Schandflecke in Leonbergs Natur Wilder Müll häuft sich an Wochenenden

Besonders dreist: Hier hat jemand sein Arbeitszimmer illegal entsorgt. Foto: Nathalie Mainka

Immer mehr Ablagerungen: Die Stadt Leonberg und auch der Landkreis versuchen, illegale Verwüstungen zu bekämpfen. Mit Apps oder gemeinsamen Kampagnen.

Wanderer, die kürzlich den Parkplatz an der Landesstraße zwischen Warmbronn und der Auffahrt zur Bundesstraße B 295 nutzten, um auf den Eltinger Kopf zu gelangen, waren einfach fassungslos. Unbekannte haben hier mitten im Wald, wo die Besucher eigentlich die Natur genießen wollen, ihren Müll abgeladen. Die Einzelteile aus Holz, Metall, Glas eines zerlegten Schreibtisches und eines Schrankelementes liegen wild verstreut unter den Bäumen. Wenige Schritte weiter wurde die Rückseite eines Flachbildschirms aus Kunststoff achtlos weggeworfen. In einer anderen Ecke liegen Dämmstoffe sowie Verpackungsmaterial von Automobilersatzteilen und Fast Food herum. „Ich verstehe nicht, dass Menschen zu so etwas in der Lage sind, das kann man doch alles auf dem Wertstoffhof entsorgen – oder einen Termin für Sperrmüll beantragen“, sagte ein empörter Herr, der gerade mit seiner Frau von einem Spaziergang zurückgekehrt war und kopfschüttelnd in sein Auto stieg.

 

Hausmüll lagert an öffentlichen Mülleimern

„Illegale Müllablagerungen an Verkehrswegen, auf Spielplätzen oder in Wäldern sind leider keine Seltenheit“, sagt Sebastian Küster, Pressesprecher der Stadt Leonberg. Besonders nach den Wochenenden gäbe es einen Anstieg an Meldungen, „weil vielfach in der Natur gegrillt oder Partys gefeiert wurden und der Müll zurückgelassen wird“. Vielfach gingen auch Meldungen ein, wenn Hundekot-Mülleimer überfüllt seien oder wenn Hausmüll an öffentlichen Mülleimern lagere. Auch werde häufig an Containerstandorten in Leonberg Müll illegal entsorgt. Für die Leerung der Wertstoff-Container und auch die Beseitigung des Wilden Mülls außerhalb der städtischen Gemarkung sei der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Böblingen zuständig. Innerhalb des Stadtgebiets – also auch auf besagtem Parkplatz – sei der Baubetriebshof unterwegs.

Die vor einigen Jahren eingeführte App „Leo-OH!“ helfe der Stadt Leonberg dabei, illegal abgelagerten Müll schneller zu erfassen und auch Maßnahmen einzuleiten. „Wer wilden Müll findet, kann ihn mit Hilfe dieses Mängelmelders melden“, sagt Sebastian Küster. Zwischen dem 1. August 2023 und dem 31. Juli 2024 seien auf diesem Weg im Bereich „Stadtsauberkeit“ insgesamt 607 Meldungen eingegangen. Allein 406 davon seien der Kategorie „Müll“ zuzuordnen. 49 Anzeigen gingen nach Aussagen von Küster bei „Müll auf Spielplätzen“ und 45 im Bereich „Sperrmüll“ ein. Allein am vergangenen Montag seien fünf Meldungen bezüglich wilden Mülls per App registriert worden. „Die Entwicklung, dass Müllablagerungen zunehmen, beobachten auch andere Kommunen im Umkreis“, sagt Küster. „Die Verursachenden zu ermitteln, gestaltet sich leider schwierig. Falls nicht offensichtlich Namen oder Adressen auf den Verursacher oder die Verursacherin hindeuten, ist eine Ermittlung in so gut wie allen Fällen vergebens.“

Das kann auch Benjamin Lutsch, Pressesprecher des Landratsamtes Böblingen, bestätigen: „Aber wenn Täter ermittelt werden können, dann sind empfindliche Bußgelder, bei schweren Vergehen sogar Strafverfahren möglich. Der Landkreis ahndet wilden Müll streng.“ Denn dieser schade der Umwelt und den Mitmenschen, da die zusätzlichen Kosten alle Gebührenzahler tragen müssten. Dabei gäbe es für grundsätzlich alles Entsorgungsmöglichkeiten und in vielen Fällen seien diese sogar kostenlos oder für wenig Geld zu bekommen.

678 Tonnen wilder Müll im Jahr 2023

Anders als der Leonberger Pressesprecher kann Lutsch – zumindest in Bezug auf die Menge – eine leichte Verbesserung im gesamten Landkreis feststellen. Insgesamt 678 Tonnen wilden Mülls habe das Landratsamt im Jahr 2023 offiziell erfasst. Diese Zahl lag damit tatsächlich um 100 Tonnen unter der Menge des Jahres 2022 (778 Tonnen). „Und sie beinhaltet zwei gravierende Ablagerungen von Bauschutt und Langgras von zusammen über 100 Tonnen“, sagt Benjamin Lutsch. Somit bewege sich die Menge wieder in Richtung des Niveaus der Jahre 2020 und 2021, der Anstieg in den Jahren 2012 bis 2021, mit einer Verdopplung der Mengen, scheine fürs Erste gestoppt.

Einen Grund dafür sieht Lutsch in der zusammen mit den Kommunen entwickelten Sensibilisierungskampagne „Wilder Müll kann nix“. Diese startete Mitte 2022 und werde seitdem immer wieder hochgefahren. Mit Großplakaten, Social-Media-Beiträgen und einer eigenen Webseite werde seither die Problematik offensiv in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt.

„Die Motive mit den auffälligen Farben und markanten Sprüchen kommen bei den Bürgerinnen und Bürgern gut an und werden auch von einigen Kommunen im Zuge eigener Aktivitäten gegen den wilden Müll gerne verwendet“, sagt Lutsch.

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