Schadstoffe in Stuttgart Stickstoffdioxidwerte sind viel zu hoch

Die Werte beim Stickstoffdioxid in Stuttgart und der Region sind viel zu hoch. Foto: dpa
Die Werte beim Stickstoffdioxid in Stuttgart und der Region sind viel zu hoch. Foto: dpa

Das Neckartor war auch 2015 die schmutzigste Kreuzung Deutschlands: Dort wurde ein Mittelwert von 87 Mikrogramm Stickstoffdioxid je Kubikmeter Luft gemessen. Auch in vielen anderen Städten im Land liegen die Werte über dem Limit.

Stuttgart - Das Neckartor ist auch im vergangenen Jahr seinem Ruf als schmutzigste Kreuzung Deutschlands gerecht geworden: Dort wurde 2015 nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt und Messungen (LUBW) ein Jahresmittelwert von 87 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) je Kubikmeter Luft gemessen. Dieser laut Umweltbundesamt (UBA) höchste Jahreswert für NO2 in Deutschland überschreitet den Grenzwert von 40 Mikrogramm um mehr als das Doppelte.

Mit 77 und 62 Mikrogramm sind zwei weitere NO2-Jahreswerte an der Hohenheimer Straße und am Arnulf-Klett-Platz ebenfalls erheblich zu hoch. Doch damit noch nicht genug: Auch der Ein-Stunden-Wert für NO2 von 200 Mikrogramm lag vergangenes Jahr am Neckartor 51 mal über dem gesetzlichen Limit. Zulässig sind nur 18 Überschreitungen. Auch beim Feinstaub befand sich die Messstation Neckartor 2015 mit 72 Tagen über dem Limit (zulässig sind 35 Tage) bundesweit an der Spitze.

Viele Städte im Land stark belastet

Die Messdaten von LUBW und UBA zeigen aber auch auf, dass die Luft in vielen Städten nach wie vor zu stark mit Stickstoffdioxid belastet ist. Das gilt vor allem für die wirtschaftlich starke und dicht besiedelte Metropolregion zwischen Heilbronn und Reutlingen: Außer in Stuttgart sind die NO2-Schwaden unter anderem auch in Reutlingen mit 70 Mikrogramm, Heilbronn (64), Ludwigsburg (58), Mühlacker (54), Herrenberg (52), Pleidelsheim (49), Leonberg (47), Tübingen (45) und Markgröningen mit 44 Mikrogramm viel zu dick (siehe Tabelle).

Experten sind der Ansicht, dass die Stickstoffdioxidbelastung ohne restriktive Maßnahmen kaum zurückgeht. „Ohne Eingriffe in den Verkehr sind die NO2-Werte nicht zu senken“, sagt Ulrich Reuter, Leiter der Abteilung Klimatologie im Umweltamt. Die Stickstoffdioxidbelastung verharre seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. „2013 betrug der Jahresmittelwert am Neckartor 89, ein Jahr später 88 Mikrogramm.“ Auch in der Hohenheimer Straße sei die Konzentration seit 2013 nur um drei Mikrogramm zurückgegangen.

Bundesumweltamt befürchtet Gesundheitsschäden

Auch beim Umweltbundesamt wird die Schadstofflage deutlich kommentiert: „Die Kommunen müssen Maßnahmen ergreifen, um die Stickstoffdioxid-Belastung in den Innenstädten schnellstmöglich zu reduzieren“, sagt die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Dieselfahrzeuge müssten schrittweise aus den Innenstädten verschwinden, Umweltzonen sollten ausgeweitet werden. „Stickstoffdioxid kann insbesondere in Kombination mit Feinstaub zu Gesundheitsschäden an Atemwegen sowie am Herz- und Kreislaufsystem führen“, so Krautzberger. Deshalb sollten auch die Feinstaubemissionen weiter verringert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle eine deutlich niedrigere Schwelle. Laut WHO solle der Tageswert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft nicht öfter als an drei Tagen im Jahr überschritten werden.

Hohe Feinstaubwerte in Esslingen

Dass hohe Schadstoffwerte keineswegs auf die Landeshauptstadt beschränkt sind, zeigt sich aktuell im benachbarten Esslingen: Dort wurden an der neuen Messstation Grabbrunnenstraße am Innenstadtring von Anfang Januar bis zum 9. Februar bereits neun über dem gesetzlichen Limit liegende Feinstaubwerte gemessen – und damit genauso viele Überschreitungen wie am Stuttgarter Neckartor. „Wir beobachten die Situation an der neuen Messstation sehr genau“, sagt Roland Carpentier, Sprecher der Stadt Esslingen. Die Stadt habe dafür geworben, eine Messeinrichtung zu bekommen, um die Luftbelastung besser einschätzen zu können. Die bisherige Bilanz sei überraschend hoch, räumt Carpentier ein. Allerdings gebe es nach einigen Wochen Betrieb noch keine stabile Datenbasis. „Wir stehen aber in engem Kontakt mit dem Regierungspräsidium.“




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