Daniel Heim füttert unverdrossen seine kleine Schafherde in Pleidelsheim und ärgert sich über den Frevel unliebsamer Zeitgenossen. Foto: Werner Kuhnle
Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen sind Schafe von einer Pleidelsheimer Weide gestohlen und geschlachtet worden. Ihr Halter, Daniel Heim, ist fassungslos – und setzt eine Belohnung für Hinweise auf die Täter aus.
Määäh. Die kleine Herde kommt freudig angerannt, als ihr Schäfer Daniel Heim die Weide betritt. 13 Mutterschafe und fünf Lämmer sind es an diesem Nachmittag. Wenige Tage zuvor war noch ein junger Bock unter ihnen. Das acht Monate alte Tier wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag gestohlen und geschlachtet. Seine Überreste fand der Hund einer Spaziergängerin am Mittwochmittag etwa 300 Meter von der Weide entfernt nahe einer kleinen Hütte.
Der Anblick, der sich dort bietet, ist weit weniger idyllisch als die heile Schafswelt auf der Streuobstwiese zwischen Freiberg und Pleidelheim. Unter einem Baum liegen die Innereien des Tiers, ein Stück weiter das fein säuberlich abgezogene Fell samt Kopf. „Wer auch immer das gemacht hat, wusste, was er tut“, so Daniel Heim. Besonders bitter für ihn: Der Kopf des toten Bocks weist keine Spuren eines Bolzenschusses auf. Dieser wäre Vorschrift, damit das Tier betäubt ist, ehe es getötet wird. Dem Schafbock wurde also „einfach der Hals aufgeschnitten. Das ist brutal“, sagt der 33-jährige Agrar-Biologe.
„Ich teile mir die Milch mit den Lämmern“
Momentan kommen viele Lämmchen zur Welt. Foto: Werner Kuhnle
Er hat Landwirtschaft an der Uni Hohenheim studiert und arbeitet hauptberuflich bei einer Öko-Zertifizierungsstelle. Mit der Schafhaltung hat er vor zwei Jahren angefangen. Mittlerweile gehören zu seinem Hof in Ludwigsburg-Hoheneck 20 Bienenstöcke und 60 Milchschafe. In seinem Bio-Betrieb lässt er die Lämmer so lange bei ihren Müttern, bis sie keine Milch mehr brauchen. Erst dann werden die Schafe gemolken. „Insofern teile ich mir die Milch mit den Lämmern“, sagt Daniel Heim. Die Milch ist dann die Grundlage für Käse und Joghurt.
In der warmen Jahreszeit sind die Schafe auf Pleidelsheimer Streuobstwiesen unterwegs und weiden dort. Win-Win, denn so muss die Gemeinde ihre Stückle nicht mähen lassen, und Daniel Heims Schafe können ein glückliches Schafsleben auf der Weide führen.
Eigentlich. Denn es ist das zweite Mal innerhalb von drei Wochen, dass Daniel Heims Herde auf diese brutale Weise dezimiert wird. Ende September bekam er einen Anruf eines Jägers, ob eines seiner Schafe fehle. Der Jäger hatte die Überreste gefunden, ähnlich wie beim aktuellen Fall. Die Täter hatten den ebenfalls jungen Bock getötet, zerlegt, das Fleisch mitgenommen und Innereien, Kopf und Fell liegen lassen.
Das nimmt Daniel Heim mit. „Auch wenn es Nutztiere sind: Man hat eine emotionale Verbindung zu ihnen“, sagt er. Und ist sauer, dass es Menschen gibt, die so dreist und brutal vorgehen. Der Schafhalter ist sich sicher, dass die Täter, die seine Schafe auf dem Gewissen haben, mindestens zu zweit waren.
Und dass sie sich ausgekannt haben. Denn sie haben offenbar gezielt die jungen Böcke in der Schafsherde ausgesucht und eingefangen – generell und vor allem bei Nacht sicherlich kein leichtes Unterfangen. „Hier ist es stockdunkel, und die Schafe sind ja auch recht schnell und wendig.“ Um von der Weide zu kommen, müsse einer den Elektrozaun heruntergedrückt haben, während der andere das Schaf darüber hob, vermutet Daniel Heim. So ein Tier wiege immerhin 40 bis 50 Kilogramm.
Mutmaßlich wurde das Böcklein dann in ein Auto verfrachtet und ein paar Hundert Meter weiter auf einem anderen Wiesenstückle geschlachtet. Das fachmännisch abgezogene Fell zeigt, „dass da jemand am Werk war, der das sicher nicht zum ersten Mal gemacht hat“, so der Schafhalter.
Daniel Heim hat die Fälle bei der Polizei angezeigt. Ob die Täter je gefasst werden, weiß er nicht. Aber er hofft, dass die Leute die Augen offen halten. „In der Gegend sind viele Spaziergänger und Menschen mit Hunden unterwegs“, weiß der 33-Jährige. „Wem etwas auffällt, soll sich bitte bei der Polizei melden.“
Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat Daniel Heim nun eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt. Zudem will er in Überwachungstechnik an der Weide investieren. Auch die Polizei will in dem Bereich stärker kontrollieren. Zeugenhinweise kann man an die Gemeindeverwaltung Pleidelsheim oder das Polizeirevier Marbach, Telefon 0 71 44 / 90 00, melden.
Milchschafe in Pleidelsheim
Lacaune Daniel Heim hält französische Milchschafe. Die Rasse stammt aus dem Südosten Frankreichs, aus der Bergregion von Lacaune, daher auch ihr Name. Lacaune sind eine so genannte asaisonale Rasse, das heißt, sie können das ganze Jahr über Lämmer bekommen und nicht nur im Frühjahr.
Lämmer Aktuell bekommen die Schafe von Daniel Heim Nachwuchs. Die Geburt der Lämmer im Herbst ist für den Schafhalter praktischer, da er die Tiere ohnehin über den Winter in seinem Stall in Ludwigsburg-Hoheneck hat. So hat er die Mutterschafe und ihren Nachwuchs besser im Blick und kann die Schafe melken, wenn die Lämmer groß genug sind.