Schaffung von Wohnraum in Heidelberg Bund will bei der Konversion mitmischen

Von Johanna Eberhardt 

Die Bundesanstalt für Immobilien zeigt Interesse an den Häusern und Wohnblocks in der ehemaligen US-Siedlung Patrick Henry Village in Heidelberg. Ihr Ziel: mehr bezahlbarer Wohnraum in Zeiten der Wohnungsknappheit.

Die Wohnblocks im Patrick Henry Village müssen nicht zwangsläufig abgerissen werden –  das finden zumindest die Projektentwickler des Bundes. Foto: BImA
Die Wohnblocks im Patrick Henry Village müssen nicht zwangsläufig abgerissen werden – das finden zumindest die Projektentwickler des Bundes. Foto: BImA

Heidelberg - Vor sechs Jahren haben die letzten Angehörigen der US-Armee Heidelberg den Rücken gekehrt. Unter anderem haben sie der Stadt dabei ihr Patrick Henry Village (PHV) hinterlassen, die große Wohnsiedlung im Grünen, samt Schulen, Sporthallen und Einkaufszentrum. Als zentrales Ankunftszentrum für Flüchtlinge im Südwesten ist PHV inzwischen über die Region hinaus bekannt geworden. Abgesehen von den Unterkünften für die Asylsuchenden stehen dort aber die meisten Wohnblocks und Häuser leer.

Die Bundesanstalt will im Patrick Henry Village selbst aktiv werden

Nach dem Beschluss des Gemeinderats soll PHV im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in den nächsten Jahren als hochmoderner Stadtteil zu einer „Wissensstadt der Zukunft“ entwickelt werden. Bisher war man im Rathaus davon ausgegangen, dass die Stadt die gesamte Fläche von der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) übernimmt und die Konversion und Vermarktung in eigener Regie betreibt. Deren Vorstand hat nun angekündigt, dass das Unternehmen dort selbst aktiv werden will.

„Wir haben zwar schon länger gewusst, dass es beim Bund einen gewissen Strategiewechsel gibt“, erklärte der für die Konversion zuständige Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß dazu. „Die Bestätigung ist für uns jetzt aber doch etwas überraschend gekommen“, sagte er auf Anfrage. Übermittelt hat sie der neue Vorstandssprecher der Bundesanstalt, Christoph Krupp. Ihn hatte die Stadt vor kurzem eingeladen, um über die Zusammenarbeit bei bereits laufenden Konversionsprojekten zu sprechen und mehr Klarheit über künftige Vorhaben zu bekommen. Dabei habe Krupp erklärt, dass er sich durchaus vorstellen könne, „dass sich die BImA in Heidelberg künftig selbst engagiert, um vorhandenes Wohnungspotenzial gemeinsam zeitnah zu nutzen“, berichtete Heiß.

Der Bund interessiert sich nur für einen Teil des Geländes

„Die Bundesanstalt hat nicht nur den Wunsch, mit der Stadt zusammenzuarbeiten, sondern auch den klaren Auftrag, Wohnraum zu entwickeln, der leer steht“, erklärte Oberbürgermeister Eckart Würzner kürzlich dem zuständigen Ratsausschuss. Dafür wolle der Bund Wohnungen künftig auch selbst halten und vermieten. Im Prinzip könnte er dann auftreten wie eine Wohnungsbaugesellschaft der Stadt, meinte er.

Noch ist unklar, in welchem Umfang der Bund in PHV aktiv werden möchte. Insgesamt sollen nach den Vorstellungen der Stadt und der IBA dort etwa 10 000 neue Wohnungen und 5000 Arbeitsplätze entstehen. Nach den bisherigen Gesprächen gehe man im Rathaus davon aus, dass sich die BImA „nur für untergeordnete Teilflächen“ der knapp 100 Hektar großen Siedlung interessiere, sagte Heiß. „Sie hat das alles als Angebot formuliert und akzeptiert natürlich auch die Planungshoheit der Stadt“, sagte er.

Die Sprecherin des Projekt-Büros Rhein-Neckar der Bundesanstalt in Mannheim verwies auf die Wohnraumoffensive von Bund, Ländern und Gemeinden vom Herbst 2018: „Deren Ziel ist es, möglichst schnell Flächen zu mobilisieren, um bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen“, erläuterte sie. Dafür seien 2018 die Möglichkeiten der BImA erweitert worden, Grundstücke des Bundes verbilligt an Kommunen abzugeben. Darüber hinaus wolle sie künftig auch selbst günstigen Wohnraum schaffen; im Rahmen der Fürsorge gehe es vornehmlich um Wohnungen für Bundesbedienstete, die aber, wenn sie nicht benötigt würden, auch auf dem freien Markt angeboten werden könnten. Wie viele Gebäude oder Flächen sie in Heidelberg nutzen wolle, werde „noch im Detail geprüft“, sagte sie. Geprüft werde auch, ob nicht ein Teil der bestehenden Wohngebäude in PHV erhalten werden könne. „Auf diese Weise könnten wir einen schnelleren Beitrag leisten, um die Heidelberger Bevölkerung mit preisgünstigem Wohnraum zu versorgen“.

Bisher wurde der Gebäudebestand weitgehend ignoriert

Auf den Bestand haben die Städte bei den großen Konversionsprojekten der Region bisher wenig Rücksicht genommen. Sowohl in Heidelberg wie in Mannheim sind viele Gebäude auf Wunsch von Planern und Investoren abgebrochen worden, obwohl sie noch in guten Zustand waren. In Heidelberg habe man nun begonnen zu prüfen, ob nicht in PHV bestehende Gebäude wieder in Betrieb genommen werden könnten, sagte der der Konversionsbürgermeister. „Vieles spricht dafür, dass wir einen gemeinsamen Prozess mit der BImA starten; ich denke, es würde uns helfen, wenn der Bund mit uns zusammen Verantwortung übernimmt“, sagte er.