Schalke 04 Rangnick zieht die Reißleine

Von Daniel Theweleit 

Der Trainer des Bundesligisten Schalke 04, Ralf Rangnick, erklärt wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Rückzug und löst damit Bestürzung aus.

Ralf Rangnick Foto: AP 2 Bilder
Ralf Rangnick Foto: AP

Gelsenkirchen - Die Nachricht hat nicht nur die Beteiligten beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 völlig überraschend getroffen und geschockt: Der Trainer Ralf Rangnick gibt seinen Job bei den Gelsenkirchenern auf. Der Coach leide unter einem "vegetativen Erschöpfungssyndrom", wie der Schalker Mannschaftsarzt Thorsten Rarreck am Donnerstagvormittag in einer eilig angesetzten Pressekonferenz sagte. Es handle sich um eine "Auslaugung des Körpers, die Energiereserven sind aufgebraucht, oder wie es ein früherer Bayern-Trainer einmal gesagt hatte: Flasche leer!"

Die Anspielung auf ein Zitat von Giovanni Trapattoni war ein wenig salopp und medizinisch vielleicht auch nicht ganz korrekt, aber dieses Bild war trotzdem irgendwie erleichternd. Es war der einzige Anflug von Humor an diesem tristen Schalker Morgen. Der Manager Horst Heldt saß mit geröteten Augen vor den Journalisten, "das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen", sagte er immer wieder. Ohne Vorwarnung war er am Mittwochabend mit Rangnicks Rücktrittsgesuch konfrontiert worden.

Nur ein Schalker hat die Entwicklung kommen sehen: Rarreck, der Mannschaftsarzt, der der Schweigepflicht unterworfen ist, ihm hatte Rangnick sich anvertraut. Seit Juli seien erste Anzeichen erkennbar gewesen, berichtete der Mediziner, "wir haben alles probiert, sanfte Methoden, Regulationsmedizin", doch die Maßnahmen blieben erfolglos. Vor zehn Tagen seien die körperlichen Probleme immer schlimmer geworden. "wir mussten die Reißleine ziehen", sagte Rarreck. "Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er zusammengeknallt wäre."

"Mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus..."

Die Nacht auf Mittwoch hatte Rangnick bei seiner Familie in Backnang verbracht, er beriet sich mit seiner Frau und einigen engen Freunden. Danach war die Entscheidung gefallen. Am Donnerstagmorgenhat Rangnick sich von der Mannschaft verabschiedet, zum Gespräch mit den Journalisten war er nicht mehr erschienen.

Per Pressebulletin teilte er mit, "nach langer und reiflicher Überlegung" zu der Einsicht gekommen zu sein, dass er "eine Pause" brauche. "Mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung voranzubringen."

Es scheint, als habe er schon länger gespürt, dass seine Kräfte zu Ende gehen. Als er im Januar bei 1899Hoffenheim zurücktrat, kündigte er an, jetzt erst einmal ein halbes Jahr Pause zu brauchen. Diesen Entschluss revidierte er wieder, weil Schalke sich im März von Felix Magath getrennt hatte und Rangnick die Nachfolge anbot. "Er wurde damals aber nicht gedrängt", versicherte Oliver Mintzlaff, der Berater des Trainers.

Krankheit ist reversibel

Jetzt wird der Trainer sich in der schwäbischen Heimat in ärztliche Behandlung begeben, anders als Markus Miller, der Torhüter von Hannover 96, muss er sich nicht stationär in eine Klinik einweisen lassen. Rangnick ist "zwar körperlich am Ende, aber das ist eine vorübergehende Sache, er wird als Mensch zu alter Stärke zurückfinden", versicherte Rarreck. Mit einer Depression habe die Krankheit nichts zu tun, Rangnicks Leiden sei "eine reversible Geschichte, nach einer Zeit kann der Betroffene wieder auf ganz normalem Niveau arbeiten".

Unterdessen äußern Rangnicks Kollegen ihren Respekt - auch sein Schalker Vorgänger. "Ich bewundere ihn dafür, dass er diesen Schritt gemacht hat", sagte Magath. Leverkusens Coach Robin Dutt sagte: "Es ist eine traurige Nachricht. Aber wir müssen akzeptieren, dass Fußball nicht das Wichtigste auf der Welt ist." Und der DFB-Chef Theo Zwanziger sagte: "Ich habe großen Respekt vor seiner Entscheidung und der Tatsache, dass er mit seiner Erkrankung öffentlich umgeht."