Schäferin aus Döffingen Wenn ihre Ziegen zicken, zickt sie auch

Wo die Chefin ist, ist vorne: Schäferin Sabine Krüger mit ihren Vierbeinerinnen. „Meine Mädels“, wie sie sie nennt. Foto: Oliver Giel

Sabine Krüger aus Döffingen ist mit Leib und Seele Schäferin. Doch ihren Rasenmähern nur beim Grasen zuzuschauen, wäre ihr zu wenig. Jetzt hat die 59-Jährige Geschichten aus 20 Schäferinnenjahren in einen Kalender gepackt – und: sie macht ein zweites Buch

Als Schäferin und Ziegenhalterin ist Sabine Krüger zwischen Böblingen/Sindelfingen und Leonberg bekannt wie der sprichwörtlich „bunte Hund“. Die vielen wollenen und gehörnten Tiere und ihre Chefin kennt man – weidend wie laufend. Doch die 59-jährige Döffingerin lässt ja längst nicht nur steile Hänge abgrasen, um Landschaftsbilder und Artenreichtum zu erhalten. Die resolute Frau hat eine mehrfache Mission. Ein pädagogischer Impuls, die Öffentlichkeit zu informieren und für ein uraltes Handwerk zu sensibilisieren, zählt dazu. Und so hat die kleine Frau mit der zähen Natur jetzt einen Jahreskalender herausgebracht, in dem sie zwölf lustige und frustige Geschichten erzählt aus mehr als 20 Jahren voller Erlebnisse mit und unter ihren Vierbeinerinnen. Die Lektüre lohnt.

 

Das Buch „Ziegenluft und Küchenduft“ hat viele Fans gefunden

Um Ideen ist Sabine Krüger nie verlegen. Wenn ihre Schafe weiden und ihre Ziegen klettern, kommen ihr an der frischen Luft Geistesblitze. Und so hat die Grafenauerin bekanntlich schon einmal ein Buch veröffentlicht über ihr Leben und ihre harte Arbeit und was man aus den Produkten ihrer Zunft machen kann. „Ziegenluft und Küchenduft“ mit Bildern des Fotografen Oliver Giel hat viele Fans gefunden – Hobbyköche, Naturliebhaber, Menschen, die Traditionen zu schätzen wissen und mithelfen wollen, sie zu erhalten.

Nun ist Sabine Krüger zusammen mit ihrem Lieblings-Lichtbildner auf die Idee gekommen, zwölf Episoden mit zwölf schönen Motiven in eine Klappkalenderform zu gießen. „Da sind Geschichten dabei, die kann man Kindern in der Vorweihnachtszeit vorlesen. Oder selber genießen“, lacht Sabine Krüger. Mit Texterin Eva Scherer hat sie erneut eine Schwester im Geiste gefunden, die ihre Erzählungen raffiniert in Worte gießt. „Ich formuliere ja eher etwas rau“, schmunzelt Sabine Krüger, was zwar stimmt – einerseits. Aber andererseits auch authentisch ist. Theoretisch müsste man der 59-Jährigen nur ein Diktiergerät unter die Nase halten, so flüssig kann sie erzählen. Immer mit jenem Schuss Tierliebe, Betroffenheit und Humor, der in Zuhörenden Bilder entstehen lässt.

Eine der schönsten Geschichten: Ziege Paula im Polizeiauto

Eine der schönsten Geschichten ist jene von „Paula & die Polizei“, eine Tragikomödie. Weil Dornen das Euter der Ziegendame verletzt hatten, sollte Paula ein paar Tage lang im Stall in Magstadt genesen. Doch der siebenjährigen Geiß, zutraulich und menschenbezogen, war der Stallaufenthalt alleine viel zu langweilig. Also setzte die gewitzte, selbstbewusste Ziegendame alles daran, an einem Sonntag aus ihrer Isolationshaft zu entkommen. Paula schaffte es, wie auch immer, aus ihrem Gatter. Sie zog, wie sie es ja kannte, zu einem fünf Kilometer entfernten Steinbruch. „Ziegen haben ein nahezu fotografisches Gedächtnis“, sagt Sabine Krüger.

Also zog Paula los. Der Weg ist das Ziel im Ziegenleben. Problem: Auf dem Weg zu ihren Artgenossen mussten zwei viel befahrene Straßen gequert werden. Was Sabine Krüger angesichts der möglichen Folgen bis heute Angstschweiß verschafft, hat Paula geschafft. Freilich auch die Polizei, alarmiert durch Zeugenhinweise – und diese wiederum die Ziegenhalterin. Die Beamten – Freund und Helfer – sollen sich über das Geschehnis amüsiert und die zahme Ziegenlady Paula gestreichelt haben. Vielleicht eine Spur zuviel der Zuneigung. Denn Paula machte es sich plötzlich im Polizeiauto bequem. Wäre das Auto Sabine Krügers übliches Transportmittel gewesen, ein Landrover – kein Problem. Aber so ein Polizei-Mercedes ist ein wenig empfindlicher.

Das dicke Ende in Form einer Reinigungs-Rechnung des Streifenwagens

Jedenfalls zog die Polizei frohgemut von dannen – und schickte hernach eine Rechnung über die Fahrzeugreinigung. Paula hatte „rein gebobbelt“ in den Streifenwagen. 250 Euro soll die Reinigung gekostet haben.

Sabine Krüger hat die Rechnung verkraftet, wenngleich nicht vergessen. Und so ist die Episode eine von einem Dutzend, die ein Schäferinnen-Dasein im straßen- und verkehrsreichen Industrielandkreis schildern. Da bleibt nichts aus, Freud und Leid. Ein Leben wie das Wetter, mal schön, mal schlecht, mal Himmel, mal Hölle. Zicken ihre Ziegen, zickt sie schon mal auch und gibt die Chefin. Dann ist sie auch bei ihren Schafen nimmer ganz lammfromm. Dass ihr Ehemann Karlheinz nun nicht mehr beim Daimler ist, sondern mithelfen kann, kommt ihr zupass.

Auf Twitter folgen ihr 7500 Fans

Sabine Krüger hofft, dass der neue Kalender Freude macht – den Käuferinnen und Käufern und damit auch ihr. Wirklich verdient, sagt sie, sei an so einem Projekt nicht viel. Schon gar nicht angesichts der gestiegenen Papierpreise und Druckkosten. Aber Reichtümer waren eh nie das Lebensziel der gelernten Hauswirtschaftsmeisterin, die viele Jahre lang im Sindelfinger Haus der Familie Kochkurse gegeben hat. Wer sie beim Kochen beobachtet und bei der pedantischen Perfektion von Food-Fotografie, kann nur staunen. Auch hier schwört sie auf das Talent ihres Fotografen Oliver Giel aus Haßfurt, Unterfranken. „Olli“ hat sie schon einmal ein Jahr lang begleitet – und schießt aktuell die Bilder für Buch Nummer 2, das nächstes Jahr erscheinen soll.

Für „Sammellust und Kochgenuss“, wie das neue Werk heißen wird, ist auch ein Jahreszeiten-Kreislauf gefragt. Was saisonal draußen wächst, wird in dem Vegetarier-Werk verschafft: wilder Schnittlauch, Bärlauch, Huflattich, Brennnesseln, Gundermann, Giersch, Walnuss und Hagebutte, Schlehen, wilde Him- und Brombeeren, Quitten, Äpfel & Co. Wenn Sabine Krüger von ihren Rezepturen und Kreationen erzählt, läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Und so hofft die dreifache Mutter und einfache Oma, dass sowohl der neue Kalender wie auch das 2023 folgende Buch guten Absatz haben werden – erneut finanziert via Crowdfunding. Die Aussichten sind gut. Sabine Krüger hat rund 7500 Follower auf ihrem Twitter-Kanal.

Den Kalender zum Lammkotelett

Für 18 Euro am Stand
Sabine Krügers Jahres-Klappkalender „Geschichten aus dem Alltag einer Schäferin“ kostet 18 Euro und ist bestellbar und abholbar bei ihr – Mühlgasse 2, Grafenau, Telefon 0 70 33 / 4 48 61, E-Mail krueger.sabine@gmx.net. Wer samstags auf dem Sindelfinger Wochenmarkt ist, kann ihn auch dort kaufen – zum Lammkotelett oder zur Lammschulter. Der Kalender ist hochwertig produziert und hat das Sigel „Blauer Engel“.

Was für Hobbyköche
Auch Sabine Krügers 256 Seiten starkes (Koch-)Buch „Ziegenlust und Küchenduft“ ist für 28 Euro weiterhin erhältlich. Neben wunderbaren Fotos und Kochrezepten enthält es spannende Geschichten, die Eva Scherer in Textform gegossen hat.

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