Das Anstoßen nimmt kein Ende – ein Empfang reiht sich an den anderen. Und sonst? Im Musical „Chicago“ tritt der Schauspieler Pasquale Aleardi auf. Er ist schön und kann singen.
Stuttgart - Wenn man hier gewesen ist, braucht man auf keinen Neujahrsempfang mehr gehen. Hier trifft man sowieso alle.“ So unrecht hat der Audi-Niederlassungsleiter Gunnar Severin nicht. Bei der Boa-Party in der Alten Reithalle haben sich wieder alle getroffen, die zur Stadt noch „Städtle“ sagen. Oder mit Big Tom Yardley (angezogen erschienen) ausgedrückt: „Das ist die einzige Veranstaltung im Jahr, auf der man noch Menschen kennt. Vor allem solche, die man kennen will.“ Jetzt war der 38. Geburtstag des Disco-Urgesteins, zum 40. will Boa-Chef Werner „Sloggi“ Find einen drauflegen. „So lang halt ich auf jeden Fall durch, und wenn ich mit dem Rollator komme.“
Den schönsten optischen Ausblick bietet der Neujahrsempfang der Wirtschafts- und Industrievereinigung Stuttgart (WIV) im Restaurant Empore in der Markthalle. Hier oben war’s diese Woche proppenvoll, schließlich gehört das Netzwerken zu den Aufgaben des Vereins, der laut seinem Vorsitzenden Günter Sabow die Gewerbegebiete vertritt. „Zwischen Vaihingen und Möhringen arbeiten 23 000 Menschen, das wissen die wenigsten.“ Weiteren Erkenntnisgewinn brachte Bernd Kaczmarek, Schornsteinfeger aus Bad Cannstatt. Eingeladen war er als Glücksbringer – warum das so ist, daran sei der Glanzruß schuld. Er entstehe bei unvollständiger Verbrennung und gehe auf wie Hefeteig. „Früher hat’s die alten Kamine verrissen“, so Kaczmarek, „ganze Dörfer, halbe Städte sind abgebrannt.“ Die Menschen seien froh gewesen, einen Kaminkehrer zu sehen, „weil sie wussten, dann sind sie vor einem Brand bewahrt“.
Vor dem Knast bewahrt Billy Flynn manche Mörderin im Musical „Chicago“. Laszive Ladys umfächern den smarten Staranwalt auf der Bühne mit ihren weißen Straußenfedern. Verdammt gut schaut er aus. Und singen kann er auch noch. Der Darsteller Pasquale Aleardi gibt sich bescheiden. „,Chicago‘ verbindet alles, was ich liebe: Schauspiel, Tanz, Gesang. Es ist eine absolute Ehre für mich, dass ich in diesem Musical die Rolle des Billy Flynn nach dem Broadway nun in Stuttgart spielen darf.“ Das Publikum kennt den Schauspieler aus Fernsehen und Kino, aktuell spielt er in Til Schweigers „Honig im Kopf“.
Am Mittwoch hatte Aleardi Premiere in Möhringen. „Geübt“ hatte er in den vorigen Monaten am Broadway, selbes Stück, selbe Rolle. Mit der Sprache hadert er noch ein wenig. „Obwohl die Übersetzung hervorragend ist, lässt es sich im englischen Original einfacher sprechen“, erzählt er. Singen gelernt hat der 43-Jährige, der als Kind griechisch-italienischer Gastarbeiter bei Zürich aufwuchs, nicht auf der dortigen Theaterhochschule. „Eigentlich hat es schon im Kinderzimmer angefangen. Ich habe Platten aufgelegt und mitgesungen.“ Bis Mitte März pendelt er nun nach Berlin und in die Schweiz, wo er seine Verwandtschaft besucht. „Dafür liegt Stuttgart ideal.“ Müssen nur noch die Fränkli mittun.