Eine tote Hornisse im Reagenzglas, leblose Kartoffelkäfer, Motten und Rossameisen in Gläsern sowie leere Nester von diversen Wespenarten: Manchen wird’s jucken beim Betreten der Firma Burkhardt. Für den Inhaber Stephan Burkhardt ist das alles jedoch Anschauungsmaterial – und sein tägliches Geschäft. Der 42-Jährige ist gelernter Schädlingsbekämpfer und führt seit elf Jahren seine Firma im Wohngebiet von Oberaichen sowie eine Außenstelle in Stuttgart-Süd. Ihn und sein Team rufen Menschen an, wenn sie unliebsame Mitbewohner loswerden wollen – vom Maulwurf über die Taube bis hin zum Silberfischchen. „Alles, was kreucht und fleucht“, sagt er. Der Bedarf ist hoch. Von rund 6000 Einsätzen pro Jahr berichtet er, das Zentrum liege auf den Fildern und in Stuttgart.
Ob Baden-Württemberg wirklich ein Wespenland ist? Stephan Burkhardt bezweifelt, dass es hierzulande schlimmer ist als anderswo. „Ich glaube, es schenkt sich nicht viel“, sagt er. Tatsächlich führen in seiner Firma die Einsätze wegen Ratten und Mäusen ganzjährig die Hitliste an, auf Platz zwei kommen Schaben als „ganz großes Thema“ und dann erst die Wespen. Vieles wäre in seinen Augen vermeidbar. Müll sei ein großes Problem und ziehe Schadnager an, ebenso Essensreste, die im Klo heruntergespült werden. „Das machen immer noch viele Leute“, sagt Stephan Burkhardt.
Je nach Einsatz haben er und seine Mitarbeitenden verschiedene Herangehensweisen. Bienen und Hornissen etwa werden umgesiedelt, Tauben oft vergrämt.
Bei Waschbären – laut Stephan Burkhardt stark im Kommen auf der Filderebene – oder Mardern rund ums Haus wird mit dem zuständigen Stadtjäger kooperiert. Bei den meisten Insekten wiederum kommt Gift zum Einsatz. Bei Schaben etwa. Die gibt es laut Stephan Burkhardt mittlerweile bei uns in allen möglichen Varianten. Selbst die große Orientalische Schabe lebe in der Kanalisation. „Die ist eingeschleppt worden und hat sich bei uns etabliert“, sagt er. Auch Bettwanzen seien Mitbringsel. Während der Experte etwa um die Jahrtausendwende herum recht wenig mit ihnen zu tun gehabt habe, sei das Vorkommen bis vor Corona massiv angestiegen. „Das kommt definitiv durch die Globalisierung und die Reisebereitschaft“, erklärt er. Bisweilen bekomme er Koffer direkt vom Flughafen geliefert. Die würden dann 24 Stunden lang auf 55 Grad erwärmt, um der Bettwanze den Garaus zu machen.
Vieles ist in Stephan Burkhardts Branche saisonabhängig. „Jetzt kommt die Ameisensaison“, sagt er, auch das Wetter spiele eine Rolle. „Wenn das Frühjahr trocken und warm ist, gibt es eine starke Wespensaison.“ Was ihm auffällt: Heutzutage reagierten Menschen schneller, wenn Getier im Haus oder drumherum lebe. „Die Leute sind sensibler“, sagt er. Mit vielem werde man im Ballungsraum allerdings einfach leben müssen. „Viecher gibt’s immer. Die überleben wahrscheinlich auch uns.“