Schäuble-Pläne Ein europäischer IWF ist unnötig

Schäuble würde die Finanzprobleme in Europa gerne ohne den von Christine Lagarde geführten IWF bewältigen. Foto:  
Schäuble würde die Finanzprobleme in Europa gerne ohne den von Christine Lagarde geführten IWF bewältigen. Foto:  

Bundesfinanzminister Schäuble will einen Währungsfonds für Europa gründen. Ein solcher ist unnötig und der deutsche Hüter der Finanzen will damit nur von Griechenland ablenken, kommentiert Roland Pichler.

Berliner Büro: Roland Pichler (rop)
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Berlin - Die Idee ist nicht neu: Zuletzt schlug der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im vergangenen Herbst vor, einen Währungsfonds für Europa zu gründen. Nach dem Vorbild des großen Bruders IWF soll ein Europäischer Währungsfonds die europäischen Staaten unterstützen. Aufgaben dafür gibt es nach Schäubles Ansicht genug: Der neue Fonds soll die Haushalte der Euroländer überwachsen und bei Finanzkrisen von Euroländern Krisenfeuerwehr spielen. Praktisch wäre das durchaus umsetzbar, denn der Europäische Rettungsfonds ESM ist mit reichlich Kapital ausgestattet. Der deutsche Minister will die Finanzreserven auf das neue Gebilde überführen.

Nicht mehr als Gedankenspiele – zumindest bisher

Bisher sind das nicht mehr als Gedankenspiele. Ob sich die Vision jemals durchsetzt, ist fraglich. Denn Schäubles Idee hat Schattenseiten. Anlass für die Initiative dürfte Schäubles Unzufriedenheit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sein. Aus Berliner Sicht sind die Analysen des IWF oft angreifbar. Genervt ist Schäuble vor allem deshalb, weil er der Meinung ist, vielen Washingtoner Finanzfachleuten fehle das Verständnis für Europa. Doch so einfach ist es nicht. Der IWF hat sich bei globalen Krisen bewährt. Der Fonds besitzt außerdem viel Erfahrung mit der Überwachung von Staaten und Märkten. Da ist es wenig sinnvoll, mit dem Geld der Steuerzahler Doppelstrukturen aufzubauen. Bei Schäubles Vorstoß handelt es sich in erster Linie um ein taktisches Manöver. Das hängt mit der Griechenlandkrise zusammen. Seit zwei Jahren verhandeln die Europäer schon mit dem IWF darüber, ob er sich am dritten Rettungsprogramm für Griechenland beteiligt. Die Bundesregierung steht im Wort. Sie hat dem Parlament zugesagt, dass der IWF als Geldgeber mit an Bord kommt. Doch die IWF-Experten bestehen auf einem Schuldenschnitt für Athen, was die Eurozone ablehnt. Die Hängepartie ist peinlich, zeigt sie doch, wie viele Probleme in Griechenland ungelöst sind. Fest steht schon jetzt: Das dritte Hilfspaket für Griechenland wird nicht das letzte Programm dieser Art sein.

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