Gefährlicher Asiatischer Laubholzbockkäfer Erster Käfer in Altdorf gefunden

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Die Hoffnung trog, dass der Asiatische Laubholzbockkäfer in Hildrizhausen nur eng begrenzt verbreitet ist. Schädlingsfahnder suchen jetzt an jedem Gestrüpp nach Spuren des gefährlichen Schädlings. Und auch im Nachbarort hat man schon einen Käfer entdeckt.

Für Laien sind die Spuren des Käfers kaum zu erkennen. Dieser Baum muss fallen. Foto: LTZ
Für Laien sind die Spuren des Käfers kaum zu erkennen. Dieser Baum muss fallen. Foto: LTZ

Hildrizhausen - Simun Kova ist eine Frau des entschlossenen Schrittes. Sie spricht kaum ein Wort mehr als nötig. Hier ist Arbeit zu erledigen, reichlich Arbeit, nicht zu plaudern. Kova schreitet als Fachfrau für den Asiatischen Laubholzbockkäfer durch Hildrizhausen. Heute ist das Rohrwiesengässle ihr Jagdrevier. Die verwinkelte Sackgasse ist keine 100 Meter lang. Ungeachtet dessen ist sie beispielhaft für das Problem der 3600-Einwohner-Gemeinde mit dem Schädling. Außer auf Straßen und Wegen wächst auf so gut wie jeder Fläche ein Baum, eine Hecke, irgendein grünendes Gehölz, sei es gepflanzt oder von der Natur selbst angesiedelt. Kova hat jedes einzelne zu begutachten.

Sie geht mit einer Mitarbeiterin des Landratsamts von Haustür zu Haustür. An dieser war niemand zuhause. Dort, vor dem Nachbarhaus, raucht eine Frau auf ihrer Terrasse. Die Frage, ob sie schon vom Asiatischen Käfer gehört habe, beantwortet sie mit einem Lachen. „Logisch“, sagt sie. Wer in Hildrizhausen lebt und in den vergangenen Wochen nichts von dem baummordenden Exoten gehört hat, ist entweder taub oder lag im Koma.

Der Scherz vom Herumwüten wird ernst

Selbstverständlich dürften die Käfersucher auf ihr Grundstück, sagt die Frau: „Wüten sie nur herum.“ Kova sucht Bäume und Sträucher ab, vermisst Stämme, notiert jedes Gehölz nach Art, Größe, Zustand. Selbst Apfelbäumchen mit kaum armdicken Stämmen, die gegenüber der Terrasse den Garten säumen, sind verdächtig. 15 Laubbaumarten stehen oben auf Kovas Liste. Für sie gilt: Der Scherz vom Herumwüten wird ernst. Im Umkreis von 100 Meter um einen befallenen Baum müssen sie alle gefällt werden. 14 weitere folgen auf dem unteren Teil. Zu ihnen zählen Obstbäume: Apfel, Birne, Kirsche. Sie dürfen stehenbleiben, sofern sie nicht befallen sind. Der Schädling meidet sie, es sei denn, er findet keinen anderen Wirt. Zu 100 Prozent sicher sind im Grunde nur Nadelholz und Deutsche Eiche.

Ende August hatte die Gemeinde zu einer Bürgerversammlung gerufen. Damals waren acht befallene Bäume entdeckt worden. Die Hoffnung trog, dass es dabei bleiben würde. Elf sind es inzwischen, und im Nachbarort Altdorf ist ein Käfer gefangen, aber noch kein zu ihm passender Baum gefunden worden. Allerdings haben Kova und Kollegen dort noch nicht ernsthaft gesucht. Derzeit besteht kein Grund zur Eile. Im Herbst schlüpfen keine Larven. Der Fund in Altdorf „war möglicherweise ein sogenannter Pionierkäfer“, sagt Dusan Minic, der Sprecher des Landratsamts. Gelegentlich scheint eine Kolonie einen Spion zu entsenden, als sei sein Auftrag, die Umgebung auf Gastlichkeit zu erkunden. Aber vorerst ist jede Aussage über das Vorkommen des Schädlings in Altdorf Spekulation.

Der Schädling verbreitet sich häufig mit Brennholz

Dies gilt im Grunde auch für Hildrizhausen. Am Dienstag hatte ein Mann die Käferfahnder zu sich gerufen, weil er Brennholz hinter seinem Haus lagert. Die Scheite stammen aus der Umgebung der befallenen Bäume. Sie waren frei von Larven. Sonst hätte der Spürhund angeschlagen, der sie beschnüffelte. Allerdings „passiert es oft, dass der Käfer über Brennholz verbreitet wird“, sagt Minic. Der Schädling fliegt selten weiter als von Baum zu Baum. Mit einem Holztransport könnte er hingegen an jeden Ort gelangt sein, in den jemand aus Hildrizhausen Holz verkauft hat. Ungeachtet dessen „haben wir die Hoffnung, dass wir den Befall auf Hildrizhausen eindämmen können“, sagt Minic.

Wie lang Kova und ihre Kollegen beschäftigt sein werden, ist gänzlich offen. Mit jedem neuen Fund wächst das Gebiet, das zu durchsuchen ist. Außerdem ist Fachpersonal schwer zu finden. „Ein normales Astloch von einem Käferloch zu unterscheiden, ist gar nicht einfach“, sagt Minic. Derzeit sucht das Landratsamt nach weiteren Experten. Einstweilen durchstreifen sechs Schädlingsfahnder die Gemeinde auf der Suche nach verdächtigen Spuren an Stämmen oder weiteren Käfern – selbstredend in der Hoffnung, erfolglos zu bleiben.

Freuen kann sich die Gemeinde allenfalls darüber, dass sich wegen des Schädlings ihr Name in der gesamten Republik verbreitet. Am Dienstag filmte ein Kamerateam der ARD-Sendung „Brisant“ vor Ort. An diesem Donnerstag folgen die Kollegen des SWR-Fernsehens.