Mikrogramm pro Tag. Nach den Ergebnissen des Senders ist diese schnell erreicht: Teils waren in den Tees Werte von bis zu 0,67 Mikrogramm PA pro Tasse enthalten.
Wie sollten sich Verbraucher nun verhalten?
Grundsätzlich raten Experten, abwechslungsreich und nicht nur Tees von bestimmten Sorten zu trinken. Eine akute Gefährdung der Gesundheit ist laut BfR bei einer geringen und kurzfristigen Aufnahme selbst von Teesorten mit einem hohen PA-Gehalt unwahrscheinlich. Allerdings kann für Vieltrinker, die mehr als drei Tassen Kräutertee pro Tag trinken, ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden.
Was können Hersteller unternehmen?
In dem Beitrag des NDR verwiesen einige Hersteller auf den fehlenden gesetzlichen Grenzwert, andere teilten mit, sie verfolgten bereits ein Minimierungskonzept bei ihren Tees. Laut dem Deutschen Teeverband wird seit 2013 eine vom BfR entwickelte Analysemethode angewandt, um PA-Spuren nachzuweisen. „Die Teeunternehmen kontrollieren systematisch Muster, Rohwaren und fertige Tees auf PA“, heißt es. „Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass die PA-Gehalte deutlich gesenkt werden konnten.“
Reichen die Bemühungen aus?
Laut der Verbraucherzentrale Hamburg sind die Bemühungen noch zu lax: „Viele Tees bestehen aus unterschiedlichen Mischungen, die weltweit von verschiedenen Anbietern eingekauft und dann zusammengemischt werden“, so die Verbraucherschützer. Sie fordern daher einiger Zeit, dass auf den Verpackungen eindeutige Warnhinweise zu Verzehr­empfehlungen und Risikogruppen vorgeschrieben werden. Auch bräuchte es einen Grenzwert, um stark belastete Ware aus dem Verkehr zu ziehen. Auch das BfR verlangt in einem Papier von 2017 mehr Kontrolle: Die PA-Gehalte von Kräutertee- und Teechargen sollten vor der Vermarktung kontrolliert werden.