Schadstoffe in Lebensmitteln Frischer Fisch ist nicht immer gesund

Von zit 

Nach Pestizid- und Antibiotika-Funden stellen sich die Fragen: Wie kommen die Schadstoffe in Lachs, Garnele und Co. und welche Meerestiere darf man überhaupt noch guten Gewissens essen?

Pestizide in Zuchtfischen sind nicht selten: Sie gelangen über das Fischfutter in die Tiere. Foto: Fotolia/ ©  HLPhoto
Pestizide in Zuchtfischen sind nicht selten: Sie gelangen über das Fischfutter in die Tiere. Foto: Fotolia/ © HLPhoto

Hamburg - Der Appetit auf Fisch von Menschen in Industrieländern könnte nach einer Studie Hungerkrisen in ärmeren Weltregionen auslösen. Die Umweltorganisation WWF, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hat, ruft deshalb zu besserem Fischerei-Management und gerechterer Verteilung auf. Andernfalls könnten sich Millionen Menschen auf der Südhalbkugel, etwa im Senegal oder in Indonesien, 2050 den Fisch als Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, warnen die Autoren des am Mittwoch veröffentlichten Berichts „Überfischt und unterversorgt“. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit von Armut und Hunger in den betroffenen Ländern. Als gefährdet sieht die Studie vor allem Länder, in denen die Abhängigkeit von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle besonders groß ist.

In 80 Prozent der getesteten Fisch-Produkte fanden sich Pestizide

Und auch aus anderen Gründen zeigt sich, dass Fisch und Meeresfrüchte nicht bedenkenlos gekauft werden sollten: So hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace nun große Mengen des Pestizids Ethoxyquin darin gefunden. Die Tester der Umweltorganisation haben 54 Fischprodukte auf Ethoxyquin untersuchen lassen. Das Pestizid ist seit 2011 für den Pflanzenschutz verboten, darf also nicht mehr im Ackerbau eingesetzt werden. Doch in der Fischwirtschaft kommt es offenbar immer noch zum Einsatz. Denn die Tester fanden Ethoxyquin in 45 der getesteten Stichproben, also in mehr als 80 Prozent. In 32 Fällen lagen die Werte oberhalb der 50 Mikrogramm pro Kilo, die für Fleisch als Höchstmenge zugelassen sind. Spitzenreiter war mit 881 Mikrogramm ein Stremellachs aus Norwegen, den die Tester bei Real gekauft hatten.

Die Antwort, wie solche Mengen eines Pflanzengifts in einen Fisch gelangen, weiß Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace: „Vor den Küsten Südamerikas werden jährlich bis zu fünf Millionen Tonnen Anchovis gefangen, um sie zu Fischmehl zu verarbeiten.“ Der größte Teil davon geht als Futter zu Fischfarmen überall auf der Welt.

Das Pestizid Ethoxyquin kann Allergien auslösen – das zeigten Tierversuche

Die damit verbundenen Transport- und Lagerzeiten übersteht das Mehl nur, indem man es konserviert und mit antioxidativen Substanzen behandelt. „Dazu wird Ethoxyquin eingesetzt.“ Welche Wirkung das Pestizid im Menschen hat, ist bisher unbekannt. In Tierversuchen weiß man aber von Allergien und Fellveränderungen. Auch Störungen an Nieren, Leber, Schilddrüse und Geschlechtsorganen wurden beobachtet. Wissenschaftler und der Bundesverband des Lebensmitteleinzelhandels fordern daher, den Einsatz von Ethoxyquin streng zu regulieren. Bislang ohne Erfolg: Während das Gift im Pflanzenschutz komplett verboten ist, gibt es in der Fischproduktion noch nicht einmal Grenzwerte. Auch Bio-Fischfarmen bieten keine hundertprozentige Sicherheit.

So zeigten sie in der Greenpeace-Analyse zwar deutlich niedrigere Belastungen, doch es gab auch einen Ausreißer: Ein Tiefkühl-Lachs der Edeka-Hausmarke enthielt 155 Mikrogramm Ethoxyquin, also mehr als das Dreifache der in Fleisch erlaubten Menge. Maack vermutet, dass diese Mengen nicht durch das Futter selbst in den Fisch gelangen, sondern durch Farbstoffe, die ihm nachträglich zugesetzt werden, damit der Lachs die rote Farbe erhält. Das Problem dieser Zusätze ist jedoch, dass sie anfällig für Oxidationen sind – weshalb wieder Ethoxyquin als preiswertes Antioxidans eingesetzt wird.

Die Mengen von Antibiotika sind nicht bedenklich, aber sie führen zu Resistenzen

Substanzen, die ebenfalls immer wieder in Fischen gefunden wird, sind Antibiotika. In norwegischen Aquakulturen wird zwar schon weitgehend auf diese Medikamente verzichtet, in der chilenischen Fischzucht und auch in Asien gehören sie noch zum Standard. Das ist gefährlich: Denn die wissenschaftliche Datenlage zeigt, dass es nur geringe Mengen dieser Antibiotika braucht, um Resistenzen aufzubauen.

Einen Einkaufsführer, in dem unbelastete, nicht von Überfischung bedrohte Fischsorten gelistet sind, gibt es sowohl bei Greenpeace als auch bei WWF im Internet: greenpeace.de/fischratgeber; wwf.de.

Hier geht es zu unserer Multimedia-Reportage über die Fischer vom Bodensee.