Schau zum 60. Geburtstag von Baden-Württemberg Baden, Grenzfall im Südwesten

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Die Schau „Liebe Deinen Nachbarn“, konzipiert vom Haus der Geschichte in Stuttgart, blickt in die wechselvollen historischen Beziehungen im Dreiländereck.

Das SS-Soldbuch des Schweizers Benno Schaeppi ist ebenfalls in der Ausstellung im Augustinermuseum zu sehen. Foto: dpa
Das SS-Soldbuch des Schweizers Benno Schaeppi ist ebenfalls in der Ausstellung im Augustinermuseum zu sehen. Foto: dpa

Freiburg - Die Feiern zum 60. Geburtstag des Bundeslandes haben, nach dem parlamentarischen Festakt in Stuttgart am Mittwoch, nun im früheren badischen Landesteil ihre Fortsetzung gefunden. Am Freitag eröffnete nun Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Freiburg die zum Jubiläum vom Haus der Geschichte Baden-Württembergs – eine Schöpfung von Amtsvorvorvorgänger Erwin Teufel (CDU) – erstellte Ausstellung „Liebe Deinen Nachbarn – Beziehungsgeschichten im Dreiländereck“. In Anwesenheit des Oberbürgermeisters, des Erzbischofs und anderer Persönlichkeiten Freiburgs, lobte Kretschmann die „starke und selbstbewusste Zivilgesellschaft“, die im Südwesten entstanden sei. „Das Land ist zusammengewachsen, ohne dass die Regionen ihre Identität verloren haben“, sagte er.

Baden-Württemberg zeichne sich darin aus, dass es nicht ein einziges Zentrum, sondern gleich mehrere gebe und damit auch keine Region, die durch die Fusion ins Abseits geraten ist.

„Die alten Schlachten sind geschlagen“

Den Auftrag für die Große Landesausstellung hatte noch die schwarz-gelbe Vorgängerregierung gegeben, deren amts- und mandatslose Repräsentanten der gestrigen Veranstaltung in Freiburg fast vollständig ferngeblieben sind. „Wir schlagen nicht mehr die alten Schlachten zwischen Südweststaatsbefürwortern und Altbadenern“, betonte Thomas Schnabel, der Direktor des Hauses der Geschichte bei einem Rundgang durch die Ausstellung, die bis Ende September im neuen Augustinermuseum in Freiburg zu sehen ist. „Schwaben und Badener stammen doch ethnisch sowieso aus derselben Familie“, erklärte der Historiker die folkloristischen Frotzeleien unter Beifall für obsolet. Mit mehr als 250 Exponaten erzählt die Ausstellung 50 zum Teil sehr persönliche, nicht immer repräsentative, auf jeden Fall bezeichnende Episoden aus der Geschichte der Nachbarländer Deutschland, Frankreich und der Schweiz. „Wir verzichten auf die Nabelschau und beschäftigen uns mit den Nachbarn“, erklärt Thomas Schnabel das Konzept.

Das ist keine nur angenehme Sache, denn immerhin brauchte es drei immer blutiger gewordene Kriege, um von der Irreführung der „Erbfeindschaft“ zwischen Frankreich und Deutschland wieder abzukommen. Die Liebe zu einem französischen Nachbarn war noch vor 70 Jahren für die 21 Jahre alte Stuttgarterin Hannelore Messemer tödlich. Sie und ihr Geliebter Hugo, vermutlich ein französischer Kriegsgefangener, sahen 1942 keine andere Möglichkeit, als sich das Leben zu nehmen, weil ihrer „Feindesliebe“ Haft oder Tod drohten. Andere Liebesgeschichten gingen gut aus, beispielsweise die des Elsässers Jeremias Risler mit der Freiburgerin Pyrmania Pyhrr im Jahr 1883. Risler wurde Knopffabrikant, die von ihm errichteten Arbeiterhäuser stehen bis heute. Die von einem Züricher Architekten gestaltete Ausstellung führt den Betrachter durch Bretterwände und Holzpassagen zu den Exponaten.