Schaulaufen Erst kommt die Moral, dann kommt der Genuss

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Köstliches Essen auf der Slow-Food-Messe und schöne Frauen bei der Eröffnung der Stuttgarter Filiale einer Trachtenmodekette – das gesellschaftliche Leben der Landeshauptstadt hat wieder einmal alles geboten.

Sarah Nowak, Axel Munz,  Denise Cotte  (v. l.) bei der Eröffnung der Stuttgarter Filiale der Trachtenmodekette Angermaier. Foto: LG/Kovalenko
Sarah Nowak, Axel Munz, Denise Cotte (v. l.) bei der Eröffnung der Stuttgarter Filiale der Trachtenmodekette Angermaier. Foto: LG/Kovalenko

Stuttgart - Die Welt ist voller Widersprüche. Derweil Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung die dramatische Lage skizziert – ein Drittel weniger Bodenfruchtbarkeit, 50 Prozent weniger Grundwasser, 95 Prozent Artenschwund auf den Feldern und dann auch noch der Klimawandel –, regen Düfte den Appetit an. Slow Food ist eben hochpolitisch beziehungsweise: „Die Zivilgesellschaft geht voraus, die Politik hinkt hinterher“, sagte die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, Ursula Hudson, zur Eröffnung der Messe. Fritz Kuhn widersprach, dass er Ausschlag bekäme, wenn er „die Politik“ höre. „Alles in einen Topf zu rühren, gibt keinen guten Eintopf“, so der OB. Und Landwirtschaftsminister Alexander Bonde, ebenso so grün wie Kuhn, distanzierte sich sogleich mit Blick auf das Freihandelsabkommen vom „großkoalitionären Eintopf aus der Bundeshauptstadt“.

Jetzt aber genug Eintopf, denn der Markt des guten Geschmacks ist vielfältig. Allein schon beim Rundgang mit Anhang, darunter die beiden Frauen der Grünen, war allerhand geboten. Aber es ist umgekehrt wie bei Bertolt Brecht, nämlich: erst kommt die Moral, dann kommt der Genuss. So mussten sich Kuhn und Bonde eine flammende Rede des Fischers Jan Geertsema-Rodenburg anhören, erst dann durften sie Austern schlürfen. Waltraud Ulshöfer, seit vielen Jahren Slow-Food-Mitglied, nutzte die Gelegenheit und machte auf ihr Herzensanliegen aufmerksam: das nigelnagelneue Slow-Food-Mobil, hochwertig ausgestattet von einem namhaften Küchenhersteller, mit dem Stuttgarter Schulkindern die Freude am Kochen nahegebracht werden soll. Der Ur-Grüne Rezzo Schlauch kümmerte sich derweil um eine Familienangelegenheit. Er bog mal schnell ab und versorgte den Pressevertreter mit Holundersekt seines Bruders Bernulf Schlauch. Kam gut – nach Rotwein, Bier, Whisky und Streuobstwiesencocktail.

Die Frühjahrsmessen dauern noch bis Sonntag

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Feste Nahrung ist auf der Messe fester Bestandteil, besonders in der von einem namhaften Küchenhersteller ausgestatteten Kochwerkstatt. Die Zwei-Sterne-Legende Hans Stefan Steinheuer forderte von den Kursteilnehmern „Feines vom Kaninchen“, dies aber in aller Ruhe trotz der weiten wegen Wege zwischen den Geräten. Schade eigentlich, dass der Bilderbuchkoch nicht im Fernsehen zu sehen ist. „Ich mag die Formate nicht“, sagt er, aber wenn es um eine gute Sache wie Slow Food gehe, trete er gerne in die Öffentlichkeit.

Noch bis Sonntag ist Messe, dann ist auch schon wieder Samstag und beginnt das Frühlingsfest – Fast Suff statt Slow Food. Einen kleinen Vorgeschmack gab es bei Angermaier, der Trachtenfiliale des Münchner Schwaben Axel Munz, die vom Tagblattturm zum Standesamt umgezogen ist. Nach dem „Soft Opening“ kam es nun zur harten Eröffnung mit gleich vier Playmates, darunter „unsere“ Mia Gray, eine „Miss World Germany“ (Daniela Reimchen), so steht’s auf der Schärpe, und eine Fechterin (Monika Sozanska). Trachtige Männer waren natürlich auch da, zum Beispiel der Glücksradmoderator Frederic Meisner.

Als nächstes steht das Frühlingsfest an

Die Stimmung war gut auf unterschiedlichem Niveau: Verena Stangl ist nicht nur Playmate des Jahres 2014, sondern auch Germanistikstudentin. Sarah Nowak hat zwar keinen „Bachelor“, war aber immerhin Kandidatin in dem edlen TV-Format. „Wo ich bin, das ist bekannt, damit die Leute, die mich sehen wollen, auch sehen können“, sagt die bekannte Günzburgerin über den geplanten Frühlingsfestbesuch. Das Wiesn-Playmate Denis Cotte, das merkt man gleich, „war noch nie auf der Wasen“. Höchste Zeit, wie’s scheint. Außerdem: auf der Wiesn ist im Frühling eh nicht viel los.

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