Stuttgart Was machen die elf Minischafe im städtischen Weinberg?

Die neuen städtischen Mitarbeiter: Bretonische Schafböcke leben im Weinberg Mönchhalde und helfen, ihn zu pflegen. Foto: Timo Saier

Das Weingut der Stadt Stuttgart hat in der Mönchhalde seit Neuestem elf bretonische Schafe im Einsatz. Die wuscheligen Vierbeiner helfen bei der Bewirtschaftung des Weinbergs.

Lokales: Iris Frey (if)

Sie sollen „fressen, düngen, glücklich sein“, sagt Timo Saier, der Leiter des städtischen Weinguts. Die Rede ist von den neuen tierischen Mitarbeitern der Stadt, die im Stuttgarter Norden im Gewann Mönchhalde seit Kurzem im Einsatz sind. Die bretonischen Schafe haben ihre Wurzeln auf der französischen Insel Île d’Ouessant im Atlantik, sie sind besonders robust und zugleich die kleinste Schafrasse der Welt.

 

Die Schafe reichen nur bis zum Knie

Ihre geringe Größe, sagt Saier, sei ein wichtiges Kriterium für ihre Auswahl zum Einsatz in Stuttgart gewesen: Denn die Tiere sollen im Weinberg nicht die Weintrauben fressen, sondern das Gras klein halten. Gekauft hat das Weingut die Tiere bei einem Schäfer in Wendlingen. Die Idee hatten Saier und sein Mitarbeiter Max Zwicker entwickelt. Die Schafe sollen beispielsweise das mehrmalige Mähen in den Steillagen mit der Sense ersetzen.

Mit ihren kleinen Hufen und ihrem Dung sind sie ebenfalls für den Weinberg im Einsatz, denn so sorgen sie für einen ertragreichen Boden. Die Tiere können sich im Gelände frei bewegen. „Als Ganzes lohnt es sich und ist es eine Erleichterung“, sagt Saier, der so gut wie jeden Tag bei den Tieren ist und nach ihnen schaut. „Wir sind froh, dass es so schnell geklappt hat.“ Nun soll ein Jahr lang geschaut werden, wie es funktioniert.

Elf Böcke auf 70 Hektar Fläche unterwegs

Von den elf Böcken sind zehn in diesem Jahr geboren, der Leitbock ist etwa vier Jahre alt. Sie leben in der Herde zusammen und finden auf den rund 70 Hektar Fläche, die seit ein paar Jahren biozertifiziert ist, vielerlei Wildkräuter und gutes Grün. Deshalb appelliert Saier an die Anwohner und Wanderer, die Tiere auf keinen Fall zu füttern. „Sie haben genug zu fressen, auch einen Stall mit Heu und Wasser“, sagt er. Dass die Schafe von der Île d’Ouessant so robust sind, kommt Saier entgegen: Zwar sind die Tiere zutraulich, aber sie können auch gut allein bleiben.

Weiterer Einsatz von Schafen im Weinberg geplant

Neben dem städtischen Weingut gibt es in Stuttgart noch mindestens zwei weitere Betriebe, die Schafe im Weinberg im Einsatz haben, davon einer in Rohracker, ebenfalls mit bretonischen Vierbeinern. Wenn das Projekt gut klappt, sollen künftig in weiteren städtischen Weinbergen Schafe eingesetzt werden, sagt Saier. Doch erst einmal muss er mit seiner Mannschaft die Herausforderung Weindorf und danach auch gleich die Weinlese bewältigen, die bald ansteht. Im unteren Bereich der Mönchhalde in der Nähe der Birkenwaldstraße gedeiht derzeit die Sorte Riesling, im oberen Bereich wachsen Syrah-Trauben. Und dazwischen sorgen die neuen braunen und schwarzen Schafe dafür, dass die Reben nicht zuwachsen. Sie arbeiten vielmehr im Dreiklang fressen, düngen, glücklich sein.

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