Schädlingsbekämpfer im Rems-Murr-Kreis Wespennest muss nicht immer weg
So viele Aufträge wegen Wespen hatte Steven Brodt noch nie. Der Fellbacher Schädlingsbekämpfer rät, nicht in Eigenregie gegen sie vorzugehen.
So viele Aufträge wegen Wespen hatte Steven Brodt noch nie. Der Fellbacher Schädlingsbekämpfer rät, nicht in Eigenregie gegen sie vorzugehen.
Herr Brodt, die Experten sind sich einig, dass dieser Sommer sehr wespenreich ist. Haben Sie mehr Aufträge wegen Wespennestern?
Ja, es ist eine deutliche Steigerung. Wir haben wahnsinnig viele Aufträge. Das ist bei den Temperaturen ganz schön anstrengend, teils acht Mal am Tag den Imkeranzug anzuziehen. Wir werden oft von Städten und Hausverwaltungen beauftragt. Da sind es manchmal gleich vier bis fünf Wespennester, die entfernt werden müssen. Meist geht das reibungslos. Nur wenn es sich um ein Hornissennest handelt, braucht es eine extra Genehmigung.
Wie funktioniert die Entfernung eines Wespennestes vor Ort denn?
Die meisten Nester werden mit einem Insektizid besprüht. Dadurch werden die Wespen abgetötet. Danach wird das Nest entfernt, um weitere Probleme zu vermeiden. Leider ist es so, dass ich nicht ohne weiteres ein Nest umsiedeln darf, weil es dann wieder an einem falschen Ort hängen und andere Lebewesen gefährden könnte. Zudem lassen sich Nester, die sich beispielsweise in einem Rollladenkasten befinden, auch nicht im Ganzen entfernen. Das ist dann eine Pampe, die nicht mehr woanders umgesiedelt werden kann, sondern zerstört ist.
Empfehlen Sie immer, ein Nest zu zerstören oder geht es auch anders?
Es kann durchaus anders gehen und das empfehlen wir dann auch. Wenn das Nest an der Terrassentür ist und es kleine Kinder oder Allergiker im Haus gibt, muss es natürlich weg. Keine Frage. Wenn es aber bei einem Baum hängt, der keine Früchte trägt und bei dem ich nur einmal im Monat das Gras mähe, stört es doch gar nicht und sollte hängen bleiben dürfen.
Gibt es auch Leute, die sich bei Ihnen nur Tipps holen und das Nest selbst entfernen wollen, und was raten Sie denen?
Die gibt es, und ich rate dringend davon ab. Erstens sollte man niemals ohne Imkeranzug ran gehen. Und dann gibt es auch das Problem, dass die Leute, die sich ein Insektizid im Baumarkt besorgen, es komplett einatmen und sich noch dadurch gefährden. Wir haben spezielle Insektizide und tragen immer eine richtige Maske, wenn wir sprühen. Und so teuer ist es auch gar nicht. Im Schnitt kostet eine Entfernung so 120 bis 140 Euro. Aber es gibt viele schwarze Schafe, was manche abhält. Ein Mann wollte mal eigenhändig das Nest in seinem Dachstuhl abbrennen, dabei brannte der ganze Dachstuhl ab. Ein anderer wollte uns ein wenig Arbeit abnehmen und das Nest schon mal freilegen. Er wurde komplett zerstochen und starb an einem allergischen Schock. Das war schrecklich. Er wusste nicht, dass er Allergiker ist.
Wie schnell können Sie in der Regel zu Hilfe eilen, und wie verhält man sich bis dahin mit einem Wespennest am Haus?
Je nach Aufträgen sind wir in spätestens drei Tagen da. Bis dahin raten wir, nicht beim Nest herumzutanzen, sondern komplett die Finger wegzulassen. Auch bloß nicht anpusten. Wenn da ein Tier aggressiv wird, greift meist ein ganzer Staat an. Und in so einem Nest, beispielsweise der deutschen Wespe, leben schnell mal mehrere Tausend Tiere.
Ausbildung
Ursprünglich hatte Steven Brodt einen Handwerksberuf erlernt. Durch ein privates Problem mit Schädlingen wurde er auf den Beruf des Schädlingsbekämpfers aufmerksam und stellte schnell fest, dass es sich dabei um ein interessantes und abwechslungsreiches Berufsfeld handelt.
Einsätze
Nachdem Steven Brodt viele Jahre in der Schädlingsbekämpfung als Angestellter tätig war, wagte er im Jahr 2010 den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Betrieb „Württembergischer Hygienedienst Brodt“ ist in Fellbach in der Fellbacher Straße 51 angesiedelt, und das Team besteht mittlerweile aus sechs Personen.