Scharfe Kritik vom Betriebsrat Befürchtung: Krankenhaus stirbt auf Raten

Von Arnold Einholz 

Schwere Vorwürfe: Der Betriebsrat kritisiert, dass der Standort durch ein gezieltes Austrocknen von wichtigen Abteilungen systematisch ruiniert werde.

Bei der Eröffnung der neuen Intensivstation in Leonberg schien die Klinik-Welt   noch in Ordnung zu sein – das hat sich  geändert. Foto: SDMG
Bei der Eröffnung der neuen Intensivstation in Leonberg schien die Klinik-Welt noch in Ordnung zu sein – das hat sich geändert. Foto: SDMG

Leonberg - Eine Abkehr auf kaltem Wege vom bisherigen Medizinkonzept und das ohne Beschluss des Kreistages und ohne Anhörung der Betroffenen – das befürchtet der Betriebsrat des Krankenhauses Leonberg. Dies geschehe entgegen aller Beteuerungen und Zusagen des Böblinger Landrats. Der Vorgang habe größte Besorgnis bei den Beschäftigten ausgelöst, heißt es in einer Resolution des Betriebsrates

Noch vor einem Jahr bei der Eröffnung der neuen Intensivstation habe Landrat Roland Bernhard gesagt: „Ich bedaure, dass die Gutachten in der Vergangenheit in eine andere Richtung gegangen sind…“. Und: „Wir brauchen in unseren Häusern Gesichter und kompetente Mediziner…“.

„Die Wahrheit ist, dass das, was praktiziert wird, das genaue Gegenteil davon ist und noch tiefer greifende Auswirkungen auf den Standort Leonberg hat, als das bisherige Medizinkonzept. Die schlimmsten Befürchtungen werden übertroffen“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Ute Geiger

Gynäkologie wird ausgetrocknet

Aus einem Haus mit Grund- und Regelversorgung werde auf kaltem Wege eine Portalklinik ohne medizinisches Spektrum, ohne Kompetenz. „Der Preis für den Neubau auf dem Flugfeld für das Leonberger Haus ist hoch, höher als befürchtet – den Beschluss eines politischen Gremiums dafür gibt es nicht“, heißt es in der Resolution

Als Musterbeispiel dieser subtilen Form des Austrocknens führt der Betriebsrat die Gynäkologie an: Einst als das Beispiel einer Kooperation mit Böblingen gepriesen, werde die Gynäkologie nun zum Muster dafür, wie man eine Abteilung systematisch herunterfährt, bis an der Schließung kein Weg mehr vorbeiführt, meint der Betriebsrat.

Der Böblinger Chefarzt wurde in Leonberg seit Jahren nicht mehr gesehen, obwohl vereinbart wurde, dass Erich Weiss, der Leiter des Zentrums, hier an einem Tag in der Woche eine Sprechstunde anbietet. „Der Transfer von Patienten funktioniert nur in eine Richtung“, kritisiert die Arbeitnehmervertretung. Schon länger dürfen hier keine Mammakarzinome mehr operiert werden. Und jetzt sollen auch die gesamten gynäkologischen Karzinome nur noch in Böblingen operiert werden.

„Es bleibt nur noch eine amputierte Abteilung mit dem Tagesgeschäft, das Personal muss trotzdem vorgehalten werden“, erläutert Ute Geiger. Die Abteilung gerate immer tiefer in die roten Zahlen, und obwohl die Geburtenzahlen kontinuierlich steigen, werde die Schließung unausweichlich. Dann heiße es andererseits, dass das nur verhindert werden könne, wenn das erhebliche Abteilungsdefizit reduziert werde. „Da soll uns ein Mensch sagen, wie das bei den vorgegebenen Bedingungen geschehen kann“, sagt Ute Geiger.

Auch auf diese Weise könne man einen Standort ruinieren, ist die Betriebsratsvorsitzende erbost und führt als nächstes Beispiel für das Herunterfahren auf Raten die Chirurgie an. Die Ankündigung, auf Nachtoperationen zu verzichten, sei nichts anderes. Das werde einen Abbau bei den ärztlichen Stellen nach sich ziehen.

„Der groß angekündigte Schwerpunkt für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ist nicht einmal im Ansatz ein Ausgleich für den Verlust komplexer Eingriffe. Das Ganze wird unwirtschaftlich“, kritisiert der Betriebsrat. In Kombination mit der Verlagerung der Gefäßchirurgie aufs Flugfeld bedeute dies nichts anderes als eine Amputation der gesamten Chirurgie.

Konkurrenzstarkes Umfeld

„Eine Klinik, die keine nächtliche Bereitschaft mehr sicherstellt, die im Spektrum entscheidend beschnitten wird, wird nicht mehr als vollwertiges Krankenhaus wahrgenommen und ist in einem so konkurrenzstarken Umfeld nicht überlebensfähig“, sagt Ute Geiger. In keinem Konzept sei das vorgesehen gewesen. „Dass einer so gestutzten Chirurgie noch, wie im Investitionsprogramm versprochen, neue Operationssäle zur Verfügung gestellt werden, glaubt ja wohl im Ernst niemand mehr.“




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